Gefühle verstecken – ja oder nein?

Gefühle verstecken – ja oder nein?

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Gefühle
Gefühle immer schön rauslassen? Besser nicht! © iStock/SilviaJansen

Wut, Ärger, Freude – Gefühle gehören zu uns. Die Frage ist oft nur: Wie geht man damit um? Soll man sie frei ausleben? Oder eher unterdrücken? Die Antwort: keins von beiden. Wieso? Lest ihr hier…

Früher waren sich die Herren und Damen Psychologen einig: Gefühle muss man immer schön rauslassen. Alles ausleben. Vor allem seine Wut. Die zu zügeln galt als extrem ungesund. Und so kamen aus manch einer Therapie Leute, die launisch wie kleine Kinder waren. Aber nach dem zigsten Wutausbruch immer noch nicht gelassener. Da lief was falsch – merkten die Experten. Und forschten nochmal genau, wie das so ist mit den Gefühlen und dem Ausleben. Hier die Ergebnisse – in verständlich.

Affektkontrolle ist gescheit

In den letzten Jahren hat man gemerkt, dass der so genannte IQ (Intelligenz-Quotient) nur die Denkleistung misst und die nicht (allein) darüber entscheidet, wie zufrieden und erfolgreich man ist. Dazu braucht es auch (oder vor allem) emotionale Intelligenz. Und zu der wiederum gehört neben Einfühlungsvermögen und kommunikativen Fähigkeiten auch die Affektkontrolle. Was das ist? Nun, darunter versteht man die Fähigkeit, sich und seine Impulse zu kontrollieren. Zum Beispiel einen aktuellen Wunsch zugunsten eines langfristigen Ziels zu beherrschen. Das bedeutet: Nur weil man grad obergenervt ist und große Lust darauf hätte, zerreißt man die verhedderte Kette nicht einfach, wenn sich die Knoten schlecht lösen. Man beherrscht sich.

Gefühle ausleben macht sie noch heftiger!

Erst als man Menschen an alle möglichen Messgeräte anschließen konnte, stellte man fest: Ein Wutanfall macht noch wütender. Puls und Stresshormon-Level beruhigen sich nicht etwa direkt danach, sie sind höher. Daraus folgte man zu Recht, dass Gefühlsausbrüche nicht unbedingt gesund sind. Klar, wer ständig in Tränen ausbricht, rumschreit und sich von einem Emo-Drama zum nächsten hangelt, hat ne Menge Stress. Und ist dazu noch wenig beliebt.

Gefühle verdrängen ist gefährlich

Ein weiteres Forschungsergebnis: Wer immer ganz wohlgemut und aufgeräumt tut, obwohl er traurig, genervt oder frustriert ist, riskiert sowohl psychische als auch körperliche Erkrankungen. Emotionen in sich hineinzufressen ist vor allem ein Herz-Risiko.

Ganz schön blöd, oder? Frei ausleben soll man seine Gefühle nicht. Verdrängen aber auch nicht. Was denn dann?

Der goldene Mittelweg

Wer nun denkt, man soll sich selbst sagen „nö, nö, ich bin nicht sauer, ich bin gaaaanz ruhig“, obwohl man kreuz-wütend ist, irrt. Das würde bedeuten, vor sich selbst eine Maske zu tragen. Mittelweg heißt: Seine Gefühle wahrzunehmen, ja, ruhig sogar deutlich zu spüren – aber nicht zu ihrem Opfer zu werden. Sich nicht von ihnen diktieren zu lassen, was man jetzt zu tun hat, sondern eher die Augen zu schließen und zu lauschen, was da im Inneren los ist. Und das einfach anzunehmen – auch schlechte Laune. Die darf auch mal sein, ist sogar wichtig. Im zweiten Schritt sollte man diese Emotionen dann ausdrücken. Mit Worten oder in Bildern oder Gesten.

Was meint ihr?

Ist das machbar: Seine Gefühle freundlich annehmen – aber nicht ungehemmt ausagieren? Schreibt uns gern, wie ihr das seht!