So entsteht die deutsche Konfektionsgröße

So entsteht die deutsche Konfektionsgröße

von -
So entstehen deutsche Konfektionsgrößen © iStock / GeorgeRudy
© iStock / GeorgeRudy

In einem Laden passt sie, im nächsten ist die Hose in der selben Größe wieder zu eng. Aber: Wer bestimmt eigentlich die deutsche Konfektionsgröße? LISA.de hat sich auf die Suche gemacht.

Wir haben herausgefunden: Für die Körpermaßtabellen in Deutschland ist das Textilforschungszentrum der Hohensteiner Institute zuständig, nach denen sämtliche Bekleidungshersteller ihre Schnitte ausrichten.

So entstehen deutsche Konfektionsgrößen © Simone Morlock, Hohenstein Institute
© Simone Morlock, Hohenstein Institute

Wie das genau funktioniert, verrät uns Dipl.-Ing. Simone Morlock im Interview:

Frau Morlock, wie berechnet man eigentlich die Konfektionsgröße?
„Bei Damen werden vom Brustumfang 12 abgezogen, dieser Wert wird dann durch 2 geteilt Beispielrechnung: Brustumfang von 88 Zentimetern minus 12 : 2  = Größe 38. Den Korrekturfaktor der Zweiteilung hat man historisch gesehen eingeführt, dass kein direkter Rückschluss auf den Brustumfang der Dame möglich ist. Beispielrechnung Herren: Brustumfang von 100 Zentimetern : 2 = 50.
Basismaße stellen generell der Brustumfang und die Körperhöhe dar. Davon ausgehend werden die „Durchschnittsmaße“ ermittelt für Hüftumfang, Taillenumfang, Innere Beinlänge, Armlänge, Schulterbreite, etc.
Das heißt, wenn zum Beispiel ein Hüfttyp in einer Brustumfangsklasse am häufigsten auftritt, werden die Maße, die diesen Typ definieren, bei dieser Klasse verwendet.“

Ja wie oft vermessen Sie die Menschen für die Kleidergrößen denn?
„Seit 1960 werden Reihenmessungen durchgeführt, die letzte erfolgte 2007/2008. Allerdings muss man hier zwischen Damen und Herren unterscheiden. Die Damen wurden fast regelmäßig ca. alle 10 Jahre vermessen. Die Herren weitaus weniger.“

Und auf wie viele Teilnehmern stützen sich die Daten jetzt?
„13.362 Männer, Frauen und Kinder im Alter zwischen 6 und 87 Jahren wurden per 3D-Scannertechnologie in sitzender und stehender Position vermessen.“

Haben sich die Messergebnisse in den letzten Jahren verändert?
„Ja, die Proportionen der deutschen Bevölkerung haben sich deutlich verändert. Wir sind im Durchschnitt größer und kräftiger als unsere Eltern und Großeltern. Im Vergleich zu 1994 sind die Damen um einen Zentimeter größer geworden, der Brustumfang hat um 2,3 cm zugenommen, der Taillenumfang um 4,1 cm und der Hüftumfang um 1,8 cm.“

Warum unterscheiden sich die Konfektionsgrößen so stark im Ländervergleich?
„Bevor Reihenmessungen durchgeführt wurden, hatte jeder Hersteller sein eigenes Größensystem. Die Maßanfertigung stand im Vordergrund. Erst mit der Serienfertigung von Bekleidung im 20. Jahrhundert wurden einheitliche Größen benötigt. Aber nicht in jedem Land sind offizielle Größentabellen verfügbar.
Das weitere große Problem ist, dass diese Vorgaben nicht verbindlich sind und Hersteller die Größen anders interpretieren können. Hinzu kommen noch Unterschiede bezüglich der Bequemlichkeitsweiten und des Designs für unterschiedliche Ziel- und Altersgruppen.
Ein Beispiel: Bekleidung für eine junge Frau passt nicht zwangsläufig einer Frau 50 plus, weil sich Haltung und Körperform mit den Jahren signifikant verändern.
Seit Mitte der Neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts ist eine Expertengruppe im Rahmen der europäischen Normungsvereinigung CEN dabei, eine einheitliche europäische Größensystematik und -bezeichnung zu entwickeln, doch bislang ist noch kein Ergebnis absehbar. Zu unterschiedlich sind die Ansichten und Ziele der beteiligten Länder.“

Ähnliche Artikel