Was euch das neue Pauschalreiserecht bringt

Was euch das neue Pauschalreiserecht bringt

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Pauschalreiserecht
©Fotolia/sepy

Ab 1. Juli gilt in Deutschland ein neues Pauschalreiserecht, das u.a. einzeln gebuchte Reiseleistungen besser absichert. Aber es bringt auch Nachteile.

Bei einer Pauschalreise hatten wir Kunden bisher mehr Rechte als bei der Buchung einzelner Leistungen. Da wir aber immer öfters unsere Reise mit wenigen Klicks im Internet selbst zusammenstellen, gelten seit dem 1. Juli europaweit Mindeststandards für Reisebuchungen.

Schutz bei Insolvenz und mehr Zeit für die Anzeige von Mängeln

Bisher galt: Bei einer Pauschalreise bekommt ihr im Fall einer Insolvenz des Veranstalters euer Geld zurück, könnt bei Mängeln den Reisepreis mindern und Schadenersatz verlangen. Wer dagegen alle Leistungen einzeln als Baustein gebucht hatte, ging leer aus.

Letzteres hat sich nun geändert. Diese so genannten Baustein-Reisen gelten neuerdings als verbundene Reiseleistung, wenn ihr etwa Flug und Hotel einzeln, aber für die gleiche Reise online oder im Reisebüro beim gleichen Anbieter innerhalb von 24 Stunden bucht.

Der Vermittler der Reise muss eure Anzahlung gegen Insolvenz absichern und euch seit dem 1. Juli wie bei einer Pauschalreise bei der Buchung einen Sicherungsschein vorlegen. Der Vorteil: Geht z.B. das Portal pleite, bekommt ihr das angezahlte Geld zurück.

Außerdem muss der Vermittler der Reise euch über die Art der Reise, also Pauschalreise oder verbundene Reiseleistung, per Formblatt informieren. Tut er dies nicht, gilt für eure gebuchte Reise automatisch das bessere Pauschalreisereicht.

Neu: Für Reisemängel könnt ihr jetzt europaweit zwei Jahre lang Schadenersatz fordern. Bisher betrug die Frist dafür einen Monat nach Reiseende.

Tipp: Mängel im Hotel wie Baustelle, leerer Pool, schmutziges Zimmer etc solltet ihr immer sofort bei der Rezeption oder der Reiseleitung melden. Mehr Tipps auf lisa.de.

Nachteile bei Preisänderungen, Tagesreisen und Ferienhäusern

Preisänderungen

Auch nach der Buchung sind noch größere Preisänderungen möglich. Bisher konntet ihr in solchen Fällen eure Reise kostenlos stornieren, wenn der Preis nach der Buchung um mindestens 5 Prozent erhöht wurde. Dies ist seit dem 1. Juli erst ab einer Erhöhung von acht Prozent möglich. Ein Hinweis auf höhere Kerosin-Preise oder gestiegene Wechselkurse genügt. Auch durfte der Preis bisher innerhalb von vier Monaten vor Reisebeginn nicht erhöht werden. Dieser Schutz beginnt nun erst 20 Tage vor Reisebeginn.

Tagesreisen

Bisher fällt die Busreise zur Hafen-Rundfahrt nach Hamburg oder zum Oktoberfest nach München unter das Pauschalreiserecht. Das heißt: Eure Anzahlungen waren vor Insolvenz geschützt, bei Mängeln haftete der Veranstalter. Nun gilt dies nicht mehr für Reisen mit einem Wert von unter 500 Euro.

Ferienhaus

Wie bei Tagesreisen fällt auch bei der Buchung von Ferienhäusern oder -apartments das Pauschalreiserecht weg. Bisher hafteten Agenturen und Veranstalter nach deutschem Recht für Mängel und sicherten eure Anzahlungen gegen Insolvenz ab. Bucht ihr jetzt ein Ferienhaus z.B. in Spanien bei einem deutschen Veranstalter, gilt spanisches Mietrecht. Euer Geld dann bei Mängeln zurückzubekommen, könnte schwierig werden. Deshalb solltet ihr vor der Buchung genau darauf achten, welche Regeln im Streitfall gelten. Dies steht bei seriösen Anbietern in den FAQs bzw. in den AGBs. Anzahlungen an unseriöse Anbieter können im schlimmsten Fall verloren gehen.

Tipp: Das Europäische Verbraucherzentrum (EVZ) Deutschland hilft kostenlos bei Fragen zu Verbraucherrechten in der EU weiter. Ihr könnt dort z.B. eine Gratis-Broschüre mit Infos zum neuen Pauschalreiserecht anfordern.

Freiwillige Leistung der Veranstalter

Immer mehr Veranstalter bieten als Reaktion auf die neue Rechtslage Einzelleistungen mit Pauschalreiseschutz an (z.B. TUI, Schauinsland Reisen, DER Touristik, Alltours). Eine Nachfrage im Reisebüro oder vor der Onlinebuchung lohnt auf jeden Fall.