Warum ein Neuanfang so glücklich macht

Warum ein Neuanfang so glücklich macht

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Neuanfang, Landschaft mit Türen
©istock/pertusinas

Ihr träumt von einem Neuanfang? Dann springt über euren Schatten und traut euch!

Es fühlt sich so an, als habe jemand das Fenster aufgerissen und endlich frische Luft hereingelassen. Die Farben sind bunter – das Leben ein Versprechen. Man ist zwar nervös, aber auch voll prickelnder Energie. Es geht endlich los.

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, schrieb Hermann Hesse in seinem Gedicht „Stufen“. Und wer je zu einer großen Reise aufgebrochen ist oder über beide Ohren glücklich verliebt war, weiß, wie sehr das stimmt. Und dass der Dichter recht hat, wenn er schreibt, dass dieser Zauber uns beschützt und uns hilft zu leben.

Das bestätigen auch nüchterne Wissenschaftler. Sie sagen sogar: Anfänge oder ein Neuanfang sind lebenswichtig. Nur durch sie können wir uns entwickeln. Wer niemals aufbricht, nie die Pause-Taste loslässt und etwas Neues wagt, wird auf Dauer krank. Sein Körper beginnt zu streiken, denn ihm bekommt Bewegungslosigkeit ebenso schlecht wie unserem Geist.

Unser Gehirn liebt Neues

Kind dreckig
Kinder erleben jeden Tag als Neuanfang – und sind deshalb glücklich ©istock/ IceArnaudov

Der Geist findet Beständigkeit zwar einfach und erholsam, aber auch langweilig und unbefriedigend! Geschieht hingegen häufig etwas Neues, hat unser Gehirn tüchtig damit zu tun, die Erfahrungen zu verarbeiten und einzusortieren. Es bleibt in Bewegung und flexibel. Es legt viele Dateien für einen kurzen Zeitraum an, auf die wir später zurückgreifen können: wertvolle Erinnerungen.

Diese vielen Eindrücke sind der Grund, warum einem als Kind die Schulferien ewig vorkamen: Jeder Tag wurde intensiv – und wurde somit als lang – empfunden. Sind wir erwachsen, passiert nicht mehr automatisch etwas Neues. Wir haben unsere Routine. Die wichtig und wertvoll ist, keine Frage. Aber die eben auch dafür sorgt, dass wir uns oft wie ein Hamster im Rad vorkommen und uns das Leben etwas fad und freudlos erscheint.

Gute Vorsätze?

Zum Jahreswechsel träumen wir immer wieder davon, dass der 1. Januar der erste Tag in einem neuen Leben ist. Viele fassen Vorsätze für einen Neuanfang – die dann recht bald wie die ungeliebten Weihnachtsgeschenke in der Ecke landen. Denn Neujahr ist selten der große Moment auf den wir alle irgendwie hoffen: der Augenblick, der alles verändert. In dem sich das Schicksal mit mir verbündet und mir die einmalige Gelegenheit bietet, zuzugreifen und das pralle Leben zu packen. Aber wann genau ist dieser Neuanfang-Moment? Wie erkennt man ihn? Und wie schafft man es, zuzugreifen?

Die Chance erkennen

Leiter Himmel
Ihr habt eine himmlische Idee? Dann startet doch einen Neuanfang! ©istock/pick-uppath

Das Wichtigste ist ein gutes Gespür für sich selbst: Wer wollte ich gern sein, wer könnte ich sein – wenn ich die Gelegenheit dazu hätte? Man muss herausfinden, in welche Richtung man gern gehen würde.

Nur dann kann man den Weg erkennen, wenn er sich auftut. Um ihn zu gehen, braucht es eine gute Portion Mut und Offenheit. Den Mut, sich aus einer unglücklichen Beziehung zu befreien etwa. Die Offenheit, sich zu verlieben und sich ganz hinzugeben.

Doch bei einem Neuanfang geht es nicht nur um die ganz großen Sachen. Die sind manchmal sogar eher leichter, weil sie mit aller Macht ins Leben platzen. Die kleinen Dinge – endlich Italienisch zu lernen oder regelmäßig Yoga zu machen –, die können hart sein. Das Problem dabei ist, dass wir nur das (schwierig zu erreichende) Ziel im Blick haben, statt die kleinen, überschaubaren Schritte zu planen, die uns da hinführen.

Doch wann ist er nun eigentlich da, der richtige Moment, um anzufangen? Die Antwort klingt banal: immer. So, wie die Sonne immer scheint. Und wenn wir sagen: „Nein, jetzt ist der Augenblick gerade nicht günstig“, dann sehen wir nur die Wolken. Das bedeutet aber auch: Da die Gelegenheit immer günstig ist, muss man sich nicht hetzen. Man kann ganz gelassen loslegen, wenn man bereit dafür ist.

Wie bei einer S-Bahn, die im Fünf-Minuten-Takt fährt: Wenn man die erste nicht nehmen mag, nimmt man eben die nächste. Da man weiß, wie das geht, eine Karte gelöst hat und die Richtung kennt, in die man fahren will, kann man in jede einsteigen. Es gibt nicht die eine Bahn. Es gibt nur den Schritt, den man in sie hineingeht – und dann beginnt die Fahrt.