Die süßen Puppen und Tierchen der japanischen Häkelkunst Amigurumi halfen Franziska Schulz (28) aus der schwersten Phase ihres Lebens. Und machen ihr heute den Alltag erträglich.

Jeden Morgen, wenn Franziska Schulz aufwacht, hat sie sofort den gleichen Gedanken: „Sind sie schon da, die Schmerzen? Oder habe ich noch ein paar Stunden, bis das unsägliche Stechen von Neuem beginnt?“ Seit fast zwei Jahren hat sie Kopfschmerzen, Ursache unbekannt. Und zwar jeden Tag. „Manchmal wache ich schon damit auf, dann ist der Tag gelaufen“, sagt die 28-Jährige aus Bad Düben (Sachsen). An anderen Tagen geht es „erst“ am Nachmittag los.

Die Schmerzen bremsen Franziska komplett aus

„Ich kann mich nicht konzentrieren, habe Sehstörungen.“ Ins Bett legen – das ist alles, was ihr dann bleibt. Da sie nie weiß, wann das Dröhnen beginnt, ist für sie ein normales Alltagsleben unmöglich. Seit Januar 2014 ist die ehemalige Kassiererin krankgeschrieben. MRT, CT, Nervenwasseruntersuchung – alles ließ sie schon über sich ergehen, doch nichts brachte ihr die Erlösung in Form einer Diagnose.

„Manchmal habe ich mir sogar schon einen Tumor gewünscht…“

Denn so würde sie zumindest die Ursache kennen und es könne ihr geholfen werden, gesteht die junge Frau leise.

Die Ungewissheit greift ihre Seele an

Franziska Schulz, © M.I.G./LISA/Betty Pabst
Kleines Hobby, große Wirkung: Die Momente, in denen Franziska über ihr Leben nachgrübelt, sind seltener geworden © M.I.G./LISA/Betty Pabst

Täglich denkt Franziska darüber nach, warum ausgerechnet sie so leiden muss. Aus tiefster Verzweiflung versuchte sie im Sommer letzten Jahres sogar, sich das Leben zu nehmen. Ihre Ärzte diagnostizierten daraufhin eine mittelschwere Depression.

Im November 2014 kam sie für 14 Wochen in eine psychosomatische Reha. Die Schmerzen blieben, doch die Pause von ihrem Alltag tat ihr gut. Sie begriff, dass sie sich eine Beschäftigung suchen musste. Etwas, das sie von dem Schmerz ablenken und den endlosen Grübeleien ein Ende bereiten würde.

Am Klinik-Kiosk entdeckte sie eine Häkelzeitschrift. Und las darin von der japanischen Häkelkunst Amigurumi. In der Schule war sie im Fach Handarbeiten immer schlecht gewesen. Als Linkshänderin war es ihr schwergefallen, die Griffe umzulernen. Nun wollte sie es noch mal probieren. Die Anleitungen schienen nicht zu schwierig – und die süßen Amigurumi-Tierchen und -Puppen begeisterten sie sofort.

Inzwischen hat Franziska über 40 Figuren gehäkelt

© M.I.G./LISA/Betty Pabst
Zurzeit arbeitet die 28-Jährige an dem blonden Engel. Für ihn braucht sie ca. 4 Tage à 8 Stunden © M.I.G./LISA/Betty Pabst

Aus dem Hobby in der Reha ist eine Leidenschaft geworden. Wenn es die Kopfschmerzen zulassen, häkelt sie stundenlang. Manche Tierchen sind in einer Stunde fertig, für andere braucht sie mehrere Tage. „Bei den komplexen Figuren ist meine Konzentration am höchsten, da höre ich automatisch auf zu grübeln.“
An Freunde konnte sie schon einige Exemplare verkaufen, aber jetzt gehen ihr die Abnehmer aus. Aus reiner Freude zu häkeln kann sich Franziska leider nicht leisten. „Das Garn ist sehr hochwertig und da ich nur vom Krankengeld lebe, kann ich die Materialkosten nicht mehr wuppen.“ Sie hofft nun, dass die eine oder andere LISA-Userin Gefallen an ihren Amigurumis für 10 bis 50 Euro findet.
„Ich will mich ja gar nicht bereichern, sondern nur das Häkeln nicht aufgeben müssen. Denn Amigurumi hilft mir, gut durch den Tag zu kommen und die Schmerzen für ein paar Stunden zu vergessen.“

Franziska häkelt für euch
Amigurumi, © M.I.G./LISA/Betty Pabst
© M.I.G./LISA/Betty Pabst
Wenn ihr Interesse an Franziskas Häkel-Puppen habt, meldet euch bei uns unter online@lisa.de mit dem Betreff „Amigurumi“. Je nach Aufwand kostet eine der Amigurumis 10-50 €. Wir stellen den Kontakt gern her.
Amigurumi, © M.I.G./LISA/Betty Pabst
© M.I.G./LISA/Betty Pabst