Darf mir der Chef die Frisur vorschreiben?

Darf mir der Chef die Frisur vorschreiben?

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©iStock/Nattakorn-Maneerat

Gewicht, Haare, Kleidung: Bei einigen Dingen hat der Chef ein Mitspracherecht. Aber alles muss man sich nicht gefallen lassen.

Wo der Chef ein Wörtchen mitzureden hat – und wo nicht:

Tattoos

Solange die Tätowierung nicht zu sehen ist, kann kein Boss was dagegen haben. Werden die Tattoos dagegen offen zur Schau gestellt, muss der Arbeitgeber das nicht hinnehmen – schon gar nicht bei Angestellten mit viel Kundenkontakt.

Arbeitsplatz

Schreibtisch aufräumen, aber dalli! Firmen dürfen vorschreiben, dass man seinen Arbeitsplatz abends ordentlich hinterlässt, keine Schränke beklebt und den Müll regelmäßig leert. Bei weitreichenden Anweisungen – etwa wenn private Gegenstände aus dem Büro verbannt werden sollen, muss aber der Betriebsrat zustimmen (ArbG Würzburg, Az.: 12 BV 25/15).

Gewicht

Wenn ein Bewerber nur deshalb nicht eingestellt wird, weil er zu dick ist, ist das eine ungerechtfertigte Diskriminierung. Doch keine Regel ohne Ausnahme: In einigen Branchen kann eine Gewichtsvorgabe gerechtfertigt sein. Das Bundesarbeitsgericht hat z. B. entschieden, dass einem übergewichtigen Bademeister gekündigt werden darf (Az.: 2 AZR 688/09).

Haare

Wenn Lebensmittel verarbeitet oder verkauft werden, hat der Arbeitgeber in Sachen Frisur durchaus ein Mitspracherecht. Er kann verlangen, dass Haare aus Gründen der Hygiene oder der Sicherheit verdeckt bzw. zusammengebunden getragen werden müssen.

Hobbys

Dass Arbeitgeber nicht begeistert sind, wenn Mitarbeiter lange ausfallen, ist klar. Aber dürfen sie deshalb unfallträchtige Hobbys wie Klettern oder Fallschirmspringen verbieten? Das nicht. Aber: Extremsportlern
kann bei selbst verschuldeter Arbeitsunfähigkeit die „sechswöchige Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall“ gestrichen werden.

Kleidung

Schutzhelme für Bauarbeiter, Uniformen für Polizisten: Was der Sicherheit dient und rechtlich vorgeschrieben ist, muss selbstverständlich angezogen werden. Auch darüber hinaus kann oft eine einheitliche Bekleidung verlangt werden. Das Landesarbeitsgericht Köln (Az.: 3 TaBV 15/10) hält es sogar für zulässig, dass der Chef weiße oder hautfarbene BHs vorschreibt, damit sich unter weißen T-Shirts nichts abzeichnet.

Weitere Regelungen

Das darf der ChefDas darf er nicht
Überstunden anordnen Aber nur, wenn sie aus betrieblicher Sicht notwendig sind.

Zigaretten verbieten Mittlerweile sind selbst uneingeschränkte Rauchverbote zulässig. Sind Zigarettenpausen erlaubt, dürfen sie komplett von der Arbeitszeit abgezogen werden.

Nebenjobs verweigern Ein Betrieb kann jegliche Nebentätigkeit verbieten, wenn sie die Arbeitsleistung des Betroffenen behindert oder wenn ein Interessenkonflikt entsteht.

Krankschreibungen ignorieren Ordnungsgemäß krankgemeldete Arbeitnehmer müssen weder am Arbeitsplatz erscheinen noch von zu Hause aus arbeiten.

Urlaub verweigern Ist der Urlaub genehmigt, darf er nur in Notsituationen ohne die Zustimmung des Betroffenen gestrichen werden (z. B. wenn der Betrieb sonst zugrunde geht).

Schnüffeln Keine Überwachung im persönlichen Bereich (z. B. in der Umkleidekabine).

Zum Weiterlesen:

Gewusst wie: So wickelt ihr euren Chef um den Finger.