Konflikte entschärfen: So machen Kompromisse das Leben leichter

Konflikte entschärfen: So machen Kompromisse das Leben leichter

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Kompromisse
©iStock/SIphotography

Konflikte mit den Lieben gibt es immer wieder. Wie sich Streitsituationen entschärfen lassen und warum manchmal Kompromisse ganz einfach sind, lest ihr hier.

Richtig schön friedlich soll es sein. Die Zeit mit der Familie, die Stunden mit dem Partner, das Zusammensein mit Freunden. Wir sehnen uns nach Harmonie – und gleichzeitig haben wir Wünsche und Bedürfnisse. Wir und die Menschen, mit denen wir so zu tun haben: die Eltern, die ­Geschwister. Der Liebste. Doch ihre Vorstellungen stimmen mit unseren oft so gar nicht überein. Was dann?

Nun, viele sagen, dann muss man kämpfen. Sich durchsetzen. Wenn das aber beide Seiten so halten, kommt es zu keiner Lösung. Dann bleibt nur, sich zu trennen. Die Freundschaft zu beenden. Den Kontakt abzubrechen. Wie albern! Und unnötig. Denn jeder kann Lösungen und damit Kompromisse finden, die für beide Seiten gut sind.

5 typische Situationen

Fall 1

Der Konflikt: Drei Wochen vor Weihnachten haben Julias Eltern mitgeteilt, dass es dieses Jahr Heiligabend ins
Restaurant geht. Mama sei die Kocherei zu viel. Julia kann sich das nicht ­vorstellen. Sie ist beleidigt und würde am liebsten absagen. Denn wie ihre  Geschwister möchte sie, dass alles so ist wie in ihrer Kindheit. Eltern, die ­einfach nicht mehr so belastbar sind, kommen in dem Bild nicht vor.

Der Alternativen-Kompromiss: Julias Bruder hat einen Vorschlag gemacht, den alle akzeptieren konnten. Es gibt zwar keine selbst gemachte Gans, aber es wird zu Hause gefeiert. Das Essen wird vom Metzger geliefert. Die Eltern bereiten alles vor, die Kinder räumen auf!

Hier wird klar: Einen Kompromiss einzugehen kann durchaus bedeuten, dass man nicht das bekommt, was man sich ursprünglich vorgestellt hat. Da ist dann die Gefahr groß, dass beide Seiten unzufrieden sind. Um das zu verhindern, ist es wichtig, dass jeder sich zunächst fragt: Um was geht es mir eigentlich? Was steckt hinter meinem Wunsch? Bei Julia könnte das die Sehnsucht nach Ge­borgenheit sein. Wenn sie das erkennt, wird sie sehen: Dieses Gefühl kann ich auch ohne Gans, ja, sogar in einem Restaurant bekommen. Wichtig ist nur, dass alle zusammen sind.

Wer die eigene Position hinterfragt und zudem versucht, die seines Gegenübers zu verstehen, wird vielleicht sogar merken, dass man einfach großzügig verzichten kann – ohne sich dafür verbiegen zu müssen.

Fall 2

Der Konflikt: An Ostern haben Tina und Steffen frei. Für Tina war klar, dass sie es sich zu Hause gemütlich machen. Er will, dass sie zusammen zu seinem besten Freund nach Berlin fahren.

Der innere Kompromiss: Tina hat überlegt, was wichtiger ist. Ihr kleines Ruhebedürfnis durchzusetzen? Oder ­ihrem Mann eine Freude zu machen? Da Steffen ein paar harte Wochen hinter sich hat, stand schnell fest: Wir fahren nach Berlin. Dort wird sie sich dann den ­Luxus eines Wellness-Tages gönnen.

Aus Zuneigung auf etwas zu verzichten ist kein Zeichen von Schwäche. Im Gegenteil! Es zeigt, dass man nicht nur seinen Kopf durchsetzen möchte, sondern gut überlegt: Ist mir eine Sache wichtig?
Wenn die Antwort jedoch Ja lautet, dann sollte man das Thema ansprechen.

Fall 3

Der Konflikt: Eva und ihre Freundin Uli treffen sich immer am ersten Freitag im Monat. Bist jetzt hat meist die temperamentvollere Uli entschieden, was sie dann unternehmen. Eva ärgert das mehr und mehr. Sie überwindet sich und spricht Uli darauf an.

Der Teilzeit-Kompromiss: Die beiden Frauen haben nun vereinbart, dass sie ab jetzt abwechselnd ent­scheiden, was sie an ihrem Mädels­abend unternehmen.

Ob Beziehung oder Freundschaft – Psychologen sagen, das sei die beste Art von Kompromiss, weil beide Beteiligten immer mal wieder das Glück erleben dürfen, dass ihre Bedürfnisse voll und ganz erfüllt werden.
Wenn die Vorstellungen jedoch zu unterschiedlich sind, muss verhandelt werden. Ja, tatsächlich – wie bei einem Geschäft oder im Job. Das fällt uns manchmal schwer, denn insgeheim wünschen wir uns, dass wir uns in Beziehungen und Freundschaften ohne Worte ver­stehen. Diese romantische Vor­stellung führt aber häufig zu viel Unfrieden. Auf Dauer wird der nur verhindert, indem man gemeinsam herausfindet, was hinter dem Konflikt steckt.

Fall 4

Der Konflikt: Sabine ist ein sehr ordentlicher Mensch. Ihr Mann Ralf  ein echter Chaot. Das Thema ist ein ständiger Streitpunkt.

Die Positionen: Für Sabine ist es ein Zeichen von mangelndem Respekt, wenn Ralf überall seine Sachen liegen lässt. Er hin­gegen möchte so angenommen werden, wie er ist.

Der Tausch-Kompromiss: Sabine und Ralf wurde klar, dass sie in diesem Punkt keine ­Einigkeit finden können. Sie ­haben nun die Aufgaben im Haushalt so verteilt, dass beide damit leben können: Sabine räumt auch Ralfs Sachen auf. Er übernimmt dafür alle Einkäufe.

Paar-Therapeuten wissen, dass es sehr heilsam sein kann, sich ohne Groll einzugestehen, dass in manchen Punkten einfach keine Einigung zu finden ist. Wer das schafft, muss nicht mehr endlos über dieses spezielle Thema streiten, sondern kann Lösungen finden. Und klare Grenzen setzen, wenn es nötig ist.

Fall 5

Der Konflikt: Iris’ Schwiegermutter wird 70 und möchte, dass die ganze Familie für ein Wochenende zu ihr nach Hamburg kommt. Iris lehnt das ab, denn sie verträgt sich mit ihrem Schwiegervater überhaupt nicht. Ihr Mann versteht zwar ihre Probleme mit seinem Vater, fühlt sich aber dennoch im Stich gelassen.

Der Grenzen-Kompromiss: Iris wird ihrem Mann zuliebe über ihren Schatten springen. Sie hat aber darauf bestanden, nicht bei den Eltern, sondern im Hotel zu übernachten.