Parabene, Silikone & Co – wie gefährlich sind Kosmetik-Inhaltsstoffe?

Parabene, Silikone & Co – wie gefährlich sind Kosmetik-Inhaltsstoffe?

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Parabene und Co. Kosmetik-Inhaltsstoffe
©iStock/pedrosala

Heute werden Produkte damit beworben, was NICHT drin ist – wie Parabene, Silikone und Co. Aber auf welche Inhaltsstoffe sollten wir wirklich verzichten?

Wer schon einmal auf die Inhaltsstoff-Liste (INCI) von Kosmetik-Produkten geschaut hat, der weiß, wie kompliziert die Angelegenheit ist. Selbst wenn man weiß, welchen Inhaltsstoff man vermeiden möchte, muss man den erst einmal finden! Wir haben einen Erklärungsversuch gestartet, der euch das Inhaltsstoffe-Labyrinth ein bisschen näher bringen soll – und das so einfach wie möglich.
Bitte behaltet immer im Hinterkopf: Niemand fällt tot um, weil er ein bestimmtes Shampoo oder eine Creme benutzt hat. Die Dosis macht das Gift – so auch bei den Inhaltsstoffen in Kosmetika.

Extra-Tipp: Bei Codecheck oder der kostenlosen App Tox Fox, kann man seine Produkte auf gefährliche Inhaltsstoffe kontrollieren lassen.

Parabene

Einsatz: Konservierungsstoff

INCI-Bezeichnung: Wörter, die auf -paraben enden (z.B. Methylparaben), Metagin, Propagin, Oxybenzoesäure/Oxybezoat, Hydroxybezoesäure/Hydroxybenzoat, PHB und Parahydroxybenzoat

Parabene werden in Kosmetika dazu eingesetzt, das Produkt haltbar zu machen. Das Problem: Ihr Aufbau ist dem des weiblichen Hormons Östrogen so ähnlich, dass es den Hormonhaushalt des Körpers erheblich durcheinanderbringt. Das kann vor allem für Schwangere, Föten, Kleinkinder und Jugendliche in der Pubertät gefährlich werden. Außerdem stehen Parabene in Verdacht, durch ihre Anlagerung im Körper Krankheiten wie Brustkrebs, Unfruchtbarkeit oder Diabetes zu begünstigen. 2004 haben britische Wissenschaftler erhöhte Mengen Parabene in Brusttumoren festgestellt – der Zusammenhang zwischen dem Konservierungsstoff und dem Krebs ist aber nicht bestätigt.

Gerade in Haarpflegeprodukten wird immer mehr damit geworben, dass man auf Parabene verzichtet. Auch zertifizierte Naturkosmetik ist eine gute Alternative, denn hier setzt man grundsätzlich nur auf natürliche Konservierungsstoffe.

Poly Ethylen Glykole (PEG)

Einsatz: Tensid, Emulgator

INCI-Bezeichnung: PEG + Nummer, Wörter mit -eth (z.B. Sodium Laureth Sulfat)

PEGs dienen in Kosmetika hauptsächlich dazu, Wasser und Fett zu verbinden. Dabei dringen die erdölbasierten Emulgatoren in die Haut ein und machen sie leichter angreifbar für Schadstoffe und Umwelteinflüsse. Dadurch stören sie den natürlichen Feuchtigkeitsfaktor der Haut, lassen sie rau und faltig werden. Auch Allergien können durch diesen Vorgang ausgelöst werden.
Viele PEG-Derivate (z.B. auch das folgende Sodium Laureth Sulfat) stehen im Verdacht, durch Verunreinigungen krebserregende Nitrosamine zu bilden und sind aufgrund ihrer Herstellung aus Erdöl umweltschädlich.

Sodium Lauryl Sulfat (SLS) und Sodium Laureth Sulfat (SLES)

Einsatz: Tensid

INCI-Bezeichnung: Sodium Lauryl Sulfat, Sodium Laureth Sulfate

SLS und SLES sind zwei der bekanntesten PEGs. Bei diesen komplizierten Namen handelt es sich um sogenannte Tenside: schäumende und fettlösende Substanzen, die in Kosmetika für die Reinigung von Haut und Haar zuständig sind. Es gibt milde Tenside, wie zum Beispiel auf Basis von Zucker oder Kokos. Die oben genannten Sulfate gehören allerdings zu denjenigen, die die Haut reizen und Allergien auslösen können. Das liegt daran, dass die aggressiven Tenside die Haut durchlässig machen für Schadstoffe und Umwelteinflüsse. Besonders SLES steht im Verdacht, karzinogene (krebserregende) Nitrosamine zu bilden. Mehr zu Nitrosaminen lest ihr im Abschnitt „Amine“.

