Schwanger vom One-Night-Stand: „Eine einzige Nacht änderte alles“

Schwanger vom One-Night-Stand: „Eine einzige Nacht änderte alles“

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One-Night-Stand, schwanger
©iStock/golibo

Eine Begegnung, ein Kuss, erotisches Verlangen. Claudia K. (32)* lässt sich auf einen One-Night-Stand ein – und wird schwanger. Der Vater ist ihr quasi fremd…

„Als ich seinen Blick auf mir spürte und ihm lächelnd zuprostete, wusste ich noch nicht, dass dies der erste Schritt in ein neues Leben werden würde. Jedoch nicht auf die romantische Liebesfilm-Art – sondern durch meine ganz persönliche Horrorvorstellung. Ich wollte an diesem Abend Spaß haben, feierte meinen neuen Job mit ein paar Drinks und sah den attraktiven Mann auf der anderen Seite der Bar als das i-Tüpfelchen der Nacht.

Ich nahm ihn mit nach Hause.

Als Single wollte ich einfach die Leidenschaft dieser Nacht genießen. Die Ernüchterung folgte drei Wochen später: als meine Periode ausblieb. Mein nächtliches Abenteuer hatte ich fast vergessen. Nach vier Tagen nervösen Bangens lief ich zur nächsten Apotheke, um einen Schwangerschaftstest zu besorgen. Zu Hause riss ich ungeduldig die Verpackung auf und nahm das Teststäbchen mit zitternden Händen heraus. Dann verschwand ich im Badezimmer.

Es folgten die längsten drei Minuten meines Lebens.

Und während die zwei Striche des Tests immer dunkler wurden, kam bei mir die Gewissheit, dass sich mein Leben nun von Grund auf verändern würde. Ich glitt auf den kalten Fliesenboden und versank in Tränen. Nicht die erhoffte Reaktion, wenn man erfährt, dass neues Leben in einem heranwächst. Doch ich hörte alle meine beruflichen und privaten Träume wie Seifenblasen zerplatzen: Eigentlich wollte ich erst nach dem Aufstieg zur Vertriebsleiterin gemeinsam mit einem passenden Partner eine Familie gründen. Von meinem Barflirt war keine Hilfe zu erwarten, denn von ihm war mir nur der Vorname und die Info, dass er in München lebt, geblieben. Ein paar Tage später bestätigte mein Frauenarzt die Hiobsbotschaft und stellte mir die Frage, vor der ich so viel Angst hatte:

„Wollen Sie es behalten?“

Ich erklärte ihm meine Situation: alleinstehend, Karriereträume – noch nicht bereit für ein Dasein als Mama. Er gab mir eine Infobroschüre zum freiwilligen Schwangerschaftsabbruch mit und riet mir, zu Hause in Ruhe darüber nachzudenken. Allein in meiner kleinen Wohnung konnte ich nicht widerstehen: Ich las mich durch Foren für werdende Mütter und stellte fest: Sie alle hatten einen Namen für das kleine Wesen in ihrem Bauch.

Mein Nichts, mein Alles, mein blinder Passagier?

Das würde zu meinem Ungeborenen passen, zu unserer Geschichte. Wollte ich dieses Kind? Mein Herz rief: „Ja!“, mein Kopf schrie: „Nein!“ Klar, zu jung war ich mit 32 nicht mehr – und es gab keine Garantie, später einen passenden Partner für die Familienplanung zu finden. Ein potenzieller Kandidat war nicht in Sicht. Sollte ich das Wesen in mir sterben lassen, nur weil es ein paar Jahre zu früh dran war? Würde ich meine Entscheidung – egal wie sie ausfiel – irgendwann bitterlich bereuen?

Ich konnte und wollte diese Last nicht mehr allein tragen.

Kurzentschlossen rief ich meine Freundin Isabell an, die mit ihrer Familie am anderen Ende Deutschlands lebte. „Ich bin schwanger“, platzte es förmlich aus mir heraus, sobald sie den Hörer abnahm. Auf eine kurze Stille folgte ihr zögerliches: „Das kam unerwartet. Darf man jetzt gratulieren?“ Ich erklärte ihr, wie wenig begeistert ich war und berichtete von den Umständen und der Infobroschüre, die noch immer in meiner Handtasche wartete. Sie nahm sich Zeit und hörte sich meine Abwägungen für und gegen das Kind an. Nach einem leisen Räuspern meinte Isabell: „Ich weiß doch, dass du dir Kinder wünschst und dieser Tag ist jetzt eben gekommen. Klar, es ist nicht der perfekte Zeitpunkt – aber vielleicht gibt es den auch nicht.“
Kurze Zeit später fand ich in meinem Briefkasten ein Päckchen von ihr: darin ein Babytagebuch mit einem Storch auf dem Cover. Tagelang schlich ich darum he­rum, als sei es eine Bombe, die jeden Moment explodieren könnte. Doch immer wieder ertappte ich mich bei dem Gedanken daran, dieses Buch meinem Kind zu zeigen – und ein Lächeln schlich sich auf meine Lippen. Damit war al-les klar: Ich griff zu einem Stift
und schrieb „Das erste Geschenk von deiner Patentante“ in den Buchdeckel.“

*Name von der Redaktion geändert

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