Wie viel Hygiene ist eigentlich noch gesund?

Wie viel Hygiene ist eigentlich noch gesund?

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Hygiene
©iStock/Alen-D

Wir nutzen Hygiene-Reiniger, antibakterielle Seife, Desinfektionsmittel. Aber: Beim Waschen und Putzen im Haushalt sollte man es lieber nicht übertreiben.

Natürlich wollen wir alles möglichst sauber haben, gut duften und uns optimal vor Krankheitskeimen schützen. Doch manchmal kann übertriebene Hygiene das genaue Gegenteil bewirken. Wir sagen, wo Risiken lauern und wie Sie sie schon im Keim ersticken.

Wie oft sollte man ­eigentlich duschen?

Wenn die Haut gerötet, rissig oder schuppig ist, wenn sie spannt und juckt, dann habt ihr es mit der Reinlichkeit vermutlich übertrieben. Tägliches Duschen zerstört den Säureschutzmantel der Haut und die Haut­flora, die eine natürliche Barriere gegen Krank­heits­erreger, schädliche Umwelteinflüsse und Austrocknung bilden. Tipp: Duscht besser nur kurz und nicht zu heiß (maximal 37 Grad) und verwendet statt Seife schonende Wasch­emulsionen (ideal: pH 5,5) oder Dusch­öle – am besten nur für die Achselhöhlen und den Intimbereich, da sich hier besonders viele Schweißdrüsen befinden.

Was taugt antibakterielle Seife?

Richtig ist: Händewaschen mit Wasser und Seife zählt zu den wichtigsten Maßnahmen, um Infektionskrankheiten wie Erkältungen und deren Verbreitung vorzubeugen. Mittlerweile greifen aber immer mehr Deutsche zu speziellen antibakteriellen Seifen, die mit ­desinfizierenden Substanzen wie Triclosan an­gereichert sind. Käufer erhoffen sich davon einen noch besseren Schutz vor Viren und Bakterien. Dieser Zusatznutzen gegenüber normalen Handseifen konnte bis heute nicht belegt werden. Im Gegenteil: Triclosan-haltige Flüssigseifen mussten schon zurückgerufen werden, weil sie mit Keimen kontaminiert ­waren. Zudem steht der Zusatzstoff im Verdacht, Antibiotika-Resistenzen bei Bakterien zu fördern, Muskelfunktionen und das Hormon­system zu stören sowie Leberkrebs zu begünstigen. Regelmäßiges Händewaschen mit normaler Seife ist dagegen gesundheitlich unbedenklich und reicht als Infektionsschutz-Maßnahme aus. Tipp: Die Seife regelmäßig auswechseln, damit sie nicht verkeimt. Spätestens dann wegwerfen, wenn sich dunkle Streifen zeigen.

Ist unten ohne hygienischer?

Nein, für die Hygiene spielt es keine Rolle, ob man die Haare entfernt oder stehen lässt. Eine Intimrasur schützt auch nicht vor ­Vaginalpilzen oder Infektionen. Dafür kann aber die Rasur Probleme bereiten. Schnittwunden, trockene Haut, Rötung, Pickel oder eingewachsene Haare, die sich entzünden, können die Folge sein.

Sind Haushaltsreiniger empfehlenswert?

Für absolute Sauberkeit und mehr Hygiene in Wohnräumen verwendet jeder Deutsche statistisch mehr als 28 Kilo an Haushalts­reiniger pro Jahr – und die meisten davon enthalten zugesetzte aggressive antibakterielle Wirkstoffe. Doch die sind komplett überflüssig und stehen im Verdacht, Allergien zu fördern. Um die Wohnung auf Vordermann zu bringen, reichen grundsätzlich vier Mittel aus: ein Neutralreiniger für Fußböden, Fliesen und andere glatte Oberflächen, Scheuermilch für hartnäckigen Schmutz, Spülmittel fürs Fensterputzen und Zitronensäure oder Haushaltsessig gegen Kalk. Für Flecke auf Polstern und Teppichen sind eventuell weitere Mittel angesagt: Seifenschaum oder lauwarme Feinwaschmittellösung. Bei den Produkten sollten man zudem auf das Umweltzeichen „Blauer Engel“ achten. Außerdem sollte man Lappen und Spülbürsten häufig wechseln und Messer oder Unterlagen, die mit Fleisch, Fisch, Geflügel oder erdigem Gemüse in Berührung kamen, nach der Benutzung gut reinigen.