Weihnachtsbräuche international

Weihnachtsbräuche international

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Weihnachtsbräuche wie z.B. ein Mistelzweig
© iStock/Halfpoint

Frohe Weihnachten heißt es nun wieder überall. Zum Fest in Deutschland gehören Weihnachtsbräuche wie Tannenbaum, Krippe und Geschenke. Doch wie feiern die Menschen in anderen Ländern?

Dänemark: Glædelig Jul!

Ähnlich wie bei uns und doch ein wenig anders sind die Weihnachtsbräuche der Dänen. Der Weihnachtsmann heißt Julemand und kommt aus Grönland. Ihn begleiten die Nisser, das sind Weihnachtskobolde, die immer zu Streichen aufgelegt sind. Um sie freundlich zu stimmen, stellt man auch heute noch in ländlichen Gegenden am Weihnachtsabend ein Schüsselchen mit Milchreis auf den Speicher. Das Weihnachtsessen gibt’s am 24.12., serviert wird Gans, Pute oder Schweinebraten mit Rotkohl und braunen Kartoffeln (die werden in der Pfanne mit Zucker angebraten). Milchreis mit Kirschsoße und Sahne sind das Dessert. Darin ist eine ganze Mandel versteckt. Wer sie findet, bekommt das Mandelgeschenk, etwa ein Marzipanschwein. Die Geschenke liegen unterm Weihnachtsbaum, der mitten im Zimmer steht. Denn schließlich wollen die Dänen um ihn tanzen. An den beiden Weihnachtsfeiertagen trifft man mittags Freunde und Kollegen und feiert bei Lachs, Pastetchen und Fleischbällchen weiter.

Niederlande: Vrolijk Kerstfeest!

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Am 6.12. bringen in den Niederlanden Sinter Klaas und der Zwarte Piet die Geschenke ©iStock/KIVILCIM PINAR

Die holländischen Kinder bekommen schon am 6.12., am Nikolausabend, ihre Geschenke. Die verteilt Sinter Klaas mit seinem Helfer, dem Zwarte Piet. Dazu stellen die Kleinen am 5.12. ihre Schuhe abends vor die Tür. Ansonsten sollen die beiden Geschenkebringer in Spanien leben und jedes Jahr Mitte November mit dem Schiff in die Niederlande reisen und dort leckere Peppernooten verteilen (auf Deutsch Pfeffernüsse). Ihre Ankunft Mitte November wird in einigen holländischen Hafenstädten sogar groß gefeiert. Der 1. Weihnachtstag gilt in den Niederlanden eher als religiöses Fest. Allerdings setzt sich in den letzten Jahren immer mehr durch, dass die Kinder auch an Weihnachten vom Weihnachtsmann kleine Päckchen erhalten.

Polen: Wesolych Swiat!

Heiligabend ist das wichtigste Familienfest. An diesem Tag legen die Polen Wert auf Eintracht und Harmonie in der Familie, denn so soll angeblich auch das folgende Jahr friedlich verlaufen. Steht an Heiligabend der erste Stern am Himmel, beginnt das Weihnachtsritual. Zunächst wird die Weihnachtsgeschichte vorgelesen, dann Stücke einer geweihten Oblate an alle Familienmitglieder verteilt. Danach setzen sich alle an den Esstisch, auf dem ein zusätzliches Gedeck steht. Es erinnert an die Verstorbenen der Familie – und falls ein unerwarteter Gast vorbeischauen sollte. Typische Weihnachtsgerichte sind Hering oder Karpfen. Manche Familien legen ein kleines Heubündel unter den Esstisch, um an Jesus Geburtsstätte in einem Stall zu erinnern und damit der kleine Esel, der das Christkind durch Polen begleitet, etwas zu futtern hat. Unter die Teller legt man ein Geldstück, um vor Armut geschützt zu sein. Die Kinder müssen in Polen allerdings geduldig sein: Geschenke gibt’s erst nach dem Dessert!

Italien: Buon Natale!

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An Weihnachten gibt es in Italien leckeren Kuchen, den Panettone ©iStock/etorres69

Natale heißt das Weihnachtsfest auf italienisch. An Heiligabend wird meist kein Fleisch gegessen, dafür kommen Meeresfrüchte und viel Süßes auf den Tisch wie z. B. Panettone, eine Art Rodonkuchen mit kandierten Früchten und Rosinen. Die Kinder bekommen an verschiedenen Tagen, je nach Region, ihre Geschenke. In Norditalien ist es meist am 24.12., dann bringt das Christkind die Päckchen. Im Süden dagegen bekommen die Kleinen ihre Geschenke am Dreikönigstag, dem 6.1. von der Hexe Befana, einer alten Witwe. Der Sage nach soll sie auf der Suche nach dem Jesuskind sein. Der 26.12. ist auch in Italien ein gesetzlicher Feiertag.

