Fernbeziehung: Zwei Mal Heimat

Fernbeziehung: Zwei Mal Heimat

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"Endlich bist du wieder da!" – die Wiedersehensfreude einer Fernbeziehung © istock/gruizza

Sieben Jahre Fernbeziehung, 500 Kilometer zwischen uns – das bedeutet viel Zeit in der Bahn. Und zwei Orte, an denen man zu Hause ist.

Wer an einem Freitagabend Zug fährt, der sieht sie überall: Menschen mit einem kleinen Koffer und einem Hauch Vorfreude im Gesicht. Sieben Jahre lang war ich eine von ihnen. Jedes zweite oder dritte Wochenende sahen wir uns, mal bei mir, mal bei ihm. Meistens allerdings fuhr ich zu ihm, denn ich verdiente mehr Geld.

Die gemeinsame Zeit in der Fernbeziehung

Das Problem bei der kurzen Zeit, die man gemeinsam hat, ist, dass man diese mit vielen Aktivitäten und Erwartungen vollpackt, oft zu vielen. Und dann artet das kurze Wochenende in Stress aus. Denn neben den Spaß-Aktivitäten, die man sich vornimmt, hat man auch noch so lästige Verpflichtungen wie Einkaufen und Saubermachen. Im Laufe der Jahre habe ich mir angewöhnt, das alles unter der Woche zu erledigen. Das geht mit einer guten Organisation ganz gut. Schwierig ist auch zu erwarten, dass an dem Wochenende alles super läuft. Und dann streitet man sich doch, die Stimmung ist mies. Das kam bei uns zwar nicht so oft vor, aber wenn wir es nicht geschafft haben, uns spätestens bis zum Sonntagabend wieder zu vertragen, waren die Tage und Wochen bis zum nächsten Wiedersehen immer furchtbar. Versucht also, nie im Streit auseinander zu gehen. Eine Fernbeziehung bedeutet nun einmal Kompromisse. Und dazu gehört es, seine eigenen Ansprüche runterzuschrauben, nicht das ganze Wochenende zu verplanen und es zu genießen, wenn man mal zwei Abende hintereinander „nur“ gemeinsam auf der Couch verbringt. Schließlich ist das auch irgendwie mein Zuhause, also warum so tun, als wäre ich nur zu Besuch?

Nähe aus der Ferne

Ein Tipp bei Fernbeziehungen lautet oft: Um die Nähe auch in der Ferne zu halten, sollte man täglich telefonieren. Das haben wir nie hinbekommen: Man trifft noch jemanden, arbeitet länger oder hat schon den ganzen Tag beruflich am Telefon gehangen. Dann hat man abends einfach keine Lust mehr zu telefonieren. Ist aber gar nicht schlimm, denn schließlich gibt es SMS und Whatsapp. Ein knutschender Smiley am Abend oder ein „Ich wünsche dir einen schönen Tag“ am Morgen reichen auch aus, um das Gefühl zu haben, dass der andere an einen denkt.

Zeit für mich

Sieben Jahre Fernbeziehung bedeutet auch, viel Zeit für sich zu haben. Und das ist echt toll. Ich hab es sehr genossen, das TV-Programm selbst festlegen zu können und beim Kochen keine Rücksicht auf seine Pfefferallergie und Hackfleisch-Vorliebe nehmen zu müssen. Das Dasein als Teilzeit-Single sollte man schätzen und auskosten. Mittlerweile wohnen wir zusammen und ich muss sagen: An manchen Wochenenden freue ich mich richtig, wenn er allein seine Eltern besucht und ich Downton Abbey gucken und Kürbis-Pasta essen kann.