So wickelst du deinen Chef um den Finger

So wickelst du deinen Chef um den Finger

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Chef
©iStock/baifun

Seinen Chef kann man sich nicht aussuchen – aber mit unseren Tipps wird der Umgang mit ihm viel leichter.

Er hat ein offenes Ohr für Ideen, ihre Kritik ist sachlich und fair: der ideale Boss, die perfekte Chefin. Leider sind diese Wesen nicht in allen Firmen anzutreffen: Laut einer DGB-Studie würden sich nämlich 35 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland wünschen, dass ihr Vorgesetzter sich ihnen gegenüber respektvoller benimmt. 12 Prozent fühlen sich vom Chef kontrolliert. Also alles Nieten in Nadelstreifen? Nein, sagen Arbeits-Psychologen. Fast mit jedem Vorgesetzten lässt es sich gut arbeiten – man muss ihn nur richtig zu nehmen wissen. Eine Typologie:

Der Kontrolleur

Jeden Brief überprüft er akribisch auf Rechtschreibfehler, jede Quittung für ein Päckchen Kaffee schaut er sich genau an und alles lässt er sich schriftlich geben. Das nervt auf Dauer, denn selbstständiges Arbeiten ist unter ihm unmöglich.

Tipp: Rede mit deinem Chef und mache ihm klar: Du kannst IHM die Arbeit ungemein erleichtern, wenn er dir etwas mehr Eigenverantwortung zugesteht. Es ist doch viel einfacher für ihn, wenn du mit Duden und Rechtschreibprogramm die Geschäftsbriefe Korrektur liest – oder? Vergiss aber nie, ihn nach seiner Meinung zu fragen. Nichts ist schlimmer für ihn als das Gefühl, nicht gebraucht zu werden.

Der Schreihals

Gäbe es einen Preis für unsympathische Chefs – dieser Typ wäre der Champion! Männliche Schreihälse brüllen ihre Mitarbeiter gern vor versammelter Mannschaft an. Weibliche sind wie launische Kinder: Wenn ihnen etwas nicht passt, plärren sie los. Frage dich: Warum hat er (oder sie) es nötig, seine (oder ihre) Macht so auszuspielen? Häufig steckt ein Mann voller Selbstzweifel hinter der Fassade. Oder eine Frau, die in jeder Mitarbeiterin eine Konkurrentin wittert.

Tipp: Zeige Engagement – auch wenn das bedeutet, mal eine Mittagspause ausfallen zu lassen, etwa wenn ein dringendes Projekt ansteht. Das beweist, wie wichtig du deinen Job nimmst, und stimmt ihn (oder sie) milde. Kracht es doch mal, bitte die Angriffe nicht persönlich nehmen, sondern mit buddhistischer Gelassenheit: zum einen Ohr rein, zum anderen raus. Dann vergeht dem Chef bald der Spaß am Machtkampf!

Der Blender

Nehmen wir an, du hast eine Ausbildung als Reiseverkehrskauffrau gemacht und jahrelang Pauschalreisen verkauft. Auf einmal bekommst du einen Chef vorgesetzt, der von Touristik so viel versteht wie ein Eskimo von Kühlschränken. Dafür ist er ein glänzender Redner und kann vor allem eines: sich selbst ganz hervorragend verkaufen.

Tipp: Lerne von ihm – und kontere mit den gleichen Mitteln: Leiste gute Arbeit und rede darüber, statt zu warten, bis er nachfragt. Diese Sprache versteht er.

Der Unklare

Dieser Chef-Typ ist oft hektisch und nervös und vor allem: unpräzise in seinen Ansagen. „Machen Sie mal“ – solche Anweisungen sind typisch fü ihn, aber nicht gerade hilfreich.

Tipp: Gibt er keine klaren Arbeitsaufträge, erinnere ihn an ein Projekt, das gut funktioniert hat: „Sollen wir das wieder so machen?“ Generell empfiehlt es sich, alle besprochenen Vereinbarungen schriftlich festzuhalten, damit die Arbeitsverteilung für alle Beteiligten klar ist. Dann bist du auf der sicheren Seite!

Der Druckmacher

Er ballert seine Mitarbeiter pausenlos mit Arbeit und Aufträgen zu, fordert zu jeder Zeit 150 Prozent Arbeitseinsatz und interessiert sich nicht dafür, ob die Arbeit in der vorgegebenen Zeit überhaupt zu schaffen ist.

Tipp: Vorgesetzte wissen oft nicht, was ihre Mitarbeiter alles zu tun haben. Gehe in die Offensive und zeige deinem Boss so konkret wie möglich, welche Aufträge er dir schon gegeben hat. Frage ihn: Was muss als Erstes erledigt werden, was hat noch Zeit, wo können Abstriche gemacht werden?

Entschlüssele die Körpersprache deines Chefs

Geladen Er knetet die Hände, bis sie weiß werden. Das signalisiert unterdrückte Aggressivität – es brodelt in ihm. Tipp: Kopf einziehen und Gewitter abwarten oder eine Lösung aus dem Hut ziehen!

Ungläubig Er kratzt sich am Kopf. Eine Verlegenheitsgeste, denn er kann das, was ihm sein Gegenüber sagt, nicht nachvollziehen – oder es klingt unglaubwürdig. Tipp: Gedanken ordnen und sie noch einmal formulieren – kurz und präzise.

Mauern Er stellt die Hände ineinander verschränkt vor sich. Daumen nach oben. Damit signalisiert er: Es gibt im Moment keine zweite Meinung für ihn! Tipp: Mach am besten, was er will – diskutieren kannst du ein anderes Mal.

Zufrieden Er verschränkt die Arme hinterm Kopf und schaut dich an. Das passiert, wenn er zufrieden mit dir ist und zu denen gehört, die nicht viele Worte machen. Tipp: Freue dich über das stumme Lob!