Dürfen Kinderzeichnungen ins Altpapier?

Dürfen Kinderzeichnungen ins Altpapier?

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Kinderzeichnung @iStock/Cecilia Bajic
@iStock/Cecilia Bajic

Wohin mit all den Kunstwerken und Zeichnungen der Kinder? Darf man sie wegwerfen? Eine Mutter und ihr schlechtes Gewissen:

Man erkennt mich von weitem. Ich bin diejenige, die zehn Armbänder aus grellbunten Plastikgummis trägt. An manchen Tagen in Kombination mit einer eingeflochtenen Haarsträhne aus pinkem Glitzergarn. Mir ist das peinlich. Aber viel schlimmer ist die Alternative: Traurige Kinderaugen und ein sechsjähriges Mädchen, das mich fragt:

„Mami, gefallen dir meine Geschenke nicht?“

Doch sie gefallen mir und ich freue mich wirklich, wenn meine Tochter etwas für mich bastelt. Nur tut sie das ständig. Sie malt, klebt, näht oder sammelt ununterbrochen irgendwas und überreicht es mir dann voller Stolz. Bilanz eines durchschnittlichen Tages: fünf Bilder, drei mit Aufklebern verzierte Steine, zwei Bügelperlen-Schmetterlinge. Am Wochenende gerne auch mehr.

Ich bemühe mich nach Kräften, den Kinderzeichnungen und all den anderen Dingen ein Zuhause zu geben.

Wir haben eine überdimensionale Pinnwand für Gemälde, eine Sammelmappe für Werke aus der Schule, ein Regal für dreidimensionale Basteleien, einen Korb für Schätze aus dem Garten… Es reicht nicht! Die Sachen breiten sich überall aus. Und deshalb entsorge ich hin und wieder etwas davon – heimlich und mit unheimlich schlechtem Gewissen. Ich mach es so, dass es keiner merkt. Kinderzeichnungen kommen immer nur dann weg, wenn am nächsten Morgen die Altpapiertonne geleert wird. Kastanien und Co. vor der Haustür fliegen raus, wenn ein starker Wind geht, auf den man das notfalls schieben könnte. Feige? Mit Sicherheit. Aber anders bringe ich es nicht übers Herz. Bitte, verrat mich nicht!