Paraffine und Vaseline

Einsatz: Filmbildner

INCI-Bezeichnung: Paraffinum Liquidum, Petrolatum, Cera Microcristallina, Ozokerite, Ceresin, Mineral Oil, Paraffin Wax, Paraffin Oil, Vaseline, Petrolatum

Erdöl kommt in Kosmetika in den unterschiedlichsten Formen vor. Die am häufigsten verwendeten sind Paraffine und Vaseline. Sie bilden einen Film auf der Haut (deshalb Filmbildner) wodurch sie keine Feuchtigkeit mehr verliert und sich kurzfristig weich und geschmeidig anfühlt (dieser Vorgang nennt sich Okklusion). Allerdings haben weder Paraffine noch Vaseline einen eigenen Pflegeeffekt. Das gute Hautgefühl verschwindet, sobald auch der Erdölfilm wieder weg ist. Außerdem heißt es, dass die Haut unter diesem Film nicht atmen und ihren natürlichen Stoffwechsel nicht durchführen kann. Dadurch stellt sie die Feuchtigkeitsproduktion ein und wird spröde. Allerdings heißt es in anderen Quellen auch, dass die Atmung der Haut so gering wäre, das dieser Faktor keine Rolle spiele.

Das größte Problem ist jedoch die Verunreinigung: Paraffine und Vaseline bestehen normalerweise aus gesättigten Kohenwasserstoffen, die für die Gesundheit unbedenklich sind. Jedoch kommt in Erdöl auch ungesättigter Kohlenwasserstoff (z.B. Benzol oder aromatischer Kohlenwasserstoff MAOH) vor, der erwiesenermaßen krebserregend ist. Erst im letzten Jahr hat die Stiftung Warentest in 25 Kosmetik-Produkten eine 15 000-mal höhere Konzentration an gefährlichem MAOH entdeckt als in Lebensmitteln.

Derivate aus Campher, Salicylsäure und Zimtsäure

Einsatz: UV-Filter

INCI-Bezeichnung: Ethylhexyl Methoxycinnamate, 4-Methylbenylide Camphor, 3-Benzylindene Camphor, Wörter mit der Silbe -benzo

Sonnencreme ist ein Muss, auch im Winter! UV-Filter und UV-Absorber schützen unsere Haut vor schädlichen UVA und UVB-Strahlen. Kritisch wird es jedoch, wenn diese Filter, die uns eigentlich schützen sollen, selbst gefährlich werden. Bei chemischem Lichtschutz kann das passieren. Etliche Derivate aus Campher, Salicylsäure und Zimtsäure stehen im Verdacht, krebserregend und hormonell wirksam zu sein. Bei UV-Absorbern, die in der INCI-Liste durch die Silbe -benzo erkennbar sind, gilt dasselbe.
Die alternativen natürlichen UV-Filter (Titandioxid und Zinkoxid) sind in Sachen Schutz genauso zuverlässig wie chemische UV-Filter, hinterlassen aber häufig einen weißen Film auf der Haut und sind nicht ganz so leicht zu verteilen.

Parabene, Silikone & Co.
Der Blick in die INCI-Liste (International Nomenclature Cosmetic Ingredients) lohnt sich! ©iStock/gilaxia

Nitro- und polyzyklische Moschusverbindungen

Einsatz: Duftstoff

INCI-Bezeichnung: Auf der INCI-Liste steht leider nur Parfume oder Fragance – aber keine genauere Angabe

Duftstoffe werden in allen möglichen Formen und vor allem in fast jedem Beauty-Produkt verwendet. Manche sind völlig harmlos, andere können für unseren Körper gefährlich werden. Allerdings steht auf der Verpackung nie mehr als das Wörtchen „Fragrance“ oder „Parfume“ und lässt den Verbraucher so im Dunkeln darüber, um welchen Duftstoff es sich handelt.
Problematisch wird es, wenn das Parfüm eine häufig verwendete Nitro- oder polyzyklische Moschusverbindung ist. Diese kann (wie sehr viele Duftstoffe, auch natürliche) Allergien hervorbringen. In diesem speziellen Fall wurden bei Tierversuchen sogar krebserregende und hormonell wirksame Eigenschaften festgestellt.