Tschechien: Prejeme Vám veselé Vánoce!

In Tschechien bringt das Christkind an Heiligabend die Geschenke. Doch trotz aller christlichen Traditionen gibt es dort auch magische Weihnachtsbräuche: So sollte der Weihnachtstisch für eine gerade Anzahl Gäste gedeckt sein, damit allen Gästen im nächsten Jahr das Glück hold ist. Die Fischschuppen des Weihnachtskarpfen sind Glücksbringer und kommen unter den Teller der Weihnachtstafel. Nach dem Dessert schauen die Tschechen gern in die Zukunft, schneiden dazu Äpfel einmal quer durch. Angeblich soll die Form des Apfelgehäuses einiges verraten: ein Kreuz steht für schwere Krankheit, ein Stern verspricht Glück und Reichtum. Auch Bleigießen ist an Heiligabend sehr beliebt.

Großbritannien & Irland: Merry Christmas!

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Weihnachtsbräuche wie Mistelzweige und Riesenstrümpfe am Kamin gehören für viele Briten zum Fest dazu ©iStock/stocknshares

Father Christmas liefert in Großbritannien und Irland die Präsente an Christmas Eve, der Nacht vom 24. auf den 25.12., an. Dann kommt er durch den Kamin gesaust und stopft seine Gaben in übergroße Strümpfe, die die Familie am Kaminsims befestigt hat. Außerdem steht für ihn ein Stückchen Mince Pie (das sind mit Früchten gefüllte Mini-Kuchen) und ein kleines Glas Sherry bereit. Weiteres Highlight für viele Briten: die Weihnachtsansprache der Queen am 24.12., die vom Fernsehen übertragen wird und jedes Jahr Millionen Briten vor den TV-Schirm lockt. Am 1. Weihnachtstag geht es eher familiär und gemütlich zu, wohingegen der 26.12., der Boxing Day, ein verkaufsoffener Feiertag mit vielen, tollen Rabatten ist und traditionell zum Shoppen genutzt wird.

 

USA: Season’s Greetings!

Aus den USA stammt der Brauch, Freunden und Verwandten eher allgemeine Grüße zum Ende des Jahres zu schicken – die Season’s Greetings. Die USA sind eben ein typischer „Melting Pot“ aus verschiedenen Konfessionen und Traditionen. Witzig: in amerikanischen Weihnachtsbäumen hängt eine Weihnachtskugel in Gurkenform. Wer sie findet, bekommt ein Geschenk. Weitere wichtige Bräuche des US-amerikanischen Weihnachtsfestes sind Santa Claus, der mit seinem Rentierschlitten vom Nordpol kommt und die Geschenke in der Nacht vom 24. auf den 25.12. bringt, außerdem mit elektrischen Lichterketten geschmückte Häuser und natürlich Küsse unterm Mistelzweig. Der Legende nach sollen Paare, die sich unter dem Mistelzweig küssen, ein Leben lang zusammenbleiben. Ansonsten gilt: jeder feiert, wie es Familientradition ist.

Russland: Pozdravlyayu s prazdnikom Rozhdestva!

Da der 7.1. nach dem Julianischen Kalender dem 25.12. entspricht, wird in der russisch-orthodoxen Kirche Weihnachten erst im neuen Jahr mit einem Mahl gefeiert, das aus zwölf Gerichten besteht – für jeden Apostel eines. Die Sowjets unterdrückten die Religionsausübung, verwandelten das religiöse Weihnachtsfest in ein weltliches Fest. Seither gibt es in Russland am letzten Tag des Jahres Geschenke und gute Wünsche, die von Väterchen Frost zusammen mit seiner Enkelin Schneeflöckchen überreicht werden. Beide gehören ursprünglich nicht zu den russischen Weihnachtsbräuchen sondern sind Figuren aus altrussischen Märchen, die einen Schlitten dabei haben, die Troika, die von drei Pferden gezogen wird. Erst 1991 wurde das russisch-orthodoxe Weihnachtsfest am 7.1. offizieller Feiertag.