Repair Cafés: Weniger wegwerfen – mehr Spaß!

Repair Cafés: Weniger wegwerfen – mehr Spaß!

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Projektleiterin eines Repair Cafés Elisa Garrote
Im Repair Café im Berliner Stadtteil Kreuzberg herrscht oft großer Andrang. Die 38-jährige Elisa Garrote leitet das Projekt © picture alliance/dpa/Jörg Carstensen

In ganz Deutschland gibt es immer mehr Repair Cafés – dort bekommt man Hilfe zur Selbsthilfe fürs Reparieren defekter Gegenstände. Eines der ersten eröffnete die Künstlerin Elisa Garrote in Berlin.

Auf manche Gegenstände in unserem Haushalt können wir leicht verzichten. Andere dagegen sichern unsere Lebensqualität – so auch der elektrische Rollstuhl einer Berliner Rentnerin. „Die alte Dame konnte nicht mehr allein aufstehen, der Rollstuhl half ihr dabei“, erinnert sich Elisa Garrote, Projektmanagerin von drei Berliner Repair Cafés. Der Enkel der alten Dame wandte sich ziemlich verzweifelt an Elisa. Denn die Reparatur konnte sich seine Oma nicht leisten, geschweige denn einen neuen Rollstuhl. Elisa schrieb ihn auf die Liste – für eines der Treffen in der Berliner Alexandrinenstraße 4. Dort bieten versierte Handwerker und Technikfreaks einmal pro Monat ehrenamtlich Hilfe zur Selbsthilfe bei der Reparatur kaputter Gegenstände.

Warum wegwerfen, wenn man einen Gegenstand noch reparieren kann?

Solche Repair Cafés gibt es längst nicht nur im alternativen Berlin. In ganz Deutschland werden immer mehr gegründet (aktuelle Treffpunkte findet ihr unter repaircafe.org). Denn immer mehr Menschen scheinen sich zu fragen: Warum wegwerfen, wenn man einen Gegenstand noch reparieren kann? Das Problem: Oft gehen vor allem technische Geräte kurz nach Ablauf der Garantie kaputt. Die Reparatur ist dann oft teurer, als die Anschaffung eines neuen Geräts (weitere Infos dazu findet ihr in diesem Focus–Artikel). Repair-Cafés schließen diese Lücke. Ihr Grundprinzip: Jeder ist willkommen, ob als Besucher mit einem defekten Teil oder als Technik-Experte. Werkzeug ist meist vorhanden. Jeder Gast sollte auch selbst mit Hand anlegen – er wird dabei aber von einem Profi angeleitet. Im Schnitt wenden die ehrenamtlichen Helfer drei bis sechs Stunden im Monat dafür auf. Manche Techniker sind zum Teil berufsunfähig. „Kein Arbeitgeber würde sie nur für ein paar Stunden einstellen“, erklärt Elisa. „Bei uns sind sie wieder gefragt!“

„Die Leute merken schnell: Reparieren macht Spaß!“

Die Idee entstand in den Niederlanden. Das weltweit allererste Repair Café organisierte die Journalistin Martine Postma im Oktober 2009 in Amsterdam. Und zwar mit vollem Erfolg. Blogger verbreiteten ihre Idee dann über das Netz rund um den Globus. Das erste Repair Café in Deutschland eröffnete in Köln. Kurz darauf hörte der Berliner Verein „Kunststoffe“ davon – und fragte Elisa Anfang 2013, ob sie so eine Initiative nicht auch in Berlin ins Leben rufen könnte. Die Künstlerin zögerte keine Sekunde. „Ich hatte mich schon zuvor viel mit dem Thema Müllvermeidung beschäftigt. Das passte also super.“ Heute organisiert sie in ganz Berlin drei Repair Cafés. Weil manchmal ein Techniker ausfällt, ist Elisa inzwischen selbst fast zur Expertin geworden. „Bei Youtube gibt es ziemlich viele Reparatur-Videos, über die ich eine Menge gelernt habe.“ Vor allem Kopfhörer landen sehr oft in den Werkstätten. Aber auch Toaster, Handys, Laptops oder Fernseher bringen die Menschen dort vorbei. Im Schnitt können Elisa und ihre Helfer 60 bis 70 Prozent der Geräte retten. „Es herrscht immer eine lockere Atmosphäre, die Leute helfen sich gegenseitig. Man merkt schnell: Reparieren macht Spaß!“, sagt die 38-Jährige und lacht.

Doch nicht alle finden die Repair Cafés so gut: „Manche Reparatur-Werkstätten sehen uns als Konkurrenz“, weiß Elisa. Aber das kann sie nicht bestätigen: „Durch uns kommen die Leute doch erst auf die Idee, überhaupt etwas reparieren zu lassen. Und: Bei uns muss man mit anpacken. Wem das nicht gefällt, der wird immer in den Laden gehen.“ Wenn die Geräte noch Garantie haben, schickt Elisa die Leute damit ohnehin zum Händler.

„Gemeinsam finden wir oft, was dem ‚Patienten‘ fehlt.“

Drei Techniker befassten sich am Ende mit dem Rollstuhl der alten Dame. Mit Erfolg. „Am Ende war der Enkel überglücklich“, sagt Elisa. „Und ich auch! Bei uns ist das wie beim Arzt: Es schadet nicht, eine zweite Meinung einzuholen – gemeinsam finden wir oft, was dem ‚Patienten‘ fehlt.“