Jessica Kastrop im Interview: „Ich bin keine Leuchte am Ball!“

Jessica Kastrop im Interview: „Ich bin keine Leuchte am Ball!“

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Jessica Kastrop
© Sky/A. Hoffmann

Frauen und Fußball passen nicht zusammen? Moderatorin Jessica Kastrop beweist das Gegenteil! Ob sie sich in einen Mann verlieben könnte, der kein Fußball-Fan ist? Das erfahrt ihr im LISA-Interview.

Die gebürtige Pfälzerin Jessica Kastrop (41) zählt zum festen Stamm der Bundesliga-Moderatoren und präsentiert als erste Frau im deutschen Fernsehen die UEFA Champions League. Weltweit bekannt wurde sie allerdings erst durch die „Kopfball“-Szene, über die 20 Millionen Menschen schmunzeln mussten. (Ihr wollt mitlachen? Dann klickt das Video unten auf der Seite an.) Wir haben die Kopfball-Jägerin zum Gespräch getroffen.

Wie gut spielen Sie selbst Fußball?

Jessica Kastrop: „Ich bin schon im zarten Alter von vier Jahren beim Probetraining des SV Ruhbank aussortiert worden. Ich gebe zu: Ich bin keine Leuchte am Ball. Aber ich stelle ohnehin lieber Fragen.“

Welche Sportart liegt Ihnen eher?

„Ich gehe gerne laufen, ins Fitnessstudio oder auch zum Yoga. Ich versuche, jeden Tag 45 Minuten Sport zu machen.“

Welche Sportart werden Sie nie wieder ausüben?

„Ich finde diese Modeerscheinung ,EMS-Training‘ ganz merkwürdig, wo man Stromstöße kriegt. So masochistisch bin ich nicht veranlagt. Dann mache ich lieber die guten alten Liegestütze nach einer halben Stunde Laufen.“

Jessica Kastrop
Seit 2004 ist Jessica Kastrop bei Sky und zählt damit zu den Vorreiterinnen in Sachen Frauen und Fußball © Sky/firo Sportphoto

Woher kommt Ihre Liebe zum Fußball?

„Als ich geboren wurde, war gerade WM. Mein Vater brachte den Fernseher mit auf die Station, weil es dort keinen gab. Das führte dazu, dass die ganze Neugeborenenstation bei uns im Zimmer zusammenkam. Daher kommen zwei meiner Eigenschaften: ausgeprägte Geselligkeit und Fußball-Leidenschaft. Außerdem kommt mein Papa aus dem Ruhrgebiet, da ist Fußball Religion. Da hatte ich als Papakind keine andere Chance!“

Schauen Sie selbst lieber im Stadion oder vorm Fernseher?

„Markus Kavka ist ein guter Bekannter von mir. Er hat einen Fragebogen ausgearbeitet, den jeder richtig ausfüllen muss, wenn er mit ihm Fußball schauen möchte – weil er keinen Bock auf Anti-Bayern-Sprüche und Ahnungslose hat. Manchmal geht’s mir auch so. Dann möchte ich ganz wichtige Spiele für mich alleine am Fernseher anschauen.“

Gerade läuft wieder die Bundesliga. Viele Frauen verfluchen diese Zeit, in der sie ihre Männer kaum vorm Fernseher wegbekommen. Wie umgeht man diese Streitereien?

„Mit Verständnis. Die meisten Männer haben gar nichts dagegen, wenn Frauen mitgucken und auch was sagen. Die stört es nur, wenn es lediglich um die Optik der Spieler geht. Frauen sollten auch erkennen, dass ein Mann, der Fußballfan ist, oft ein ganz guter Kerl ist: Dann kennt der sich mit Siegen und Niederlagen aus und ist schon mal durch ein Tal der Tränen gegangen. Männer sollten aber auch Verständnis haben, dass Frauen sich schnell ausgeschlossen fühlen. So Sprüche wie ,Und jetzt alle Frauen Fresse halten‘ dürfen nicht sein. Jeder muss Verständnis für den anderen entwickeln – und so löst man übrigens die meisten Beziehungsprobleme.“

Könnten Sie selbst mit einem Mann zusammen sein, der sich überhaupt nicht für Fußball interessiert?

„Nein. Aber es ist auch angenehm, wenn man nicht jeden Abend in Fußball-Diskussionen gerät. Das reicht mir im Job. Zuhause muss ich nicht über Fußball sprechen.“

Inwiefern hat sich das Bild von Fußball als reine Männerdomäne in den letzten Jahren verändert?

„Früher habe ich mich wie ein Kanarienvogel in einem Schwarm Spatzen gefühlt. Doch inzwischen habe ich viele weibliche Kolleginnen hinter und vor der Kamera. Ich glaube, dass sich dadurch die Denke verändert.“

Sie sind sehr viel unterwegs. Welches Land gefällt Ihnen besonders gut?

„Ich habe mal zweieinhalb Jahre in Italien gewohnt und bin da immer wieder gerne. Ich mag diese verrückte Lebensart unglaublich. Auch wenn ich jedes Jahr sage, dass ich woanders hinfahre, sitze ich doch wieder in der Toskana.“

Sie sind Botschafterin der Deutschen Sportlotterie. Warum ist Ihnen diese Arbeit so wichtig?

„Wir müssen den deutschen Olympia-Kader-Athleten helfen. Im Durchschnitt haben sie 626 Euro im Monat zur Verfügung. Das ist wirklich Existenzminimum. Dieser Druck, wenn du kein Geld hast, immer wieder bei Mama und Papa betteln musst, damit du deinen Sport überhaupt weitermachen kannst… Viele springen da schon ab. Wie viele olympische Sportarten sieht man denn noch im Fernsehen? Es kommt nur noch Fußball. Für mich ist das gut. Aber wenn 2016 die Olympischen Spiele in Rio anstehen, sitzen wir wieder da und sagen: ,Wieso holen die denn keine Medaille? Wieso sind die denn so schlecht geworden?‘ Wir müssen die nationale Sportförderung weiterentwickeln. Wir sind eine Soziallotterie. Du spielst für 3 Euro, kannst 500000 gewinnen und am Ende gewinnen die Sportler.“

Was würden Sie mit einer Million Euro anfangen?

„Ich würde es anlegen, erzkonservativ und genauso weitermachen wie bisher. Ich spiele auch selber mit. Aber ich habe noch nicht gewonnen.“

Haben Sie denn schon mal was gewonnen?

„Einmal einen Pandabären auf dem Rummel, aber das war’s.“

Jessica Kastrop
LISA-Redakteurin Laura traf Jessica Kastrop in Offenburg zum Gespräch © Privat

Welchen Luxus leisten Sie sich gerne?

„Ich bin überhaupt nicht mehr verschwenderisch. Aber ich habe eine schöne Wohnung. Das ist mein Luxus. Ich habe eine hübsche Terrasse und pflege da meine Pflänzchen. Markensachen brauche ich nicht mehr. Ich habe das mal gedacht. Da hatte ich auch eine teure Handtasche, aber die wird auch schwer und die Schlüssel gehen darin genauso verloren.“

Ist man für sein Glück selbst verantwortlich? Oder glauben Sie an Zufall?

„Wie ich eine Sache erlebe, dafür bin ich selbst verantwortlich. Das bedeutet aber nicht, dass es keine kosmische Regie gibt. Man darf nur nicht andere für sein Glück verantwortlich machen.“

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