Kleider machen Leute?

Kleider machen Leute?

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Kleider machen Leute
©iStock/draganab

Kleider machen Leute – ist das wirklich so? Ein Streitgespräch.

„Kleider machen Leute“ ist eigentlich der Titel eines Buches von Gottfried Keller. Es ist aber auch ein Ausspruch, der besagt, dass man die richtigen Klamotten tragen muss, um Anerkennung zu bekommen. Die LISA-Redakteurinnen Alice Hölder und Anne Gutacker sind da unterschiedlicher Meinung.

Alice sagt: „Find ich nicht!“

Alice Artikel © M.I.G./LISA/Laura Büchele
© M.I.G./LISA/Laura Büchele

In Badelatschen in ein schickes Restaurant? Nein, davon bin ich auch kein Fan. Aber ich bin überzeugt, dass es keine allzu große Rolle spielt, was genau man anhat, Hauptsache, es ist einigermaßen dem Anlass entsprechend. Mir zumindest geht es so: Ich kann mich schon daran freuen, wenn jemand einen guten Style hat, aber es beeindruckt mich jetzt nicht besonders. Ich finde Mimik und Gestik sowie das, was jemand von sich gibt, viel wichtiger.

Und ich habe ein Beispiel dafür, dass man nicht nur im teuren Zwirn gut ankommt. Ein enger Freund von mir ist das, was man eine „Persönlichkeit“ nennt. Er besitzt einfach nur ordentliche, gepflegte Klamotten – nichts Besonderes: Hemden, Shirts, Pullis, Hosen, Schuhe und zwei Jacketts. Ein paar Krawatten. Er hat mir mal erzählt, dass er im Alltag einfach das Hemd, das ganz vorn hängt, nimmt, dazu entweder einen Pulli oder ein Jackett anzieht, eine blaue oder eine schwarze Jeans, Schuhe – fertig. Manchmal passt das farblich nur so lala. Aber: Er hat ein Auftreten, das die Menschen dazu bringt, ihn zu respektieren. Er ist ruhig und klar. Höflich, aber kein Schleimer. Direkt, aber nicht unverschämt. Ich habe es oft beobachtet: Er punktet mit seiner Art auch gegen Männer, die wie aus dem Ei gepellt daher kommen. Bei Frauen – und bei anderen Männern.

Anne meint: „Ja, Kleider machen Leute!“

Anne Artikel © M.I.G./LISA/Laura Büc
© M.I.G./LISA/Laura Büchele

Liebe Alice, ich wage zu bezweifeln, dass dein Freund nur ein toller Mensch mit viel Ausstrahlung ist, sondern wette, dass all seine Pullis und Hemden einen vorteilhaften Schnitt haben, von guter Qualität sind, in Farben und Mustern gehalten sind, die ihm stehen und er sich in seinen Sachen rundum wohl fühlt. Das könnte auch ein Grund dafür sein, warum er so sicher auftritt. Er hat alles richtig gemacht und die Leute haben keinen Grund, sich an irgendwas zu stören – er trägt doch keine Bärchenkrawatten, oder?

Es gibt da einen Spruch von dem Wissenschaftler Paul Watzlawick: Man kann nicht nicht kommunizieren. Das gleiche gilt auch für Mode und den ersten Eindruck, den man darin hinterlässt. Wenn man sich dessen bewusst ist, ist Mode alles andere als oberflächlich. Ich persönlich definiere den Spruch „Kleider machen Leute“ nicht damit, dass man in Sachen Trends ganz vorne mitschwimmt, sondern weiß, was einem steht und welche Wirkung Kleidung hat. Das ist ein Prozess, für den man offen sein muss, interessiert und lernfähig. Ich bewundere keine Blogger (an einer dünnen Zwanzigjährigen sieht auch ein Müllsack gut aus), mich inspirieren Frauen, die wissen wie Mode funktioniert, die ihren Stil gefunden haben und trotzdem modern aussehen. Ein gutes Beispiel ist Iris Berben – ihr Look ist absolut alterslos. Apropos: Zu jeder Rolle eines Schauspielers gibt es auch ein „Kostüm“, das zu seiner Rolle passt: die Karrierefrau, die Büchermaus…

Wenn man dieses Wissen nutzt, wird man zu Regisseurin seines Kleiderschranks, man kann sich an schlechten Tagen mit einem Blazer etwas Selbstbewusstsein anziehen, oder durch Rot im Outfit zeigen: Hier bin ich! So etwas kann nur Mode!

Wie sind eure Erfahrungen?

Wird man eher respektiert, wenn man die richtigen Klamotten trägt? Stimmt der Spruch: Kleider machen Leute wirklich? Wir freuen uns auf eure Kommentare.