„Nach 34 Jahren sind wir endlich ein Liebespaar!“

„Nach 34 Jahren sind wir endlich ein Liebespaar!“

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Liebespaar
©M.I.G./LISA/Foto-Mitschke

Manchmal wohnt das Glück nebenan… LISA-Leserin Kathrin Lengfelder (43) aus Eisfeld erzählt uns, wie sie und Marko ein Liebespaar wurden. Eine ganz besondere Lovestory.

„Wie im Film“, sagen die Leute oft, wenn sie unsere Geschichte hören. Alles begann am 1. September 1979, dem Tag unserer Schuleinführung. Wir, das sind Marko und ich, kamen zusammen in eine Klasse. Marko saß eine Bank hinter mir. Er hatte ein Faible für meine langen Haare, dauernd zupfte er daran. Das ging sogar so weit, dass ich mich bei der Lehrerin beschwerte. Aber er konnte einfach nicht die Finger davon lassen. Heute nach 36 Jahren genieße ich es, wenn Marko mir durch meine Haare streicht. Aber der Reihe nach.

Zehn Jahre waren wir in einer Klasse

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Schon damals unzertrennlich: Marko und Kathrin 1980 als Siebenjährige vor der Schule ©Privat

Doch erst auf unserer Schulabschlussfeier kamen wir uns im Zelt näher. Wir waren erst 16 und noch viel zu jung für eine feste Beziehung und so waren wir nur für wenige Wochen ein Liebespaar. Durch die darauffolgenden Lehrjahre und unsere Arbeit verloren wir uns etwas aus den Augen, verliebten uns in unsere späteren Partner, bekamen Kinder. Marko hat zwei Töchter (heute 11 und 15) und ich zwei Söhne (heute 12 und 18). Wir trafen uns bei Schulveranstaltungen der Kids, auf Polterabenden, auf unseren Klassentreffen oder mal zufällig in der Stadt.

Vor fünf Jahren saß ich dann mit Marko und anderen Schulkameraden in einer Kneipe, um das nächste Klassentreffen zu planen. Mir ging es damals sehr schlecht. Ich hatte viereinhalb Jahre Bauzeit von einem Eigenheim hinter mir und war gerade mit meiner Familie dort eingezogen. Die Kartons waren noch nicht mal ausgeräumt, als sich mein Mann mit einer Arbeitskollegin einließ.

„Alles stand auf dem Spiel, die Kinder, das Haus, das gemeinsame Leben. Ich war total am Boden.“

An jenem Abend merkte man mir diese seelische Belastung an und so rückte ich mit der Sprache raus. Marko war total entsetzt. Als ich ihn später nach Hause fuhr, unterhielten wir uns im Auto weiter. Ich fühlte mich wohl bei ihm, auch wenn das Thema nicht gerade das beste war.

Wochen und Monate vergingen

Ich hoffte, dass mein Mann zur Vernunft kommen würde, denn ich hatte ihm eine zweite Chance gegeben. Doch leider war dem nicht so. Nach zwei Jahren, im Februar 2013, zog ich mit meinen Jungs aus. Ich wollte von Männern nichts mehr wissen. Meine Arbeit als Fachverkäuferin im Sanitätshaus lenkte mich ab und ich begann, meinem Großvater bei der Pflege des Schrebergartens zu helfen. Da der Garten daneben Marko gehörte, sahen wir uns nun recht häufig. Wir unterhielten uns und saßen nach der Gartenarbeit auch mal zusammen.

Eines Tages erzählte er mir dann, dass ihm dasselbe wie mir passiert war. Seine Frau hatte eine Liaison mit einem Kollegen. Der Abend wurde lang, die darauffolgenden noch länger. Er vertraute sich mir an und wir halfen uns dabei, den Kummer zu bewältigen. Wir erkannten dabei, wie wir uns in den Jahren nach der Schule entwickelt hatten und wie ähnlich unsere Ansichten und Hobbys geworden waren.

Er war nicht mehr der Junge aus meiner Erinnerung

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Im September 2014 war ihr 25-jähriges Klassentreffen, das sie zum ersten Mal als Liebespaar besuchten © Privat

Marko war ein kluger, sensibler, liebevoller und hilfsbereiter Mann geworden. Zwischen uns herrschte ein Urvertrauen, das ich so noch nie erlebt hatte. Da einer meiner Lieblingsfilme „Freunde mit gewissen Vorzügen“ ist, lud ich ihn im Juli 2013 zum Videoabend ein. Während des Films überlegten wir, ob so etwas geht: Sex unter Freunden – ohne Gefühle, ohne Beziehung. Ich schlug Marko vor, es auszuprobieren und er ging darauf ein.

Doch der Versuch schlug fehl. Die Liebe kam dazwischen.

„Im Schnellverfahren hatten wir unsere Herzen aneinander verloren und konnten nicht mehr ohne den anderen.“

Da wir noch nicht wussten, was daraus werden würde, und wir unsere Kinder erst mal raushalten wollten, trafen wir uns heimlich. Doch das ging nicht lange gut. Die Kids kamen uns schnell auf die Schliche. Zum Glück war unsere Sorge völlig unberechtigt – sie verstehen sich super.

Seit fast anderthalb Jahren sind wir nun ganz offiziell ein Liebespaar

Ich bin überwältigt, wie schön es mit dem richtigen Partner sein kann. Wir verbringen jede freie Minute zusammen. Der Umgang miteinander ist liebevoll, respektvoll und auf Augenhöhe. Wir unterstützen uns, wo wir können. Es heißt ja immer: „Zwei Seelen begegnen sich im Leben so lange, bis sie merken, dass sie füreinander bestimmt sind.“ Ich habe meinen Seelenpartner gefunden. Und das sozusagen gleich nebenan. Es hat nur etwas länger gedauert.