Trachten – Tradition in Stoff und Farben

Trachten – Tradition in Stoff und Farben

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©Wallbaum/STG
Schwarzwälder Tracht mit Bollenhut www.schwarzwald-tourismus.info ©Wallbaum/STG

Tradition und Brauchtum zeigt sich in vielen verschiedenen Facetten. Eine davon sind die Trachten: früher einfache Arbeitskleidung, heute ein Sinnbild ländlicher Romantik.

Ursprung

Die deutsche Volkstracht hat ihren Ursprung im frühen 19. Jahrhundert. Dort entstand am bayrischen Hof und in Wien eine regelrechte Trachtenbegeisterung. Von Bayern aus eroberten sie ganz Deutschland. Was in Zeiten des Nationalsozialismus teilweise zu Propaganda-Zwecken ausgenutzt wurde.

Heute sind traditionelle Trachten wieder ein gern gesehenes Stück Heimat. Eine Tracht zu tragen ist keine beliebige Kleiderwahl – sie steht für Verbundenheit, Werte und Tradition.

Der Trachten-Stil nach Regionen

Auch im Schwarzwald spielt die Tracht z.B. eine enorm große Rolle. Sowohl für den Tourismus, als auch für die Einheimischen, die ihre Tradition in zahlreichen Heimatvereinen am Leben erhalten. Am Beispiel der Schwarzwälder-Tracht lassen sich Aufbau und Besonderheiten sehr gut erklären.

Bollenhut Schwarzwald ©S.Nieselt /STG
Das Markenzeichen des Schwarzwaldes: der Bollenhut. www.schwarzwald-tourismus.info ©S.Nieselt /STG
Kopfbedeckung

Im Schwarzwald sicherlich am auffälligsten und auch sonst von großer Bedeutung ist die Kopfbedeckung der Frauen. Der Bollenhut ist dabei wohl die bekannteste. Er kann bis zu zwei Kilogramm wiegen.
Berühmt sind auch die Berner Hauben mit Rosshaarspitzen und die Goldhauben aus dem Passauer Land. In der alten allgäuer Gebirgstracht tragen Frauen einen praktischen grünen Hut mit Flaum, der früher bei der Arbeit auf den Bergen vor Sonnenstrahlen schützte.

Dekolleté

Volkstrachten gibt es meistens in zwei verschiedenen Ausführungen. Eine für die Werktage und eine für die Festtage. Viel Wert wird neben der Kopfbedeckung auch auf das Dekolleté gelegt. In Mittelschwaben tragen die Frauen zum Beispiel hübsche Muschelspitzen an ihrem sogenannten Nackenschlingentuch.

Auf ganz andere Art und Weise setzt man diesen Abschnitt in Bayern in Szene: Dirndl haben heute tiefe Ausschnitte, oft wird der Busen sogar noch durch einen speziellen Dirndl-BH gestützt. Diese moderne Interpretation der Tracht stammt sicher nicht aus den ländlichen Regionen. Vielmehr sind sie die Vorstellung der Städter aus dem 19. Jahrhundert, die diese von einem Kleid auf dem Land hatten.

 

Bollenhutmacherin Schwarzwald ©Gaby Baur/Schwarzwald Tourismus
Eine traditionelle Bollenhutmacherin aus dem Schwarzwald ©Gaby Baur/Schwarzwald Tourismus

Bedeutung

Früher hatte die Tracht außerdem eine besondere Aufgabe, die heute gar keine Rolle mehr spielt: die Kommunikation. Herkunft, Vermögen und soziale Stellung waren durch die spezielle Kleidung auf den ersten Blick erkennbar. Die Farben der Tracht oder die Stelle, an der die Schleife gebunden wurde, verrieten, ob die Frau ledig, verheiratet oder Witwe war. Männer schmückten ihre Brust mit einer Vielzahl an Abzeichen, bei Frauen war vor allem der Rock aussagekräftig. Das zeigte sich in besonderem Ausmaß bei der Schwälmer Tracht aus Hessen, wo man bis zu 15 verschiedene Röcke übereinander zog, um seinen Status zu unterstreichen.

 

Heute bedeutet Tracht vor allem eines: die Besinnung zu dem Ort, in dem man aufgewachsen ist.


Tracht bedeutet Heimat.