Lesergeschichte: „Ohne Waage bin ich endlich glücklich!“

Lesergeschichte: „Ohne Waage bin ich endlich glücklich!“

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© iStock/Pamela Moore

Nach einem Burn-out gab LISA-Leserin Andrea (46) ihrem Leben eine neue Richtung. Dazu gehörte auch, die Waage aus dem Badezimmer zu verbannen. Ihre persönliche Geschichte erzählt sie uns selbst:

Seit meiner Zeit als Teenager war ich nie wirklich zufrieden mit meinem Körper. Ich war zwar mit meinen 65 Kilo auf der Waage nie richtig dick, aber ich hatte diese typische Reiterhosenfigur. Meine Oberschenkel waren viel zu stramm und ich bekam schon in jungen Jahren Cellulite. Den Vergleich zur Haut einer Orange konnte man wunderbar an meinem Po nachvollziehen – gar nicht schön. Meine Mutter prophezeite mir, dass ich ganz sicher ihre Figur bekäme. Und so war es dann auch.

Ich musste ständig darauf achten, was ich aß

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VORHER: Mutter und Tochter: Als 25-Jährige fühlte sich Andrea (r.) noch unwohl in ihrem Körper © Privat

Wie war ich damals neidisch auf meine Freundin, die extra noch eine Jogginghose unter ihre Jeans zog, um einen knackigen Hintern zu bekommen. Selbst nachts nach einem Disco-Besuch konnte sie noch eine Pizza verdrücken, ohne zuzunehmen. Gönnte ich mir dagegen eine Pizza, hatte ich direkt ein Kilo mehr auf der Waage – das natürlich wieder runter musste. Dieses Denken, ständig darauf achten zu müssen, was ich essen darf, zog sich durch mein weiteres Leben. Insgeheim zählte ich schon beim Einkaufen die Fettpunkte. Eine Bratwurst mit 20 Punkten? Tabu!

Natürlich gab es auch Zeiten, in denen ich häufiger sündigte, aber mehr als fünf Kilo Übergewicht ließ ich nie zu! War ich an meiner Obergrenze angekommen, gab es erst einmal eine Woche lang nur Kohlsuppe oder ich ersetzte eine Mahlzeit durch einen Diätdrink. Wenn ich mich heute an diese Zeit erinnere, denke ich, wie anstrengend das alles gewesen sein muss. Doch damals war das für mich völlig normal. Der Glaube, dass mein Körper zu Übergewicht neigt und ich stets aufpassen muss, um nicht schwabbelig zu werden, war fest in mir verankert.

Nach dem Burn-out begann ich umzudenken

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NACHHER: Und 21 Jahre später: Andrea (46) und ihre Mutter Erika (66) heute © Privat

Mit 40 gab es dann einen Wendepunkt in meinem Leben. Ich hatte einen Burn-out. Der Stress in meinem Job als Speditionskauffrau bremste mich für ein komplettes Jahr aus. Ich blieb zu Hause und gab meinem Leben und Denken eine andere Richtung. Ich verschlang Bücher, in denen es um Fragen ging wie „Was ist dir wichtig?“ oder „Worum geht es wirklich im Leben?“. Beim Lesen erkannte ich, dass ich voller alter Denkmuster steckte und verstand, dass der Körper den Gedanken folgt.

Nach und nach konnte ich mein Denken wandeln. Es erschien mir wie ein Wunder, was sich dadurch alles änderte. Ich wurde ruhiger und kündigte meinen Job, um mich beruflich neu zu orientieren. Was meinen Körper betrifft, war ich noch nie so schlank wie heute, obwohl ich viel mehr esse als früher. Inzwischen wiege ich 55 Kilo und dabei liegt auf meinem Teller, worauf ich Lust habe – sogar Bratwürste.

Seit Jahren gibt es keine Waage mehr in meinem Bad. Dieses Gewichtsthema ist wie aus meinem Kopf gelöscht und das fühlt sich wunderbar an! Endlich kann ich sagen, dass ich meinen Körper liebe. Einen Körper, der im Einklang mit Geist und Seele ist.

Leser-Autorin
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© Privat

Andrea N. (46) aus Dortmund arbeitet als Therapeutin und beschäftigt sich mit den Themen Mensch, Psyche, Leben, Veränderung.

Was sind deine Hobbys? „Ich liebe Tiere! Seit einem Jahr habe ich mein erstes eigenes Pferd, was ich aber leider bis heute noch nicht reiten konnte, da es kranke Hufe hat. Außerdem ist mir Musik sehr wichtig – zur Entspannung, aber auch zum Abtanzen. Und ich lese gern tolle spirituelle Bücher.“

Wie kamst du zum Schreiben? „Ich schreibe in letzter Zeit viel für mich auf, besonders was meine Veränderungen betrifft. Ich habe auch ein Tagebuch über meinen Aufenthalt in einer Burn-out-Klinik geschrieben – da bastle ich noch dran rum.“

Noch mehr Lesergeschichten findet ihr in unserem Schreibwerkstatt-Archiv.