Die Mundräuber

Die Mundräuber

von -
@mundraub.org
Auf vielen öffentlichen Flächen schlummert ein Schatz, den die Mundräuber gerne heben möchten @mundraub.org

Die Initiative mundraub.org hat es sich zur Aufgabe gemacht, Obst zu retten, das auf öffentlichen Flächen vergammelt. Eigentlich eine gute Idee – doch einige Bauern befürchten, dass die Mundräuber zum illegalen Obstdiebstahl verführen.

In jedem Dorf und jeder Stadt in ganz Deutschland gibt es Streuobstwiesen, die der Gemeinde gehören – und auf denen die Ernte einfach vergammelt. Wie viele Tonnen Äpfel, Birnen, Pflaumen oder Beeren so verloren gehen? „Das weiß niemand so genau“, erklärt Andie Arndt, Pressesprecherin der Online-Plattform mundraub org. Damit diese Naturschätze in Zukunft gerettet werden, hat Kai Gildhorn den Internetauftritt mundraub.org ins Leben gerufen. Angemeldete Nutzer können Obstbäume in eine interaktive Karte eintragen – so kann jeder auf die Suche nach dem vergessenen Obst gehen.

„Wir versuchen, einen großen Schatz zu heben.“

Mundräuber beim Erntecamp 2014 @ Anke Schüttler/mundraub.org
Sammeln für eine gute Sache – 60 Freiwillige halfen dabei, das Obst für den Bugaloo-Saft zu ernten @ Anke Schüttler/mundraub.org

Denn, so Arndt: „Es gibt so manche Obstwiese, die nicht geplant war, weil irgendwer mal irgendwo einen Apfel-Grips hingeworfen hat. So ist ein großer Schatz entstanden – und den wir versuchen zu heben.“

Doch nicht alle sind von dieser Idee restlos begeistert. Obstbauern klagen immer wieder, dass ihnen die Ernte geklaut wird und manche befürchten, dass die Seite dazu animieren könnte (vgl. Märkische Allgemeine).

„Wir distanzieren uns ausdrücklich von Obstdieben“

Auch Andie Arndt räumt ein: „Wir können es nicht von der Hand weisen, dass es Obstdiebe gibt. Aber das hat nichts mit unserer Community zu tun! Privatbesitz ist für uns Tabu und wir distanzieren uns ausdrücklich von Obstdiebstahl.“ Alle 35000 registrierte Nutzer der Seite mundraub.org müssen sich dazu verpflichten, sich an die Mundräuber-Regeln zu halten. Das heißt: Bevor man einen Baum einfach in die Karte einträgt, muss man die Eigentumsverhältnisse checken. Außerdem ruft mundraub.org dazu auf, nicht komplett alles abzuernten, sondern noch etwas für andere Menschen und Tiere übrig zu lassen.

Ein regionaler Saft – aus ungenutztem Obst

Dass die Mundräuber keine Obst-Guerillas sind, sondern Menschen, die sich für Nachhaltigkeit engagieren, bewiesen sie zuletzt auf der Bundesgartenschau 2015 im Havelland. Denn der Saft, den die Besucher überall kaufen und bestellen konnten, kam von den Mundräubern.

Saft Bugaloo @ mundraub.org
Ein Saft aus vergessenem Obst – der Bugaloo kam bei den Besuchern der Bundesgartenschau gut an @ mundraub.org

„Im Havelland gibt Unmengen an frei verfügbaren, aber ungenutztem Obst“, erklärt Andie Arndt. „Und dann lag die Idee nahe, einen regionalen Saft daraus herzustellen.“ Gesagt, getan: 60 Freiwillige aus der Mundraub-Community wurden zusammengetrommelt, die bei der Ernte halfen. „Mit einer regionalen Mosterei vor Ort haben wir dann den Saft hergestellt.“ Der Name des verkauften Saftes: Bugaloo.

Die Aktion war ein voller Erfolg – insgesamt kam der Saft bei den Besuchern der Buga sehr gut an.

„Wir müssen uns auch um die Bäume kümmern.“

Ziel der Mundräuber ist es jetzt, nicht nur die Community weiter auszubauen, sondern auch weiter nachhaltig zu wirken: „Wir wollen uns als Plattform etablieren zu allem, was mit vergessenem Obst zu tun hat, indem wir unseren Usern mehr Möglichkeiten bieten, sich selbst zu organisieren.“ Deshalb gibt es seit September 2015 einige neue Funktionen auf der Webseite – man kann zum Beispiel als Streuobstwiesen-Besitzer eine Aktion erstellen und so Erntehelfer aus der Mundräuber-Community bekommen, die im Gegenzug etwas von der Apfelernte mit nach Hause nehmen. „Wir wollen dafür sorgen, dass das, was wir da beernten, auch Bestand hat“, sagt Andie Arndt. „Denn wenn wir uns um die Bäume nicht kümmern und die nicht pflegen, dann gibt es irgendwann keine mehr. Die müssen beschnitten werden und die Wiesen müssen gemäht werden. Dieses Engagement wollen wir in Zukunft noch stärker organisieren.“