Lohnt sich das Geld für eine Stoffwechselkur?

Lohnt sich das Geld für eine Stoffwechselkur?

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Stoffwechselkur
©iStock/Mukhina1

Die Stoffwechselkur hat gerade Hoch-Konjunktur. 10 Prozent des eigenen Körpergewichts soll man in 3 Wochen verlieren – aber dafür tief in die Tasche greifen. Lohnt sich das?

So ganz neu ist sie nicht, die Stoffwechselkur. Dr. Albert Simeons hat schon vor über 60 Jahren damit herumexperimentiert. Der englische Arzt beschäftigte sich damals mit einem bestimmten Hormon – dem „humanen Choriongonadotropin“ oder kurz hCG. Es wird während der Schwangerschaft gebildet und sorgt dafür, dass sich der Fötus im Mutterleib optimal entwickeln kann. Und das sogar in Notzeiten! Dann führt es nämlich dazu, dass der Organismus die Energie aus den Fettdepots besser verwertet. Das brachte Simeons auf die Idee, einigen Abnehmwilligen hCG die Spritze zu verabreichen. Gleichzeitig wurden sie auf eine stark kalorienreduzierte Diät gesetzt. Und siehe da: Seine Kur war tatsächlich erfolgreich! Die Testpersonen nahmen spürbar ab. Nach Meinung der meisten Wissenschaftler heute allerdings nicht wegen der Hormon-Gaben, sondern aufgrund der geringen Kalorienzufuhr.

So funktioniert die Stoffwechselkur

Die Stoffwechselkur wird seither immer wieder einmal neu aufgelegt. Anstelle der Hormon-Spritzen setzen die Verkäufer entweder hCG-Präparate in Form von Globuli oder Tropfen auf den Speiseplan – und lassen sich das auch viel Geld kosten. Man kann sich seine Stoffwechselkur auch selber zusammenstellen. Der Speiseplan ist schließlich nach wie vor nicht gerade üppig: Strenge Varianten erlauben gerade einmal 500 Kalorien, bei den moderaten dürfen es sogar 700 sein. Aber mehr ist auf gar keinen Fall drin.

Alkohol, Zucker, Kohlenhydrate und Fette sind während der ersten 21 Tage absolut tabu. In diesem Zeitraum darf man nur einige wenige Nahrungsmittel essen. Mageres Fleisch oder Fisch zum Beispiel. Und Tofu. Sie dienen als Eiweißlieferanten und sollen so richtig satt machen. Dazu gibt es Gemüse. Auch einige Obstsorten sind erlaubt. Außerdem Eier, fettreduzierter Joghurt und Magerquark.

Auf 3 Wochen strenge Diät muss man sich also auf jeden Fall gefasst machen. Oft sogar noch länger. Die meisten Varianten der Stoffwechselkur setzen dabei auf ein Phasen-Konzept:
1. Ladephase (2 Tage)
2. Diätphase (21 Tage)
3. Stabilisierungsphase (21 Tage)
4. Erhaltungsphase (lebenslang)

In der Ladephase darf man noch einmal richtig üppig schlemmen und dabei sämtliche Ernährungssünden begehen, auf die man gerade Lust und Laune hat. Einige lassen sie aber auch ganz weg und steigen direkt in die strenge Diätphase ein. Und die dauert mindestens 21 Tage lang. Auf jeden Fall aber so lange, bis das Wunschgewicht erreicht ist.

So könnte ein Stoffwechselkur-Diät-Tag aussehen

Morgens: 1 Tasse Kaffee ohne Zucker
Mittags: 100 g Steak mit Brokkoli, 1 Grissini, 1 Apfel
Abendessen: 100 g Krabben mit Gurkensalat

Auf die Diätphase folgt in der Regel eine Stabilisierungsphase mit noch einmal 21 Tagen. In dieser Zeit sind 1000 bis 1200 Kalorien pro Tag erlaubt. Wer hCG-Globuli oder -Tropfen einnimmt, darf diese nun absetzen, Zucker und Kohlenhydrate bleiben weiterhin tabu.

Mangelerscheinungen, Muskelschwund: Die Gefahren der Stiffwechselkur

Die Kalorienzufuhr ist in der Diätphase um einiges niedriger, als für Erwachsene empfohlen wird. Das ist so gewollt, denn das Konzept der Kur beruht ja auf dem Prinzip des Hungerstoffwechsels. Das ist bei gesunden Menschen für einen gewissen Zeitraum durchaus ohne Risiken zu verkraften, wenn man einige Regeln beachtet:
1. Der Körper verbrennt während der Diät nicht nur Fett, sondern vor allem auch Eiweiß. Deswegen sollte man ihm einerseits zusätzliches Eiweiß zuführen und andererseits kontinuierlich in Bewegung bleiben, damit es gar nicht erst zum Abbau von Muskelmasse kommt.
2. Da während der Stoffwechselkur über einen ziemlich langen Zeitraum auf viele Lebensmittel verzichtet werden soll, ist die Einnahme einiger Nahrungsergänzungsmittel durchaus sinnvoll und mit ca. 3,- € pro Tag auch erschwinglich. Empfohlen werden:
Weizenkleie
Glucomannan (Konjak Mannan)
Omega-3-Fettsäuren
Vitamine und Mineralstoffe
Eiweißpulver

Es kann funktionieren – mit viel Disziplin

Die Stoffwechselkur funktioniert also tatsächlich. Man kann damit spürbar abnehmen. Das liegt allerdings nicht am hCG. Es kann wissenschaftlich nicht belegt werden, dass das Hormon irgendetwas bewirkt. Experten sagen vielmehr übereinstimmend, dass der Gewichtsverlust ausschließlich auf die strikte Kalorienreduktion zurückzuführen ist. Auf hCG-Präparate wie Globuli, Sprays und Tropfen kann man also getrost verzichten.

Die Stoffwechselkur kann ein guter Einstieg sein. Sie sollte aber sorgfältig vorbereitet werden. Ein Arztbesuch gehört auf jeden Fall zum Pflichtprogramm. Und ein Plan für die Zeit danach. Denn natürlich besteht wie bei jeder strengen Diät die Gefahr, in die Jojo-Falle zu tappen: Wenn man nach Ende der Diät einfach wieder in alte Gewohnheiten zurückfällt, kann es passieren, dass man am Schluss sogar noch mehr wiegt als vorher. Deswegen führt an einer
konsequenten und vor allem langfristigen Änderung der Verhaltensweisen im Hinblick auf Ernährung und Bewegung einfach kein Weg vorbei, wenn man das Gewicht dann auch wirklich halten möchte.