Darf man dem Partner eine Abtreibung verheimlichen?

Darf man dem Partner eine Abtreibung verheimlichen?

von -
Abtreibung vor dem Partner verheimlichen ©iStock/vitapix
©iStock/vitapix

Man hatte eine Abtreibung. Vor Jahren, vor der jetzigen Beziehung. Muss man darüber reden? Oder darf man diesen Teil seiner Vergangenheit verheimlichen? Zwei Redakteurinnen, zwei Meinungen. Ein Pro und Kontra:

Nein! Der Partner sollte das unbedingt wissen!
Ja! Man muss doch nicht alles erzählen!

Eine Abtreibung – egal, wie lange sie zurück liegt – verschweigen? Das finde ich überhaupt nicht gut! Ich bin absolut überzeugt, dass mein Partner über alles Wichtige in meinem Leben Bescheid wissen sollte. Und wichtig ist das, was mich geprägt hat. Einschneidende Erlebnisse zum Beispiel – besonders glückliche, aber auch besonders schwierige.
Wie ich zu der Überzeugung komme, dass er davon wissen sollte? Nun, weil ich möchte, dass er mich verstehen kann. Weil es Nähe schafft, sich jemandem anzuvertrauen und weil Nähe meiner Ansicht nach die Basis einer Beziehung ist. Nähe kann es aber nur geben, wenn ich mich öffne. Wenn beide auch das erzählen, was sie vielleicht sogar selbst lieber vergessen möchten. Wenn man auch über Themen spricht, von denen man fürchtet, dass der Partner sie ganz anders sieht. Themen, die mir ein bisschen Angst machen.

Eine neue Beziehung ist zwar ein wunderbarer Neuanfang und man sollte wirklich schauen, dass nicht zu viele Schatten aus der Vergangenheit drauf fallen. Aber es wird nicht alles auf Null gestellt. Die Vergangenheit ist ja nicht ausgelöscht.

Die Entscheidung gegen eine Schwangerschaft ist nicht einfach, das ist ganz klar. Aber hat mein neuer Partner ein Recht darauf, über diesen längst vergangenen Schritt und meine damaligen Beweggründe Bescheid zu wissen? Das finde ich nicht. Schließlich hat es mit der neuen Partnerschaft nichts zu tun.
Im Gegenteil: Ein Gespräch darüber könnte bei meinem Freund Zweifel und Unsicherheiten aufwerfen, die die Beziehung belasten. Möglicherweise ist er der absolute Familienmensch, wollte schon immer Kinder und hat jetzt Angst, dass ich eigentlich keine möchte. Auch wenn sich meine Einstellung dazu mittlerweile verändert haben könnte. Es wäre egoistisch, ihn damit zu belasten.

Es ist vollkommen legitim, in einer Beziehung Geheimnisse zu haben, vor allem, wenn sie Verflossene betreffen. Und solch einer ist ja in einer ungewollten Schwangerschaft unmittelbar beteiligt. Meine Vergangenheit ist immer ein Teil von mir und wird mich weiter prägen. Aber muss ich wirklich Altlasten mit in einen neuen Lebensabschnitt schleppen?

Alice Hölder

Alice Artikel © M.I.G./LISA/Laura Büchele
© M.I.G./LISA/Laura Büchele
Juliane Brosz

Juliane Artikel © M.I.G./LISA/Laura Büchele
© M.I.G./LISA/Laura Büchele