Lesergeschichte: Die Liebe kam als Weihnachtsmann verkleidet

Lesergeschichte: Die Liebe kam als Weihnachtsmann verkleidet

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Weihnachtsmütze, © iStock/inarik
© iStock/inarik

Warum das Leben eine neue Wendung nehmen kann, wenn der Weihnachtsmann an der Haustür klingelt, erzählt euch LISA-Leserin Martina H. (58).

Wieder einmal stand Weihnachten vor der Tür, aber mir graute bei dem Gedanken. Ich beneidete meine Kolleginnen, die schon lange zuvor von nichts anderem mehr sprachen. Ich war über alles bestens informiert: Wer bei wem zu Besuch kommt, welches Festessen gekocht wird und wie alle dann harmonisch mit ihren Familien beisammen sitzen würden …

Ich war seit zwei Jahren Single

Als mein damaliger Partner kurz vor dem Weihnachtsfest das Weite suchte, fand eine langjährige Beziehung so sein jähes Ende. Seitdem fühlte ich mich um diese Zeit nicht immer wohl in meiner Haut. Zu tief saßen die Erinnerungen. Eine Familie hatte ich nicht mehr, meine Eltern sind vor Jahren verstorben.
Meine Freundin Rita lud mich daher jedes Jahr Weihnachten zu sich ein. Sie feierte mit ihrer Familie immer in einem Haus in den Bergen. Doch auch diesmal lehnte ich ab. Ich wollte lieber für mich sein, ohne Baum und dem ganzen Drumherum.

Heiligabend fing es an zu schneien

Ich freute mich für die Kinder, die nun endlich ihre neuen Schlitten ausprobieren konnten. Bei Kerzenschein ließ ich mir gerade ein Stück Stolle schmecken, als es plötzlich an meiner Wohnungstür klingelte. Erschrocken zuckte ich zusammen, denn Besuch bekam ich nie – schon gar nicht an Weihnachten. Ich wusste nicht so recht, ob ich öffnen sollte. Ich schlich in den Flur und spähte durch den Spion. Ich fing an zu zittern, denn ich sah nur rot …

Vor meiner Tür stand ein Weihnachtsmann!

Da er sich bestimmt verirrt hatte, wollte ich helfen und öffnete die Tür. Mit tiefer Stimme fragte der Weihnachtsmann: „Warst du auch immer artig, Tina?“ Erschrocken über die Frage, nickte ich schnell. Woher wusste er meinen Namen? Mein Herz pochte so laut, ich hatte Angst, dass er es hören konnte. „Mir ist zu Ohren gekommen, dass du zu Weihnachten immer alleine bist“, sagte er. Meine Stirn zog sich zusammen, ich fing an zu grübeln. Wer hat den Weihnachtsmann zu mir geschickt?
Er bat um Einlass. Ich konnte nicht anders und ließ ihn herein. Bevor er für mich den großen Sack öffnete, musste ich ein Gedicht aufsagen. Mein Kopf wurde rot, aber ich konnte mir ein Schmunzeln nicht verkneifen. Stotternd rasselte ich die Verse runter, aber seine Augen leuchteten wie zwei Sterne. Er griff in den Sack, dabei verrutschte seine Maske und ich konnte sein Gesicht sehen. Er zog den Mantel aus und machte keine Anstalten zu gehen.

Ich lud ihn zu Kaffee und Stolle ein

Es folgte ein langes Gespräch, wobei sich herausstellte, dass meine Freundin Rita auf die Idee mit dem Weihnachtsmann gekommen war. Da wir beide Singles waren, war es einen Versuch wert, glaubte sie. Nach dem Kaffee tranken wir noch eine Flasche Wein zusammen. An ein erneutes Wiedersehen dachten wir mit Schmetterlingen im Bauch.
Und es ließ nicht lange auf sich warten: Silvester feierten wir zusammen und stießen auf eine gemeinsame Zukunft an. Bei Rita habe ich mich bedankt, denn ohne ihre Idee wäre ich meinem Traummann wahrscheinlich nie begegnet.

Leser-Autorin
Martina Hinze, © Privat
© Privat

Martina H. (58) aus Beelitz (Brandenburg) hat zwei Töchter und drei Enkelkinder. Sie arbeitet als Angestellte im Öffentlichen Dienst.

Wie kamst du zum Schreiben? „Seit 2003 schreibe ich Gedichte und Geschichten. Wenn Ereignisse passieren, die mir ans Herz gehen, habe ich meist spontan ein paar Wörter im Kopf. Die fiktive Weihnachtsgeschichte habe ich vor ein paar Jahren aufgeschrieben.“


Was sind deine Hobbys? „Neben dem Schreiben bastele ich sehr gerne. Ich finde es schön, wenn ich anderen eine Freude machen kann – und mir natürlich auch.“

Noch mehr Lesergeschichten findet ihr in unserem Schreibwerkstatt-Archiv.

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