Was macht eigentlich eine Lichtdesignerin?

Was macht eigentlich eine Lichtdesignerin?

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Lichtdesign ©privat
Für das Konzept dieses Weinkellers in der Nähe von Worms gewann Andrea Nusser zusammen mit einer Kollegin einen Architekturpreis. Das Besondere: Die Kreise sind umgeben von versteckten LEDs – dadurch wirken sie, als würden sie im Raum schweben ©privat

Ob Einkaufszentren, Museen oder Weingüter – die Lichtdesignerin Andrea Nusser setzt jeden Raum mit der richtigen Beleuchtung in Szene.

„Sehen bestimmt unser Denken“, erklärt Andrea Nusser (61). Deshalb ist die Diplom-Designerin auch seit vielen Jahren völlig fasziniert vom Element Licht: „Es macht 85 Prozent unserer Wahrnehmung aus – ohne Licht wäre die Welt nicht in der Form erfahrbar.“ Umso mehr störte es sie nach ihrem Studium, dass viele Innenarchitekten Leuchten in Grundrissen eher nach dem Zufallsprinzip planten. „Das erschien mir nicht richtig.“ Deshalb eignete sie sich selbst noch mehr Wissen zum Thema Licht an und arbeitete mit einem Elektroingenieur zusammen. „Er hat mir die Grundlagen der Lichtplanung beigebracht“, sagt sie. Heute arbeitet sie als Lichtdesignerin und hat schon viele namhafte Projekte gestaltet, unter anderem das Kupferstichkabinett im Grünen Gewölbe in Dresden. Gemeinden, Städte, Architektur- und Ingenieurbüros sowie private Bauherren gehören zu ihren Auftraggebern.

„Den Sternenhimmel sollte man noch sehen können!“

Portrait Andrea Nusser © privat
Andrea Nusser arbeitet seit fast 40 Jahren als Lichtdesignerin © privat

Dabei immer wichtiger: Die Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern und Biologen. „Nicht umsonst gründen sich weltweit immer mehr Dark-Sky-Vereinigungen, die dafür plädieren, so wenig Licht wie möglich einzusetzen.“ Der Hintergrund: Inzwischen gibt es weltweit immer mehr so genannte Lichtdome, also Ansammlungen von sehr grellen Lichtquellen, die man bis ins Weltall sehen kann. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von Lichtverschmutzung, da solche Lichtdome zum Beispiel die Orientierung von Zugvögeln stören. „Ich finde es eher traurig, dass man zum Beispiel in Las Vegas, aber auch in einigen Städten in China nicht mal mehr den Sternenhimmel sehen kann.“

„Wir haben die Aufgabe, ein Wettrüsten mit Licht zu unterbinden.“

Auf Skybeamer (starke Himmelsstrahler) verzichtet Andrea Nusser deshalb zum Beispiel komplett. „ Wenn ich nach oben strahle, schaue ich immer, dass ich irgendwo einen Überstand vom Gebäude habe, damit das Licht nicht einfach in den Himmel geht. Wir haben die Aufgabe, ein Wettrüsten mit Licht zu unterbinden. Es muss geschützte Freiräume geben, die ich dunkel lasse, damit sich die Vögel erholen können.“

In der Bildergalerie seht ihr, welche Effekte Andrea Nusser mit ihrer Arbeit erzielt – und gleichzeitig Strom spart sowie die Natur schont: