Warum wir unseren Eltern immer ähnlicher werden

Warum wir unseren Eltern immer ähnlicher werden

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Eltern
©iStock/Kikovic

Du bist wie deine Mutter“ – je nach Lebensphase klingt das wie ein Vorwurf oder ein Kompliment. Forscher haben nun herausgefunden, dass wir unseren Eltern nicht nur äußerlich immer mehr gleichen.

Wie groß die Gemeinsamkeiten mit den eigenen Eltern wirklich sind, wird einem manchmal erst später im Leben bewusst. So ging es vielleicht auch Schauspielerin Maria Furtwängler (51). Sie studierte Humanmedizin in Frankreich, promovierte 1996 und arbeitete als Ärztin, bevor sie diesen sicheren Berufspfad aufgab und sich ganz der Schauspielerei widmete – wie ihre Mutter Kathrin Ackermann (80). „Ich habe nie die Schauspielerin in ihr gesehen. Maria war naturwissenschaftlich überaus begabt. Und ich fand Medizin immer toll. Das war etwas, was mich selbst interessiert hat. Vielleicht hat sich das übertragen“, mutmaßt Kathrin Ackermann in einem Interview über den Karriere-Neustart ihrer Tochter. Neuesten Erkenntnissen der Wissenschaft zufolge könnte sie damit tatsächlich ins Schwarze getroffen haben.

In die Wiege gelegt

„Sie ist ganz der Papa!“ Kaum liegt das Baby zum ersten Mal im Arm seiner Eltern, geht es los. Überglücklich und tief bewegt beginnen sie, nach Ähnlichkeiten zu suchen. Und werden fündig. Dabei hat die Natur es clever eingerichtet: Eine Studie der Universität von Kalifornien in San Diego fand heraus, dass Einjährige ihrem Papa ähnlicher sehen als der Mutter.

Forscher vermuten, das hätte einen evolutionsbiologischen Grund. Die frischgebackenen Väter erkennen sich selbst in ihrem Nachwuchs wieder und fühlen eine noch stärkere Verbundenheit. Unterstützt wird dieser Effekt durch die Mütter, die nach der Geburt instinktiv auf die Ähnlichkeit zum Papa hinweisen.

Rebellische Phase

Mit jedem Lebensjahr wird das Kind selbstständiger und entwickelt eine eigene Persönlichkeit. Das geschieht durch Abgrenzung von den Eltern und erreicht bei den meisten von uns in den Teenie-Jahren seinen oft nervtötenden Höhepunkt. Plötzlich ist alles, was die Eltern machen, uncool. Dabei eiferten die Kleinen den Eltern vor Kurzem noch begeistert nach.

Doch aus Mama und Papa, den Helden der Kindheit, werden nun die „spießigen Alten“, die ständig wollen, dass aufgeräumt wird. Bewusst oder unbewusst grenzen sie sich von den älteren Verwandten ab. Sie experimentieren mit Subkulturen, ausgefallenem Styling und neuen Lebensentwürfen. Hauptsache anders! Viele Eltern verzweifeln in dieser Phase, doch meist ist die Sorge unbegründet. Tatsächlich finden viele junge Menschen nach der stürmischen Jugend zurück zu den Werten, die ihre Eltern ihnen vorgelebt haben. Das – so glaubt die Forschung heute – hat sogar biologische Gründe.

Gestaltungsfreiraum

Die Verhaltensgenetik beschäftigt sich mit der Frage, inwiefern unsere Charaktereigenschaften und Verhaltensweisen in unserer DNA verankert sind. Erstaunlicherweise scheint es, dass der Einfluss unseres Erbguts auf unser Verhalten mit fortschreitendem Alter immer stärker wird. Und das, obwohl wir im Laufe des Lebens mehr und mehr Erfahrungen sammeln, die uns stark prägen. Sollte der Zufall uns nicht eigentlich in eine ganz andere Richtung als unsere Eltern lenken?

Tatsächlich gewinnen wir mit der Zeit immer mehr Freiräume hinzu. Mit 40 Jahren ist man in der Regel finanziell besser gestellt als mit 20 und hat daher mehr Gestaltungsfreiraum im eigenen Leben.

Und wie wir diesen Freiraum füllen, ist nicht dem Zufall überlassen. Unbewusst schaffen wir uns eine Umgebung, die zu unserem Erbgut passt: Wer z.B., wie die Eltern, ein aktiver Naturfreund ist, zieht wahrscheinlich gern aufs Land, sobald sich die Gelegenheit bietet. Und wer keine Freude an Denkspielen hat, wird nicht lange im Schachklub bleiben. Hinzu kommt, dass Menschen Langzeitstudien zufolge im Laufe der Zeit emotional stabiler und gewissenhafter werden – „spießiger“ eben. Am Ende fällt der Apfel nun mal doch nicht weit vom Stamm.

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