Das geheime Leben der Pflanzen

Das geheime Leben der Pflanzen

Pflanzen
Die Pflanzen im Garten kommunizieren miteinander – ihre Sprache besteht aus Duftstoffen ©iStock/essenin

Sie können denken, miteinander kommunizieren und sich sogar verlieben – Pflanzen haben viele verborgene Talente. Wir zeigen sie euch.

Bis vor ein paar Jahren galten Pflanzen in der Biologie noch als empfindungslose Geschöpfe. Doch neueste Forschungen zeigen, was Hobbygärtner schon lange wussten: Pflanzen sind Lebewesen mit Empfindungen, die dann gedeihen, wenn wir ihnen Liebe und Zuwendung schenken. Joseph Scheppach hat in seinem Buch „Das geheime Bewusstsein der Pflanzen“ die neuesten Erkenntnisse gesammelt. Die ganz besonders spannenden haben wir für euch herausgesucht.

Pflanzen lernen

Das Gehirn sitzt bei ihnen nicht an einer bestimmten Stelle, sondern im ganzen Organismus. Von der Blüte bis zur Wurzel weiß die Pflanze, wie viel Wasser sie hat und wie groß sie ist – sie hat also ein Selbst-Bewusstsein. Nur so kann sie ihr Verhalten der Umgebung anpassen, ihr Wachstum und ihre Fortpflanzung optimieren – und das ihr ganzes Leben lang, basierend auf Erfahrungen. Man kann Pflanzen sogar mithilfe des pawlowschen Reflexes erziehen. Bei einem Versuch verpasste man einer Pflanze einen elektrischen Schlag, wenn Eisenerz neben ihr lag. Auch nach dem Versuch löste Erzhaltiges Angstgefühle bei der Pflanze aus. Und sie konnte bei dem Experiment sogar zwischen einem reinen Steinblock und einem ähnlich aussehenden, der Erz enthielt, unterscheiden.

Pflanzen haben ein Zeitgefühl

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Pflanzen passen sich Umgebung und Jahreszeit an – weil sie es so gelernt haben ©iStock/rotofrank

Woher weiß eigentlich das Schneeglöckchen, dass Februar ist und es blühen darf? Und woher der Glücksklee, dass es Abend wird und er seine Blätter zusammenklappen sollte? Vor mehr als 250 Jahren pflanzte Carl von Linné eine Uhr aus Blumen, jedes der 12 Felder blühte zu einer anderen Zeit, aber immer pünktlich zur vollen Stunde. Lange ging man davon aus, dass die Pflanzen sich am Sonnenlicht orientieren, doch auch in vollkommener Dunkelheit behält jede ihren persönlichen Rhythmus. Heute weiß man, dass sie eine innere Uhr haben, um nicht nur zu reagieren, sondern ihren Organismus rechtzeitig zu optimieren, damit sie so wenig Energie wie möglich verbrauchen. Der genaue Zeitpunkt der Blüte ist auch wichtig für die Nachkommen, denn die Fortpflanzung klappt nur, wenn alle gleichzeitig blühen.

Pflanzen haben ein Liebesleben

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Die Biene bekommt Nektar und verteilt dafür Pollen – eine Nutzbeziehung ©iStock/Boris Katsman

Pflanzen zeigen ihre Sexualität ganz offen: Blüten, Samen und Früchte sind quasi ihre Geschlechtsorgane. Obwohl sie sich auch ohne „Partner“ vermehren können, etwa durch Ableger, hat die „sexuelle“ Vermehrung von Blütenpflanzen den Vorteil, dass das Erbgut durchmischt wird. Erst so kann Evolution entstehen, sich der Stärkere gegen den Schwächeren durchsetzen. Blütenpflanzen bildeten dafür im Laufe der Zeit Nektar aus – um so die Bienen zu belohnen, dass sie ihre Chancen auf Vermehrung erhöhen. Zwischen den Partnern muss aber auch die Chemie stimmen: Der männliche Pollen muss sich quasi einem Partnerschaftstest unterziehen, bevor er die weibliche Blüte befruchten darf. Nur wenn sich beide wortwörtlich gut riechen können und artverwandt sind, gelingt die Befruchtung und es können sich Nachkommen bilden.

 

Pflanzen reden

Den Unterhaltungen von Pflanzen lauschen? Das können Biochemiker, denn die „Sprache“ der Pflanzen ist reine Chemie. Ihre Worte sind flüchtige Substanzen, Duftstoffe, die sie über die Luft verbreiten. Das wichtigste Gesprächsthema: die Abwehr von Fressfeinden. So haben zum Beispiel Akazien ein schlaues Abwehrsystem entwickelt: Giraffen lieben nämlich Akazienblätter und müssten mit ihrem Bedarf von 80 Kilo Nahrung pro Tag die Bäume eigentlich kahl fressen. Und doch knabbern sie nur kurz dran und ziehen dann weiter. Die Akazie produziert nämlich ab dem ersten Bissen Bitterstoffe, die in großen Mengen giftig für die
Giraffe sind. Dann verströmt sie Äthylen, um ihren Nachbarn zu sagen, dies ebenfalls zu tun. Viele Pflanzen nutzen diesen „Bioalarm“ und helfen sich so gegenseitig. Diese duftenden Signalstoffe könnten auch für uns Menschen von Vorteil sein. Forscher versuchen damit, Nutzpflanzen und Wälder auf natürliche Weise vor Schädlingen zu schützen, um Pestizide einzusparen. Wenn wir den Pflanzen besser zuhören, tun wir uns also selbst Gutes.

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Doch nicht nur Pflanzen sprechen miteinander, auch Bäume sind soziale Wesen und fühlen Glück und Leid anderer. Hier geht’s zum Geheimnis der Bäume.