Stefan Strumbel – Coole Heimatkunst

Stefan Strumbel – Coole Heimatkunst

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©Badisches Landesmuseum KA/Forberger
©Badisches Landesmuseum KA/Forberger

Grellbunte Kuckucksuhren, Schwarzwald-Mädels mit Handgranaten – der Schwarzwälder Künstler Stefan Strumbel (36) liebt das provokante Spiel mit Heimatsymbolen. Weltweit bekannt wird er 2008, als Karl Lagerfeld sich mit einer seiner Kuckucksuhren ablichten lässt – „der Ritterschlag“ für Strumbel.

Schriller Schwarzwaldkitsch

Stefan Strumbel
Heimatverbundener Künstler: Stefan Strumbel ©Oliver Rath

Trotz des internationalen Erfolgs lebt der gebürtige Offenburger noch immer in der beschaulichen Kleinstadt am Rand des Schwarzwaldes. Heimatsymbole wie Kuckucksuhren, Schnitzereien oder Jagdtrophäen gibt es hier zuhauf. Doch Strumbels grelle Bilder und Skulpturen laden den vermeintlichen Kitsch mit neuer Bedeutung auf. Die künstlerischen Antworten auf diese Fragen hängen nun überall in der Welt in hippen Designerlofts, Büros und Wohnungen: knallbunte Kuckucksuhren, Tierköpfe im Comic-Style oder poppige Kreuze. In wenigen Jahren hat Strumbel es geschafft, das Bewusstsein für Traditionen und die Frage nach der eigenen Herkunft in ein völlig anderes Licht zu rücken.

 

Karl Lagerfeld ist Fan

Strumbel Kuckucksuhr
Kuckucksuhren sind sein Markenzeichen ©Badisches Landesmuseum

„Transformation folkloristischer Klischees“, nennt Strumbel das – und wird dafür fürstlich entlohnt. Auf dem Kunstmarkt erzielen seine schrillen Skulpturen Preise bis zu 100.000 Euro. Sogar Schwarz-Weiß-Ästhet Karl Lagerfeld hat sich eine der Uhren in sein Wohnzimmer gehängt. Und auch die Lobby des Büros des grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann wird von einem echten „Strumbel“ verziert.

Dabei startete das künstlerische Aushängeschild Baden-Württembergs seine Karriere im Untergrund – als Graffiti-Sprayer. Mehrmals wurde der junge Sprayer dabei von der Polizei erwischt. „Ich saß in U-Haft, es gab eine Hausdurchsuchung und eine Gerichtsverhandlung“,  gesteht der Künstler.

 

Vaterliebe als Heimat

Stefan Strumbel, Farben
Stefan Strumbel will mit Farben die Menschen wachrütteln © Badisches Landesmuseum KA/Forberger

Dann entdeckte Strumbel den Schwarzwald und seine Symbole für sich. Über allem schwebt die ironische Frage: „What the fuck is Heimat?“ Er weiß, dass keine seiner Definitionen ausreicht, denn jeder verbindet etwas anderes damit – einen Ort, ein Gefühl, einen Menschen. Für Strumbel ist dieser Mensch sein kleiner Sohn. „Er beeinflusst meine Kunst sehr. Mutter- und Vaterliebe sind eng mit Heimat verbunden, denn die Liebe, die man als Kind erfährt, prägt einen Menschen genauso wie der Ort, an dem er geboren wurde.“

Strumbels Blick geht aber auch über den Heimat-Tellerrand hinaus. Neuerdings arbeitet er an Bronze-Skulpturen und hat keine Angst davor, mit dem Stilwechsel keinen Erfolg zu haben: „Bronze gibt mir die Möglichkeit, einen neuen Weg zu gehen. Als Künstler darf man keine Angst haben. Selbstzweifel schon, aber man muss was riskieren, wenn man sich weiterentwickeln will.“