„Muss ich täglich aufs Klo?“: 7 Verdauungs-Mythen im Check

„Muss ich täglich aufs Klo?“: 7 Verdauungs-Mythen im Check

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Verdauung
©iStock/Memitina

Um das Thema Verdauung ranken sich zahllose Mythen: Einmal am Tag aufs stille Örtchen und immer schön Ballaststoffe essen? Was wirklich dran ist an den Weisheiten, erklärt LISA-Experte Prof. Müller-Lissner.

Mythos 1: Man muss jeden Tag auf die Toilette

„Nein, nur weil man nicht jeden Tag kann, ist man nicht gleichverstopft. Medizinisch gesehen spricht man von Verstopfung, wenn mehrere Faktoren zusammenkommen. Neben der Stuhlfrequenz (seltener als dreimal pro Woche) zählen hierzu zum Beispiel auch starkes Pressen beim Stuhlgang oder das Gefühl der unvollständigen Entleerung.“

Mythos 2: Verstopfung ist doch gar kein richtiges Problem

Stefan Mueller-Lissner, MD Professor of Medicine
Prof. Stefan Mueller-Lissner ist Chefarzt der Abteilung für Innere Medizin der Parkklinik Weißensee in Berlin ©Privat

„In der Tat sind Menschen, die keine Probleme mit der Darmentleerung haben, geneigt, die Beschwerden der etwa zehn Millionen Betroffenen in Deutschland zu unterschätzen, die durch Darmträgheit entstehen können. Dabei steht für die Betroffenen die Häufigkeit – oder besser die Seltenheit des Stuhlgangs – nicht im Vordergrund, sondern das Völlegefühl und die Schwierigkeit der Stuhlentleerung.“

Mythos 3: Ballaststoffe lösen jede Verstopfung

„Das stimmt so nicht. Ein träger Darm kann unter Umständen durch eine Steigerung der Ballaststoffzufuhr angeregt werden. Bei einer Verstopfung führt das aber nur bei einem Teil der Patienten zum gewünschten Effekt. Im Gegenteil, oft lösen mehr Ballaststoffe stattdessen schmerzhafte Blähungen aus. Speziell bei Menschen, die an einer verlangsamten Darmpassage leiden, der sogenannten Slow-Transit-Obstipation, hat eine erhöhte Ballaststoffzufuhr keinerlei Einfluss auf die Verstopfung. Ein Abführmittel hilft Menschen mit diesem Problem jedoch verlässlich, den Alltag wieder genießen zu können.“

Mythos 4: Viel trinken hilft viel

„Ein klarer Mythos. Niemand soll dursten, aber eine Steigerung der Trinkmenge über die üblichen 1,5 bis 2 Liter am Tag hinaus wird die Verstopfung nicht beheben!“

Mythos 5: Stress beeinflusst die Verdauung

„Das ist absolut richtig. Im Darm finden mehrmals pro Tag Massenverschiebungen in Richtung Ausgang statt. Diese werden vom darmeigenen Nervensystem gesteuert – einem Teil unseres Nervensystems, das in Ruhe aktiv ist. Bei Dauerstress kann diese Bewegung ausbleiben, der Darm verstopft. Es kann jedoch auch das Gegenteil passieren: Manche Menschen reagieren auf Stress mit Durchfall.“

Mythos 6: Medikamente können für Verstopfung verantwortlich sein

„Es gibt leider eine ganze Reihe an Medikamenten, die als Nebenwirkung den Darm lahmlegen können. Typische Arzneimittelgruppen sind hier manche Antidepressiva oder Antihypertensiva (gegen Bluthochdruck), Parkinson- Medikamente, Eisenpräparate und vor allem starke Schmerzmittel aus der Gruppe der Opiate. In diesem Fall gibt es einige Abführmittel sogar erstattungsfähig auf Rezept. Am besten bespricht man dies mit dem behandelnden Arzt.“

Mythos 7: Abführmittel darf man nicht längerfristig einnehmen

„Das ist ein Vorurteil, das sich seit Jahren hartnäckig hält. Die bei uns erhältlichen Mittel sind sicher. Ihr schlechter Ruf wurde möglicherweise durch die wenigen Patienten begründet, die Abführmittel missbrauchen, indem sie diese etwa in der Hoffnung einsetzen, damit ihr Körpergewicht reduzieren zu können – was mitnichten funktioniert. Mehrere Studien zeigen, dass moderne Wirkstoffe wie Macrogol, Bisacodyl und Natriumpicosulfat (z. B. in ,Dulcolax’ und ,Laxo-beral’, Apotheke) ohne Bedenken auch längerfristig eingenommen werden können. Wir wissen heute, dass bei diesen Wirkstoffen die Angst vor einer Gewöhnung des Darmes oder der Entstehung einer Abhängigkeit nach den Abführmittel-Produkten unbegründet ist.“