Schäumendes Startup: „Ich liebe Schottland – und die Schotten mein Bier“

Schäumendes Startup: „Ich liebe Schottland – und die Schotten mein Bier“

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Startup einer Bierbrauerin
©Graeme Hunter Pictures

Erfolgreiches Startup: Petra Wetzel (41) aus Oberfranken machte in Glasgow eine erstaunliche Karriere – als Brauerin.

An den Moment, als sie ihr Herz an das raue Land im Norden Großbritanniens verlor, kann sich Petra Wetzel noch genau erinnern. „Ich stieg als 13-jährige Austauschschülerin aus dem Bus und wurde von meiner schottischen Gastfamilie herzlichst empfangen. Da dachte ich nur: ,Wow, hier bin ich zu Hause!‘“

Startup-Marktlücke entdeckt

Bier Brauerei Petra Wetzel
Petra (41) in ihrer Brauerei. Die blonde Fränkin fand in Schottland ihre Berufung ©Graeme Hunter Pictures

Mit 19 packte die gebürtige Fränkin dann ihre Koffer und zog zum Studium nach Glasgow. Dort brachte sie ihr Vater bei einem Besuch auf eine scheinbar verrückte Idee. „Warum können die hier kein normales Bier brauen“, schimpfte der Oberfranke, nachdem er in einem Pub ein wässriges Lager probierte. Ja, warum eigentlich nicht, fragte sich Petra – und lernte aus Büchern alles über Hopfen und Malz. Die Idee zu ihrem Startup war geboren.

Alleinerziehende Chefin

2006 gründete sie dann mit ihrem schottischen Mann in einer ehemaligen Teppichfabrik am Stadtpark von Glasgow die Brauerei West, die einzige Brauerei in Großbritannien, die strikt nach deutschem Reinheitsgebot braut. Auf den Namen kam sie, weil man in Schottland mit dem Westen nur positive Sachen verbindet. „West is Best, the sun sets in the west“, zählt die Startup-Geschäftsfrau eine bekannte Volksweisheit auf. Dem in ihrer Brauerei gebrauten Lagerbier hat sie den Namen St. Mungo gegeben – nach dem Schutzpatron von Glasgow, der einst selbst Bier gebraut und an Arme und Kranke ausgeschenkt haben soll. Dazu gibt es im Brauerei-Restaurant neben einheimischen Gerichten gute deutsche Küche – vom Schnitzel bis zur Nürnberger Bratwurst.

Doch die Gründung des Startups verlangte der heute 41-Jährigen alles ab. Ihre Ehe ging in die Brüche und ihr Sohn Noah (10) war damals noch ein Baby. Die nun allein erziehende Mutter musste 18, 19 Stunden am Tag schuften, um die Brauerei über die Runden zu bringen.

Weltweit erfolgreich

Bier Brauerei
In Petras Restaurant gibt’s zum Bier deftige deutsche Spezialitäten ©Graeme Hunter Pictures

Harte Arbeit, die sich auszahlte. Mittlerweile beschäftigt Petra 96 Mitarbeiter und exportiert ihr bayerisches Bier made in Scotland bis nach Hongkong und in die USA. Für einen Partner bleibt da keine Zeit. „Ich braue Bier und liebe schnelle Autos – eigentlich bin ich ein Traum für jeden Mann“, lacht Petra, „aber ich arbeite einfach zu viel. Als Ehefrau wäre ich wohl ein Albtraum …“