Die sieben Todsünden – und wie sie uns weiterbringen

Die sieben Todsünden – und wie sie uns weiterbringen

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Todsünden
©iStock/PeterZelei

Neid, Faulheit, Zorn: Die sieben Todsünden gelten als schlechte Charaktereigenschaften. Aber ist es nicht manchmal sinnvoll, ein wenig geizig oder hochmütig zu sein? Wir erklären, wie man die Todsünden für sich nutzen kann!

Ein gutes Mädchen ist nicht eitel, es stellt sein Licht eher unter den Scheffel. Und geizig sein ist auch böse. Genau wie unbeherrschte Wut… Stimmt doch, oder? Nein, nicht unbedingt. Natürlich sind all die sogenannten Todsünden im Grunde ein echtes Übel. Aber sie haben – wie das mit dem Übel oft so ist – einen guten Kern. Etwas in sich, das wir brauchen und das uns hilft. Wir erklären, was das ist, wie wir es nutzen können. Und wo die Grenzen sind.

Hochmut

Die erste der sieben Todsünden. Manchmal ist auch von Eitelkeit die Rede, von Stolz, Arroganz oder dem altmodischen Begriff Hoffart. Und es ist natürlich klar: Ein Mensch, der sich selbst total überschätzt und glaubt, nicht nur alles zu können und zu wissen, sondern sich auch für den Größten hält, ist ein mehr als unangenehmer Zeitgenosse. Er dreht sich nur um sich selbst, kann keine Fehler an sich erkennen und schaut auf andere herab.

Das versteckte Geschenk: Vor allem wir Frauen werden zu sehr, sehr viel Bescheidenheit erzogen. Wir hadern ständig mit uns selbst, finden uns oft hässlich und klein. Hoch-mut – das bedeutet auch: hoher Mut. Also viel Mut. Mut, zu sich selbst zu stehen. Mut, auch mal was einzufordern und zu sagen: Ja, das habe ICH geleistet.

Wollust

Todsünden
©Fotolia/sakkmesterke

Ausschweifung, Genusssucht, Begehren – es stimmt schon, was die Kirche vermutet hat: Daraus können weitere üble Sünden entstehen. Man denke nur an sogenannte „Verbrechen aus Leidenschaft“. Wenn jemand nur auf sein Vergnügen aus ist und dabei aufhört, andere und ihre Bedürfnisse zu respektieren, ist er kein guter Mensch.

Das versteckte Geschenk: Manchmal könnte man meinen, unser ganzes Leben drehe sich nur noch um Leistung. Es ginge nur darum, anständig zu funktionieren, artig und perfekt zu sein. Wie gut würde es uns – und anderen – tun, wenn sie mal alle Fünfe gerade sein lassen könnten und sich ganz der Freude, der Lust und dem Vergnügen hingeben könnten. Wie entspannt es auf der Welt zugehen würde, wenn alle guten Sex genießen könnten.

Geiz

Nein, Geiz ist nicht wirklich geil. Er ist eng verwandt und wird im Todsünden-Register auch gleichgesetzt mit Habgier. Also: nichts abgeben und keinen fairen Preis bezahlen wollen, dafür aber auf das, was einem eigentlich nicht zusteht, schielen. So ein Charakter ist wirklich fies.

Das versteckte Geschenk: Wer alles gibt, worum ihn andere bitten, steht irgendwann selbst mit leeren Taschen da. Und wer sich selbst nicht geizig einen Luxus versagen kann, wird nie auf ein größeres Ziel hin sparen können. Aber vor allem im zwischenmenschlichen Bereich würde uns manchmal etwas mehr Geiz gut tun: Dann könnten wir „Nein“ sagen und würden mit unserer Zeit und unserer Energie wesentlich sorgfältiger umgehen. Und würden seltener Gefahr laufen, sehr viel mehr Zuneigung und Aufmerksamkeit zu geben als zu bekommen.

DZorn

Gilt nicht nur im Christentum als Todsünde, auch für Buddhisten ist es ein so genanntes „Grundgift“, das von innen zerstört. Zudem wird man aggressiv gegen andere. Wer zornig ist, kann nicht mehr klar denken, ist nicht mehr Herr seiner Sinne. Das ist immer schlecht.

Das versteckte Geschenk: Vor lauter Angst, als aggressiv zu gelten, lassen wir uns oft viel zu viel gefallen. Wir schlucken unsere Enttäuschung und unsere Traurigkeit runter: pures Gift. Besser wäre es, mal auf den Tisch zu hauen und Grenzen zu ziehen. Zorn kann einem wahnsinnig viel Energie schenken, die man zu richtig sinnvollen Sachen nutzen kann.

Völlerei

Darunter versteht man übermäßiges Essen und Trinken. Maßlosigkeit macht nicht nur dick, sondern ist für den ganzen Organismus ungesund. Sogar die Seele kann Schaden nehmen, weil man keinen Bezug zu den Gaben des Lebens mehr hat, keine Dankbarkeit mehr empfindet, sondern nur noch in sich reinstopft.

©Shutterstock/ Lisa F. Young
©Shutterstock/ Lisa F. Young

Das versteckte Geschenk: Kalorien zählen, sich dauernd Sorgen um die Figur machen, kein Fett, keine Kohlehydrate, keinen Zucker – puh… Das ist nur eine andere Art, die Gaben des Lebens zu missachten. Eine, die ziemlich verkniffen macht. Wie herrlich wäre da manchmal ein bisschen Maßlosigkeit. Lustvolle Völlerei.

Faulheit

Für seinen Lebensunterhalt nicht arbeiten zu wollen, körperlich und geistig völlig träge zu sein führt ganz klar irgendwann zu Kleinmütigkeit, Gleichgültigkeit oder sogar Verzweiflung – laut Kirchenlehre den „Töchtern“ der Faulheit. Wer faul ist, lebt oft auf Kosten anderer. Lässt die Kollegen oder seine Freunde schuften und lehnt sich selbst zurück.

Das versteckte Geschenk: Wer dauernd rumwuselt, sich für jeden Job meldet, permanent am Machen ist, findet wenig Zeit, mal in Ruhe nachzudenken. Es gibt sogar Leute, die sagen: Nur wer recht faul ist, erfindet Neues – meist Dinge, die die Arbeit erleichtern. Und: Nur wer sich faule Stunden gönnen kann, kann auch mit Spaß aktiv sein.

Neid

In der einigermaßen milden Form will ein Neider genau das auch haben, was andere haben. Schlimmstenfalls wünscht er sich aber sogar ganz missgünstig, dass der andere das „Neidobjekt“ verliert oder ihm was Ungutes passiert. Das ist natürlich obermies.

Das versteckte Geschenk: Ja, Neid hat einen schlechten Ruf. Niemand will sich nachsagen lassen, er sei doch nur neidisch. Ein Argument das oft benutzt wird, wenn es darum geht, Ungerechtigkeiten zu vertuschen. Aber genau das kann Neid signalisieren: Hier geht es nicht fair zu. Die weitere positive Komponente: Er spornt uns an.