Medizin-Mythen im Check: Was ist wirklich dran?

Medizin-Mythen im Check: Was ist wirklich dran?

von -
Medizin-Mythen
Wie gesund macht der tägliche Apfel wirklich? ©iStock/Eva-Katalin

Kann man Infekte in der Sauna aussschwitzen? Und spart der tägliche Apfel den Arztbesuch? Wir haben 8 hartnäckigen Medizin-Mythen auf den Zahn gefühlt.

„Vom Joggen bekommt man einen Hängebusen“

Tatsächlich ist die Brust beim Laufen starken Belastungen ausgesetzt – ein „Hängebusen“ droht aber nicht. Gleichzeitig wird nämlich auch das Bindegewebe besser durchblutet. Außerdem werden Muskeln trainiert und – auf Dauer – Fett verbrannt, was den Busen eher strafft. Tragt beim Laufen aber einen Sport-BH, der die Brust vor Mikrorissen schützt.

„Ein Apfel am Tag erspart einen Arztbesuch“

Das leckere Obst enthält über 30 Vitamine, Spurenelemente, Ballast- und sekundäre Pflanzenstoffe – einen Arztbesuch erspart es uns aber leider nicht. Eine US-Studie mit 8 400 Teilnehmern ergab, dass Apfelfans genauso häufig beim Doktor sind wie Verächter der Frucht. Immerhin bekamen die Apfelfreunde etwas weniger Medikamente verschrieben.

„Keime in öffentlichen WCs sind gefährlich“

Es ist weniger ein Gesundheits- als ein ästhetisches Problem. Wir ekeln uns vor schmutzigen Klobrillen – krank machen sie einen Menschen mit gesunder Abwehr aber nicht. Selbst wenn sich E.-coli-Bakterien – häufige Harnwegs-Infekt-Auslöser – auf der Brille befinden, schützt uns die Hautbarriere. Allerdings sollte man sich danach gründlich die Hände waschen.

„Rohes Gemüse ist am gesündesten“

Nein, manches Gemüse ist gekocht gesünder als roh. Je stärker z. B. Tomaten verarbeitet sind, desto höher ist ihr Gehalt an Lycopin, einem roten Farbstoff, der die Gefäße schützt und vor Krebs bewahren kann. Dazu kommt: Rohes Gemüse ist reich an Fasern, Säuren und anderen Stoffen, die auf Dauer zu Gärungsprozessen und Blähungen führen können.

„Infekte kann man in der Sauna ausschwitzen“

Gerade wer ohnehin selten sauniert, sollte bei einem Infekt wie z. B. einer Erkältung darauf verzichten. Denn für einen untrainierten Kreislauf ist die Schwitzkur noch belastender. Dann besteht die Gefahr, dass sich der
Infekt verschlimmert, es kann sogar eine Herzmuskelentzündung drohen. Besser ist ein „Mini-Dampfbad“
daheim mit einem Inhalationsgerät.

„Höchstens einmal im Jahr Antibiotika einnehmen“

Nein, es gibt keine offizielle Maximal-Dosis pro Jahr. Allerdings: Je häufiger Antibiotika geschluckt werden, desto größer ist die Gefahr, dass ein Erreger gegen das Medikament resistent wird.

„Alte Menschen hören schlechter“

Tatsächlich ist das häufig so, aber es liegt nicht immer an den Ohren. Wenn Senioren etwas nicht richtig verstehen, ist in vielen Fällen das Gehirn dafür verantwortlich. Die Verarbeitung und damit das Verständnis von Gehörtem dauert etwas länger. Es nutzt deshalb nicht unbedingt etwas, ältere Menschen laut anzusprechen. Effektiver ist es oft, langsamer zu reden.

„Dem Rücken zuliebe immer gerade sitzen“

Unsere Wirbelsäule ist extrem biegsam, was viele Haltungen ermöglicht. Entscheidend ist beim Sitzen nicht, ständig eine kerzengerade Haltung einzunehmen, sondern häufig zu wechseln. So sind sogar ungünstige Haltungen mit nach vorn hängenden Schultern kein Problem, wenn man nicht stundenlang darin verharrt, sondern die Stellung regelmäßig ändert.