Das sind eure Fluggastrechte bei Verspätung und Co.

Das sind eure Fluggastrechte bei Verspätung und Co.

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Fluggastrechte
©iStock/kasto80

In Zeiten von insolventen und streikenden Airlines solltet ihr eure Fluggastrechte gut kennen – denn nur so bekommt ihr euer Geld zurück.

Eure Fluggastrechte kommen bei Ärgernissen wir verspätete Flieger, Streiks oder annulllierten Flügen zum Tragen. Glücklicherweise haben Passagiere laut EU-Verordnung in vielen Fällen Anspruch auf eine Entschädigung – viele wissen es nur nicht. Lest hier mehr über eure Rechte als Fluggast und wie ihr an eine Entschädigung kommt.

Die Maschine ist verspätetÜberbuchung, Defekt etc.Anschlussflieger verpasst ...Koffer ist wegPauschalreiseWas gilt bei Streik?
Ab drei Stunden Verspätung oder einem verpassten Anschlussflug steht Passagieren bei Flügen innerhalb der EU eine Entschädigung zwischen 250 und 600 Euro zu. Gut zu wissen: Dabei zählt nicht, ob die Maschine zu spät abfliegt oder wann sie landet. Wichtig ist, zu welchem Zeitpunkt der Flieger nach der Landung die Türen am endgültigen Reiseziel öffnet (EuGH, Az.: C-452/13). Tipp: Sammelt Beweise. Macht z.B. ein Foto von der Anzeigetafel oder mit dem Mobiltelefon einen kurzen Mitschnitt der Ansagen.
Der Flug wird kurzfristig annulliert, z.B. wegen Überbuchung, oder kann nicht starten, weil kein Personal an Bord ist oder ein technischer Defekt am Flugzeug aufgetreten ist. In diesen Fällen könnt ihr euch den Ticketpreis erstatten lassen oder eine andere Beförderung zum Ziel verlangen. Strandet ihr an einem Airport, so müssen die Airline bzw. der Veranstalter, über den ihr den Flug gebucht habt, für Verpflegung und Hotelkosten aufkommen. Tipp: Belege für Verpflegung bzw. Übernachtung aufheben. Bleibt euer Flieger aber aufgrund von Streik oder schlechtem Wetter am Boden, ist das laut BGH-Urteil höhere Gewalt. Den Passagieren steht dann keine Entschädigungszahlung zu (Az.: X ZR 138/11). Pauschalreisende sind davon ausgenommen (s. Pauschalreise).
… und auf einem Flughafen gestrandet: Habt ihr Zubringer- und Anschlussflug bei einer Airline gebucht, muss die betreffende Fluggesellschaft einen Ersatzflieger organisieren, sich um eure Verpflegung kümmern sowie etwaige Hotelkosten übernehmen. Zudem habt ihr wegen der Verspätung Anspruch auf Entschädigungszahlungen (siehe o.). Gut zu wissen: Wurden die beiden Flüge bei verschiedenen Gesellschaften gebucht, zahlt die Zubringer-Airline ab einer Verspätung von mindestens drei Stunden am Zwischenziel.
Wendet euch am besten gleich an den Lost-and-Found-Schalter am Flughafen. Habt ihr keine Kleidung und Waschzeug, könnt ihr euch mit dem Nötigsten ausstatten (ca. 25 € bis 200 € je nach Airline). Besteht darauf, dass euer Gepäck kostenlos an die Urlaubs-/ Heimatadresse nachgeschickt wird. Tipp: Hebt euer Ticket mit dem aufgeklebten Gepäckabschnitt auf. Bekommt ihr den Koffer nicht zurück, könnt ihr damit euren Anspruch auf Schadensersatz belegen (bis 1220 € p. P.). Gut zu wissen: Gehen z.B. die beiden Koffer einer vierköpfigen Familie verloren, so muss die Airline jedem einzelnen Familienmitglied Entschädigung zahlen (EuGH, Az.: C-410/11).
Hier ist die Rechtslage anders. Es stellt sich nur die Frage, ob der Veranstalter seine Leistungspflicht erfüllt. Die Gründe, warum dagegen verstoßen wird, sind unwichtig. Ist euer Flug Teil einer Pauschalreise und bleibt ihr am Boden, ist der Reiseveranstalter euer Ansprechpartner. Er muss auch bei Streik für Ersatzflug, Verpflegung und Unterkunft sorgen (Mehr Infos s. unter Streik).
Trotzdem ans Ziel
Ein Streik gilt als höhere Gewalt. Dessen ungeachtet müssen die Fluggesellschaften dafür sorgen, dass ihre Kunden ans Ziel gelangen, z. B. durch Sonderflugpläne, Ersatzbeförderung mit Bus oder Bahn bzw. kostenfreie Umbuchungen. Außerdem haben die Passagiere laut EU-Fluggastrechteverordnung auch bei Streik Anspruch auf Versorgung durch die Airline, z. B. per Essensgutschein. Ihr könnt auch das Ticket ab der 5. Verspätungsstunde zurückgeben und euch den Preis auszahlen lassen. Tipp: Oft werden in so einem Fall Reisegutscheine angeboten, die im Wert vielleicht geringer sind, als der Reisepreis und die ihr nicht akzeptieren müsst. Gut zu wissen: Verzögert sich der Beginn einer Pauschalreise durch einen Streik um einige Tage, könnt ihr nachträglich den Reisepreis mindern bzw. den Urlaub kostenfrei stornieren und das Geld zurückfordern. Schadensersatz wegen vertaner Urlaubszeit gibt es allerdings nicht.

Infos, Tipps & Hilfe

Über Fluggastrechte sowie die Entschädigungsansprüche von Passagieren informiert z.B. die Gratis-App „Ihre Rechte als Reisende“ (iPhone) oder der Bürgerservice des Luftfahrt-Bundesamtes.
Kommt es wegen der Ansprüche zu Problemen mit der Airline, können sich Fluggäste an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) wenden. Die Juristen prüfen den Fall kostenlos und geben eine Schlichtungsempfehlung. Gut zu wissen: Es gibt auch Entschädigungsdienstleister wie refund.me, fairplane.de, euclaim.de oder flightright.de, die Fluggastrechte durchsetzen. Diese nehmen im Erfolgsfall eine Provision von bis zu 25 Prozent.