Nachgefragt: Wie viel Privates ist am Arbeitsplatz erlaubt?

Nachgefragt: Wie viel Privates ist am Arbeitsplatz erlaubt?

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Arbeitsplatz
©iStock/South_agency

Surfen, Telefonieren, Feiern: Private Aktivitäten bei der Arbeit können böse enden. Wir haben mit einer Expertin darüber gesprochen, was am Arbeitsplatz erlaubt ist – und was nicht.

Darf ich am Arbeitsplatz im Netz surfen? Und darf Alkohol bei bei einer Abteilungsfeier getrunken werden? Michaela ­Rassat arbeitet als Juristin bei der D.A.S. Rechtsschutzversicherung. Ihr Schwerpunkt sind verbraucherrechtliche Theme. Uns hat sie verraten, wie viel Privates am Arbeitsplatz okay ist – und wann man vorsichtig sein sollte.

Arztbesuche

Ein Arztbesuch ist eine Privatsache und hat außerhalb der Arbeitszeit stattzufinden. So weit die Grundregel. Es gibt aber Ausnahmen: So besteht z. B. bei akuten Krankheiten oder bei Untersuchungen, die nur zu bestimmten Zeiten möglich sind, ein Freistellungsanspruch (§ 616 BGB).

Privathandy

Arbeitgeber dürfen die Nutzung von Privathandys komplett verbieten, brauchen dafür aber die Zustimmung des Betriebsrates (AG München Az. 9 BVGa 52/15).  Auch zeitliche Beschränkungen –etwa max. 30 Minuten pro Arbeitstag – sind möglich. Halten sich Arbeitnehmer nicht an die Vorgaben, müssen sie mit einer Abmahnung und im Wieder­holungsfall sogar mit einer Kündigung rechnen.

Büromaterial

Egal ob man schnell was kopieren oder einen ausrangierten Ordner mitnehmen will – man sollte nie ohne Erlaubnis betriebliche Ressourcen für den privaten Gebrauch nutzen. Es handelt sich um Diebstahl, der eigentliche Wert spielt keine Rolle. Auch hier drohen Abmahnungen und Kündigungen. So verlor eine Bürokraft, die mehr als hundertmal den Drucker an ihrem Arbeitsplatz für private Zwecke nutzte, deshalb ihren Job (LAG Schleswig-Holstein, Az. 3 Sa 61/09).

Feiern

Es ist immer empfehlenswert, vor einem Umtrunk den Vorgesetzten um Erlaubnis zu fragen. Gilt kein generelles Alkoholverbot im Dienst, ist ein Gläschen Sekt zum Geburtstag etc. erlaubt (in den Pausen). Allerdings müssen alle anschließend noch in der Lage sein zu arbeiten.

Private Pakete

Bevor ein Mitarbeiter die Adresse seines Arbeitsplatzes als Lieferadresse für eine Paketzusendung angibt, sollte er zunächst seinen Vorgesetzten fragen. Denn durch die Annahme des Pakets geht ja Arbeitszeit des Angestellten und unter Umständen der Kollegen am Empfang oder in der Postannahmestelle verloren. Der ­Arbeitgeber hat das Recht, den Empfang privater Zusendungen im Unternehmen komplett zu verbieten. Ein Verstoß gegen ein solches Verbot kann eine Abmahnung zur Folge haben.

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