Silikon

Einsatz: Filmbildner

INCI-Bezeichnung: Wörter mit der Endung -cone oder -xane (z.B. Cyclomethicone, Dimethicone, Amodimethicone)

Silikone basieren genau wie Paraffine und Vaseline auf Erdöl und bilden wie sie einen wasserundurchlässigen Film auf der Haut. Dieser sorgt dafür, dass die Haut darunter aufquillt (Okklusion) und sich vorerst weich und prall anfühlt – der typische Weichzeichner-Effekt.  Allerdings haben Silikone keine eigene Pflegewirkung und dienen nur als billiger Ersatz zu hochwertigen Pflanzenölen. Der Film auf der Haut verhindert den natürlichen Stoffwechsel der Haut, überschüssiger Talk wird nicht abgetragen und die Poren können verstopfen.
Auch umwelttechnisch macht sich Silikon nicht besonders gut. Zum einen ist die Herstellung aus Erdöl nicht gut für unser Klima, zum anderen ist die Ressource begrenzt. Außerdem sind Silikone nicht gut biologisch abbaubar und verteilen sich deshalb in unserem natürlichen Kreislauf.

In zertifizierter Naturkosmetik sind alle Rohstoffe aus Erdöl, also auch Silikon, verboten.

Phtalate

Einsatz: Weichmacher

INCI-Bezeichnung: Achtung, kaum erkennbar! Wörter mit -phthalat (selten)

Das Problem bei diesem Weichmacher ist: Er ist für den Verbraucher nur schwer erkennbar. Wenn man Glück hat, findet man auf der INCI-Liste ein Wort mit der Endung -phthalat. Häufig kommen Phtalate aber auch in denaturiertem Alkohol vor und sind damit völlig undurchsichtig für den Verbraucher.

Alle Phtalate stehen unter dem Verdacht, wie Hormone zu wirken. Ähnlich wie bei Parabenen kommen Phatalte nicht nur in Kosmetik vor, sondern begegnen uns in sämtlichen Alltagsgegenständen. Dadurch ist es unmöglich, einen Überblick darüber zu halten, wie viel des Stoffs wir zu uns nehmen.

Formaldehyd

Einsatz: Konservierungsmittel

INCI-Bezeichnung: Achtung, kaum erkennbar! Versteckt sich z.B. hinter: Diazolidinyl Urea, Bronopol, Quaternium-15, Sodium Hydroxymethylglycinate, Methenamine, 2,4-Imiazolidinedione und 5-Bromo-5-nitro-1,3-dioxane

Formaldehyd wird pur kaum noch eingesetzt, sondern fast nur noch von anderen Inhaltsstoffen abgespalten. Das können allerdings alle möglichen sein. Einige der wichtigsten haben wir euch aufgelistet. Formaldehyd wurde 2004 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) offiziell als krebserregend eingestuft. Kurzfristig führt es aber auch zu Reizungen der Haut und der Atemwege und kann Allergien auslösen.
Als Konservierungsmittel kommt Formaldehyd nur noch in etwa zwölf Prozent aller Kosmetik-Produkte vor. Dafür wird es immer noch gerne in Nagellacken und Haarglättungs-Produkten benutzt. Wie Öko-Test herausfand sogar in Mengen, die den von der EU vorgegebenen Höchstwert überschreiten.
Bei Nagellacken kann man auf sogenannte 5-free Varianten zurückgreifen, wie sie zum Beispiel von Naturkosmetik-Herstellern angeboten werden. Bei diesen Nagellacken werden auf die fünf schädlichsten Inhaltsstoffe verzichtet (Formaldehyd, Phtalate, Toulol, Formaldehyd Harze, Campher).

Amine

Einsatz: Alkohol als Weichmacher, Feuchthaltemittel oder Konservierungsstoff

INCI-Bezeichnung: Wörter mit DEA, MEA oder TEA

Alkohol kommt in irgendeiner Form in fast jedem Kosmetik-Produkt vor und tut der Haut selten etwas Gutes. Besonders kritisch sind vor allem Triethanolamin (TEA) und Dietholamine (DEA). Zum einen können diese selbst Allergien auslösen. Zum anderen zum Beispiel durch Verunreinigungen oder durch die Kombination mit synthetischen Konservierungsstoffen Nitrosamine bilden. Nitrosamine gehören zu den krebserregendsten Stoffen überhaupt und können vor allem Lunge und Niere, aber auch Erbgut schädigen.
Der NDR hat für seine Dokumentation „Die Tricks der Kosmetikindustrie“ in einigen konventionellen Mascaras Mengen von Nitrosaminen gefunden, die den gesetzlich erlaubten Grenzwert weit überschreiten. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat den Verkauf der betroffenen Wimperntuschen daraufhin verboten.