Minimalismus: Die Frau, die nur 300 Dinge besitzt

Minimalismus: Die Frau, die nur 300 Dinge besitzt

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Minimalismus: Fast leerer Kleiderschrank
Die meisten von uns besitzen viel zu viel Kram. Regina Tödter dagegen hat in ihrer Wohnung kräftig aussortiert … © iStock/patty_c

Habt ihr auch manchmal das Gefühl, ihr besitzt viel zu viel Krempel? So ging es auch Regina Tödter. Sie fing deshalb an auszumisten. Heute besitzt sie nur noch 300 Dinge.

„Eines Tages fällt dir auf, dass du 99% nicht brauchst. Du nimmst all den Ballast und schmeißt ihn weg. Denn es reist sich besser mit leichtem Gepäck.“ Diese Zeilen der Single „Leichtes Gepäck“ von Silbermond klingen, als hätte Regina Tödter, Auorin des Buches „Buddha räumt auf“ (Südwest Verlag, 12,99€), sie selbst geschrieben. Denn die 33-Jährige besitzt insgesamt nur 300 Dinge. Kleidung. Geschirr. Besteck. Bücher. Möbel. Kosmetik. Werkzeug. Da sind 300 extrem wenig. Aber Regina sagt: „Das ist meine persönliche Wohlfühlmenge.“ Wie die Wohnung der Minimalismus-Anhängerin so aussieht, wollten wir von LISA gern wissen und fragten deshalb nach Fotos. Ihre Antwort: „Sorry, auch die Fotos habe ich aussortiert, samt meiner Kamera.“

„Cult of less“ ist Trend

Was brauchen wir wirklich? Immer mehr Menschen stellen sich wie Regina Tödter genau diese Frage. Rund 10 000 Gegenstände hat jeder Deutsche durchschnittlich zu Hause rumstehen, rumliegen oder rumhängen.
Eine Menge Kram – wenn man bedenkt, dass wir nur etwa 100 Dinge regelmäßig verwenden. Minimalismus ist deshalb derzeit im Trend. Die ersten Anhänger des sogenannten „Cult of Less“ („Verzicht-Kult“) kommen aus den USA. Als einer der Begründer gilt der Programmierer Kelly Sutton (28), der nach einem Auslandsaufenthalt die meisten seiner Sachen über seine Website verkaufte und damit bekannt wurde.

Auch in Deutschland gibt es zum Beispiel immer mehr Bloggerinnen, die auf Shoppingdiät gehen, anstatt endlos Klamotten zu kaufen. Und in der Mode lautete das Credo der letzten Jahre oft „Weniger ist mehr!“, denn „Normcore“ ist angesagt. Der Begriff setzt sich aus den Wörtern „normal“ und „hardcore“ zusammen. Die Anhänger dieses Trends kaufen bewusst unauffällige Kleidung und tragen bevorzugt Jeans, T-Shirt und Turnschuhe. Der bekannteste Vertreter: Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, den man eher selten im Anzug sieht. Die Bewegung wird als Reaktion der Kunden interpretiert, die übersättigt sind und sich durch immer kurzfristigere Veränderungen der Modetrends von der Mode überhaupt abwenden.

„Buddha ist ein echter Aufräumprofi! Er half mir zu entrümpeln.“

Regina Toedter, Autorin des Buches "Buddha räumt auf"
Regina Tödter besitzt selbst nur noch 300 Gegenstände – ihren Kühlschrank hat sie zum Beispiel aussortiert © privat

So ging es auch Regina Tödter. Früher arbeitete sie im Texil- und Einzelhandel, hatte mit ihrer Rabattkarte jede Menge Vorteile – und damit immer einen Grund zum Shoppen. „Ich habe ziemlich viele verrückte, bunte Sachen gekauft, vor allem im Sale – und dann nie getragen.“ Doch irgendwann kam sie ins Grübeln. Macht mich das wirklich glücklich? Im Theologiestudium war sie mit den Lehren Buddhas in Kontakt gekommen. Jetzt holte sie ihre alten Unterlagen wieder heraus und fand Antworten auf ihre Fragen. „Buddha ist ein echter Aufräumprofi! Die Beschäftigung mit seiner Lehre brachte mich dazu, meine Wohnung zu entrümpeln. Ich merkte: Je weniger Krempel ich hatte, desto besser ging es mir. Ich hätte nie gedacht, dass das so auf die Psyche geht!“ Heute hat sie insgesamt viel mehr Zeit als früher – wer wenig besitzt, ist mit dem Putzen schnell fertig. Auch einen Kühlschrank besitzt Regina nicht mehr. „Ich verbrauche alles direkt und gehe jeden Tag in den Supermarkt um die Ecke.“ Bis heute bummelt sie gern über Flohmärkte und durch Klamottenläden, „aber ich habe kein Problem, mit leeren Händen zu gehen“. Ihre Wohnung beschreibt sie übrigens so: „Sie wirkt wie eine einfache, süße Pension, aber eher unpersönlich. Doch das macht es für mich aus, denn die Person bin ja ich. Das, was in mir ist, ist ja entscheidend – und nicht das, was in meiner Wohnung steht.“