Befristeter Job: „Wenn man sich von Vertrag zu Vertrag hangelt“

Befristeter Job: „Wenn man sich von Vertrag zu Vertrag hangelt“

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befristeter Job
Immer freundlich, auch wenn ihr zum Weinen zumute ist – Julia über ihren befristeten Job ©iStock/andresr

Jeder zweite neu abgeschlossene Arbeitsvertrag gilt nur auf Zeit. Für Betroffene bringt ein befristeter Job Unsicherheit. Wie für Julia: Familienplanung, der nächste Urlaub – alles schwierig.

3,2 Mio.Deutsche haben einen befristeten Job. Aber nur sechs von hundert Betroffenen haben sich freiwillig dafür entschieden. Wie Julia (29).

„Ich habe jeden Tag Angst, etwas falsch zu machen!“

Am Anfang habe ich mich gefreut. Ein Job für ein halbes Jahr ist doch allemal besser als gar kein Job, hab ich mir gesagt. Also habe ich die Stelle bei der Bäckerei-Kette angenommen. Ich mach meine Sache gut, dann werden die mich schon übernehmen, dachte ich. Bloß keinen Fehler machen! Ich habe mich echt ins Zeug gelegt. Kam nie zu spät, hab nie Nein gesagt, wenn es darum ging, Überstunden zu machen.

Zwischendurch mal plaudern, so wie es die Kolleginnen machen? Hab ich mir nicht erlaubt. Der Chef könnte mich ja dabei erwischen! Einmal haben abends in der Kasse fast 80 Euro gefehlt. Da dachte ich schon: Das war es jetzt. Ich hab aber doch eine Vertragsverlängerung bekommen, wieder für ein halbes Jahr. Mein Chef meinte, mehr sei gerade nicht drin, das Geschäft sei unsicher.

„Ich bin ausgelaugt“

Inzwischen fällt es mir immer schwerer, mich aufzuraffen. Warum soll ich mich auch anstrengen, wenn es gar nichts bringt? Die ständige Unsicherheit und der Druck machen mich fertig. Ich würde so gerne mal ein paar Tage ausspannen. Aber in Urlaub fahren, Erspartes ausgeben? Wo ich doch gar nicht weiß, wie es weitergeht…

Die Familie muss warten: An manchen Tagen kann ich es kaum ertragen, wenn Kundinnen mit Kinderwagen in den Laden kommen. Ich wünsche mir auch so sehr eine Familie. Aber wenn ich jetzt schwanger werden würde, würde mein Vertrag einfach auslaufen und ich stünde ohne Absicherung da. Und ich will meinen Kindern ja auch was bieten können. Nein, das muss noch warten. In zwei Monaten läuft mein Vertrag aus. Bisher habe ich noch nichts gehört..

Die rechtliche Lage

Unternehmen dürfen Beschäftigte nicht ohne Grund wiederholt mit befristeten Verträgen abspeisen. Das hat das Bundesverfassungsgericht kürzlich entschieden (Az: 1 BvL 7/14 und 1 BvR 1375/14). Klingt eindeutig – ist es aber nicht. Denn Betriebe können Anstellungen sehr wohl auch weiterhin befristen. Sie müssen sich nur an die Spielregeln halten.

Warum darf befristet werden?

Firmen dürfen Verträge immer dann befristen, wenn es einen sogenannten sachlichen Grund dafür gibt. Typischerweise sind das Elternzeit- oder Krankheitsvertretungen. Es kann aber auch ein vorübergehender Arbeitsanstieg sein, etwa durch einen Großauftrag.

Gibt es grundlose Befristungen?

Selbst wenn es keinen Sachgrund gibt, dürfen Verträge befristet werden – allerdings nur auf maximal zwei Jahre. Das ist zumindest die Grundregel Das „Teilzeit- und Befristungsgesetz“ erlaubt allerdings Ausnahmen (u.a. für neu gegründete Unternehmen oder ältere Menschen, die lange arbeitslos waren).

Eine Befristung folgt der anderen?

Solange es einen Sachgrund für eine Befristung gibt, darf nahezu beliebig oft nacheinander befristet werden. Das heißt: Ein Arbeitnehmer könnte zum Beispiel für mehrere Elternzeitvertretungen hintereinander angestellt werden. Und selbst Befristungen ohne sachlichen Grund dürfen dreimal verlängert werden, sofern die Maximalfrist von zwei Jahren nicht überschritten wird. Drei Sechs-Monats-Verträge hintereinander wären also legal.

Was muss im Vertrag stehen?

Eine Befristung muss schriftlich vereinbart sein, sonst gilt sie nicht (Paragraf 14, Absatz 4TzBfG). Zudem muss ein Fristende festgesetzt werden. Das kann sowohl ein konkretes Datum sein als auch ein Ereignis (z.B. die Rückkehr eines kranken Kollegen).

Kann man gekündigt werden?

Solange der Vertrag läuft und man sich nicht zuschulden kommen lässt, eigentlich nicht. Umgekehrt kann man auch nur dann vorzeitig aufhören, wenn es eine Sonderklausel im Vertrag gibt. Pausen durch Mutterschutz/Elternzeit werden nicht hinten angehängt.

Das Fristende naht. Was tun?

Man hat leider kein Recht, vorab zu erfahren, ob die Befristung verlängert wird beziehungsweise ob man einen unbefristeten Arbeitsvertrag bekommt. Wer nichts in der Hand hat, muss sich daher drei Monate vor Vertragsende arbeitssuchend melden.