Callboy Ralf: „Ich schlafe für Geld mit Frauen“

Callboy Ralf: „Ich schlafe für Geld mit Frauen“

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Callboy Ralph © Marsha Glauch
© Marsha Glauch

Ralf Winkes (44) erfüllt die sexuellen Wünsche von Frauen: Er arbeitet als Escortmann und Callboy.
„Aus Leidenschaft“, sagt er.

Es ist 20 Uhr. Sie ist nervös. Soll sie den roten Lippenstift auflegen oder ist das zu viel für so ein Treffen? Die Aufregung lässt ihre Augenlider flattern. Sie ärgert sich darüber. Sonst ist sie nicht so unsicher, arbeitet in leitender Position für eine große Firma. Einen Freund hatte sie schon lange nicht mehr – keine Zeit, zu viele Reisen. Doch heute Abend erwartet sie einen Mann. Und sie möchte Sex mit ihm haben, auch wenn sie ihn nur von einem Foto aus dem Internet kennt. Er – das ist Ralf Winkes, Callboy aus Krefeld. Er weiß: „Das ist ein Kick. Gerade für Frauen, die es noch nie getan haben.“ Dass sie nervös sind und sich zurechtgemacht haben, sei die Regel, berichtet er.

Ein Mann, der keine Wünsche offen lässt

Der 44-Jährige redet ganz offen darüber, dass er sich dafür bezahlen lässt, mit Frauen Zeit zu verbringen, vielleicht auch Sex zu haben. Er ist gut gebaut, hat stahlblaue Augen, ist charmant und weiß sich zu benehmen. Sechsmal pro Woche stählt er seinen Körper im Fitness-Studio. Für ein Wochenende bezahlt man um die 3000 Euro, aber meistens wird er nur ein paar Stunden gebucht. Über genaue Geldbeträge spricht Winkes prinzipiell nicht. „Die Frauen suchen eine Mischung aus Geborgenheit, Nähe und Aufmerksamkeit oder nur den Kick. Für manche ist es sogar das erste Mal, mit einem Mann zu schlafen.“ Über zu wenig Aufträge kann sich Winkes nicht beklagen. Zwischen 24 und 54 Jahren ist seine Klientel, meist sind es Geschäftsfrauen oder Frauen, die schon 20 Jahre Ehe hinter sich haben. Und er gibt offen zu, dass es ihm meistens auch gefällt: „Ich bin schon ein bisschen sexsüchtig.“

Alles begann ganz harmlos

Ralf wächst in Krefeld auf, beginnt nach der Schule eine Ausbildung als Bäcker. Mal arbeitet er hier, mal da. Doch kein Beruf bringt die gewünschte Erfüllung. Da er, wie er sagt, „ein sehr ausgewogenes Sexualleben führt“, kriegt er von seinen Freunden zu hören: „Nimm doch Geld dafür!“. Winkes beschließt, sich umzusehen, landet auf einigen Escortseiten und bewirbt sich. Seit April 2012 arbeitet er offiziell und in Vollzeit bei der Agentur Escortservice4ladies. Er glaubt, dass das seine Berufung sei. „Die Frauen suchen sich online einen Mann aus. Wenn die Wahl auf mich fällt, meldet sich die Agentur und ich muss dann nur Ja oder Nein sagen.“

Frauen wollen meistens Sex zu Hause

Wenn der Termin steht, macht sich Winkes zurecht und fährt los. Die Frau überreicht ihm gleich nach der Ankunft einen Umschlag mit dem Geld. Danach geht es zur Sache. Was und wie viel passiert, entscheiden beide. In 90 Prozent der Fälle wird der Abend zu Hause verbracht, selten geht er wirklich weg. Die Frauen wollen es so. Für ihn ist es klar, dass nie mehr daraus wird, dafür sei er zu professionell, betont er. „Man sollte sich im Klaren sein, was man da tut, ein bisschen Menschenkenntnis haben und auf Leute eingehen können, um zu merken, wann es brenzlig wird.“ Wie viele Frauen er schon hatte, möchte er nicht sagen. Der Ex-Bäcker fügt nachdenklich hinzu: „Das würde nicht so gut sein.“

Der Schutz ist das Wichtigste

Seit sechs Jahren geht Winkes alle drei Monate zum Arzt und macht einen HIV- und Hepatitis-Test. „Unabhängig davon, ob ich diesen Job mache, ist es mir selbst sehr wichtig.“ Mit der letzten Freundin war er bis 2001 zusammen, bis sie sich von ihm trennte. Das zog ihm den Boden unter den Füßen weg. Eine eigene Familie kann er sich nicht mehr vorstellen, auch nicht, dass er mal heiraten wird. Wie er sich seine Traumfrau vorstellt: „Sie müsste etwas Besonderes haben, ob nun süße Grübchen, ein tolles Lächeln oder schöne Augen. Kochen müsste sie auf jeden Fall können, das würde ich ihr sonst auch beibringen. Und sie soll gern mit mir reisen wollen.“ Dafür würde er sein altes Leben aufgeben und, wenn es sein muss, sogar mit seinem Beruf aufhören. Über die Zukunft macht er sich kaum Gedanken. „Ich wünsche mir nur, dass ich glücklich und gesund bleibe, den Rest lasse ich auf mich zukommen.“ Sicher ist: Heute Abend wird ihm wieder eine nervöse Frau ihre Tür öffnen…

© Marsha Glauch
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