Arbeitsrecht: Was darf euer Chef – und was nicht

Arbeitsrecht: Was darf euer Chef – und was nicht

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Chef
©iStock/AndrejPopov

Mails lesen, Telefonate verbieten und wochenlang Spätschicht – Was darf der Chef eigentlich alles – und was darf er nicht? LISA hat Antworten.

Den Job haben die meisten von uns im Griff, doch wenn es um die ­Wahrung ihrer Rechte geht, werden sehr viele Arbeitnehmer schnell un­sicher. Laut Umfrage sagen fast 74 Prozent ­aller weiblichen Arbeitskräfte in Deutschland: Was der Chef sagt, muss gemacht werden, denn er sitzt nun mal am längeren Hebel!

Halt: Wir leben zum Glück nicht im Wilden Westen, wo der mit der größten Knarre automatisch recht hat. Auch im Job gibt es klare ­Regeln und Gesetze, an die sich jeder halten muss. Egal ob er am längeren oder dem vermeintlich kürzeren Hebel sitzt.

Hier findet ihr die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema Arbeitsrecht – kompakt auf einen Blick:

Darf der Chef privates Telefonieren verbieten?

Private Telefonate während der Arbeitszeit sind in vielen Betrieben nur im Notfall erlaubt. Führt ihr trotzdem ein Privatgespräch außerhalb der ­Pause, müsst ihr die Zeit nacharbeiten.
Der Chef darf auch verlangen, dass ihr euer Handy während der Arbeitszeit abgebt, z. B. wenn ihr in einer Firma beschäftigt seid, die neue Produkte entwickelt. Ein mit dem Handy aufgenommenes Foto eines Prototypen könnte der Konkurrenz zugespielt werden und den Arbeitgeber finanziell schädigen.

Muss ich auf dem Diensthandy jederzeit erreichbar sein?

Nein, sondern nur während der Dienstzeit – darum heißt es „Dienst“-Handy. Wenn der Chef z. B. nach Feierabend anruft, müsst ihr nicht ­antworten. Es sei denn, ihr habt eine entsprechende Vereinbarung wie eine Rufbereitschaft getroffen (die vergütet werden muss).

Sind meine E-Mails tabu?

Kein Chef darf nach Lust und Laune in den Computern seiner Angestellten herumschnüffeln. Aber: Wenn Internet und E-Mail-Account ­ausschließlich für dienstliche Zwecke freige­geben sind, darf der Chef prüfen, ob man sich auch an diese Vorschrift hält. Die Gerichte sind sich allerdings nicht einig, in welchem Rahmen solche Kontrollen stattfinden dürfen. In konkreten Verdachtsfällen sind stich­probenartige Überprüfungen jedoch zulässig. Deshalb gilt: Privates nur vom Home-­PC aus erledigen!

Muss ich hinnehmen, dass ich wochenlang für die Spätschicht eingeteilt werde?

Nein. Dazu müssen zwingende Gründe vorliegen, z. B. dass durch eine Grippewelle eine Notlage im Betrieb entsteht. Außerdem hat der Arbeitgeber eine Fürsorgepflicht gegenüber den Mitarbeitern und muss auf deren Privatleben Rücksicht nehmen. Genauso sieht es z. B. mit der Änderung von Dienstplänen aus – die dürfen nur bei Notlagen erfolgen. Ist die dünne Personaldecke Dauerzustand, darf das nicht zum Problem der Mitarbeiter werden. Ständiger Personalmangel ist kein Notfall, die Firma hat für eine ausreichende Besetzung der Schichten zu sorgen.

Darf ich an meinem Arbeitsplatz essen?

Das ist Ermessenssache des Arbeitgebers. Wenn er damit einverstanden ist, dann ja. Sind Pausenräume oder eine Kantine vorhanden, darf er es aber verbieten.

Darf er überprüfen, wie viel Zeit ich in der Kantine verbringe?

Ja. Er darf kontrollieren, ob ihr die Pausenzeiten einhalten. Und er kann verlangen, dass ihr euch für jede Pause aus- und wieder einstempeln.

Muss ich mir gefallen lassen, dass er mich anbrüllt?

Nein. ­Jeder Arbeitnehmer kann von seinem Vor­gesetzten verlangen, dass er einen „angemessenen“ Ton anschlägt – und Brüllen gehört ­definitiv nicht dazu!

Darf ich bei meinem kranken Kind bleiben?

Ja. Für jedes Kind stehen einem berufstätigen Elternteil 10 Ar­beitstage im Jahr zu. Bei Allein­erziehenden sind es 20. In dieser Zeit steht gesetzlich versicherten ­Eltern Kinderkrankengeld zu (durchschnittlich sind es 75 Prozent des Nettoeinkommens). Voraussetzung dafür ist, dass das Kind noch keine zwölf Jahre alt und bei den Eltern gesetzlich mitversichert ist. Manche Firmen bezahlen in den ersten 5 Tagen den vollen Lohn, darauf gibt es aber keinen gesetzlichen Anspruch. Außerdem muss man nachweisen, dass niemand sonst im Haushalt das kranke Kind pflegen kann.

Darf er Überstunden anordnen?

Grundsätzlich ja. Jeder Arbeitnehmer ist zu Überstunden verpflichtet, wenn sie ausdrücklich vom Chef angeordnet werden oder betrieblich erforderlich sind (weil z. B. die Auftrags­lage explodiert). Diese Überstunden müssen ­extra bezahlt werden.

Um das zu umgehen, bauen viele Arbeitgeber sogenannte Abgeltungsklauseln in die ­Arbeitsverträge ein. Achtung: Die sind nur wirksam, wenn dort Überstundenzahlen und Höchst­arbeits­zeitgrenzen definiert sind. Formulierungen wie „Mit vorstehender Vergütung sind er­forder­liche Überstunden des Arbeitnehmers abgegolten“ zählen nicht.

Darf er Telefonate mithören? ­

Anzahl, Zeitpunkt und Dauer der Dienst­gespräche dürfen erfasst werden. Worüber man spricht, darf der Chef nicht abhören.

Zum Weiterlesen: So wickelt ihr euren Chef um den Finger.