Die Heilkraft der Sinne

Die Heilkraft der Sinne

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Sehen, Selbstheilungskräfte
©iStock/webphotographeer

Musik schützt das Herz, Düfte vertreiben Ängste, Berührungen lindern Schmerzen. Verblüffend, welche Selbstheilungskräfte unsere Sinne im Körper freisetzen!

Ununterbrochen strömen Sinnenseindrücke auf uns ein. Wirklich wahr nehmen wir nur einen winzigen Bruchteil davon. Dabei erlaubt uns das, was wir fühlen, sehen, hören, schmecken und riechen nicht nur das Leben gut zu meistern, sondern hilft sogar die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren – und die führen dann im besten Fall dazu, dass es uns tatsächlich besser geht.

Hören: Klassik lockert die Muskeln

Das Summen eines Schlafliedes beruhigt Babys, Helene Fischers „Atemlos“ weckt bei uns Erwachsenen Flirtlaune und auf Beerdigungen rührt uns Bachs Trauermusik zu Tränen. Warum? Weil Musik durchs Ohr direkt ins Emotionszentrum des Gehirns dringt. Die Folge: Die Arterien weiten sich, das Blut fließt schneller.

Aber nicht nur das – auch die Selbstheilungskräfte des Körpers werden wachgerüttelt: Studien zeigen, dass beispielsweise Kopfschmerzpatienten weniger Medikamente benötigen, wenn sie regelmäßig klassische Musik hören. Die Klänge lockern die Muskeln, beruhigen und beeinflussen unsere Atemfrequenz positiv.

Die stärkste Heilkraft für das Herz scheint Barockmusik zu besitzen. In einer Studie an der Uni-Klinik in Herne senkte Bachs „Orchestersuite Nr. 3“ den Blutdruck genauso stark wie ein Betablocker – nur schneller! Schwungvolle Walzerklänge hingegen bringen Puls und Blutdruck eher in Schwung.

Kind mit Blume, © iStock / rollover
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Riechen: Düfte verjagen das Seelentief

Die Nase ist das einzige Sinnesorgan, das direkt mit den beiden Hirnzentren verbunden ist, die Emotionen und Erinnerungen steuern. Ein Atemzug und der Duft landet direkt in diesem „limbischen System“, dem Zentrum der Gefühle und der Erinnerungen. Dieser Verknüpfung verdanken wir, dass wir bestimmte Düfte sofort mit Situationen und Emotionen verbinden – egal, ob wir sie erst gestern oder bereits in unserer Kindheit erlebt haben.

Therapeuten nutzen Aromen zur Schmerzlinderung und Förderung der Wundheilung. Wir selbst gleiten zuhause mit Lavendel-Duftkerzen in tiefen Schlummer, Jasmin verjagt das Seelentief, Vanille den Heißhunger, Sandelholz stärkt das Immunsystem, Rosmarin fördert die Konzentration.

Sehen: Licht schützt vor Depressionen

Alles, was wir sehen, hinterlässt Spuren: Auf der Netzhaut, im Gehirn und im Körper. Geht es um Licht, macht sich vor allem jetzt im Winter das Fehlen bemerkbar. Die kümmerliche Sonnenstrahlung löst bei schätzungsweise einer Million Menschen den Winterblues aus.

Ist der Winterblues nur leicht ausgeprägt, hilft oft schon reichlich Bewegung im Freien – dabei wird das Lichtkonto zumindest wieder etwas aufgefüllt. Ist die Psyche stärker angeschlagen, empfehlen Ärzte häufig eine Lichttherapie. Dabei setzen sich Patienten etwa 30 Minuten lang vor eine Leuchte, die möglichst 10 000 Lux stark sein sollte. Zum Vergleich: Die Zimmerbeleuchtung beträgt 300 bis 500 Lux.

Paar beim Kuscheln, © iStock / oleg66
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Fühlen: Streicheln senkt den Blutdruck

Hören, Riechen, Sehen, Schmecken: Auf jeden dieser Sinne kann der Mensch notfalls verzichten – nur auf den Tastsinn nicht. Ohne ihn können wir nicht existieren. Besonders wichtig ist er für die seelische Gesundheit: Berührungen gehen unter die Haut und dringen bis ins Innerste vor. Werden wir gestreichelt oder in den Arm genommen, verlangsamt sich der Herzschlag, der Blutdruck sinkt, Schmerzen gehen zurück.

Zunehmend untersucht die Medizin, wie Berührungen die Selbstheilungskräfte unseres Körpers aktivieren. So lässt sich Kniearthrose durch Fußreflexzonenmassagen lindern. Bei Menschen mit Krebs nehmen Übelkeit, Müdigkeit und Schmerzen um ein Drittel ab, wenn sie dreimal wöchentlich jeweils 20 Minuten lang massiert werden.

Schmecken: Bitter macht schlank

Süß muss es sein – morgens, mittags und abends. Wir bedienen bevorzugt diejenigen Geschmackssinneszellen auf der Zunge, die milde Reize ans Gehirn vermitteln. Bitteres wie Chicorée, Radicchio, Artischocken oder ungesüßten Kaffee zählen die Wenigsten zu ihren Favoriten.

Dabei besitzt ausgerechnet der Geschmack, der uns abschreckt, spezielle Heilkräfte: Bitterstoffe regen die Tätigkeit von Magen und Darm sowie den Entgiftungsmechanismus von Leber und Galle an. Außerdem wirken die herben Genüsse als natürliche Abnehmhelfer – während Süßes die Lust auf immer mehr Süßes weckt! Zum einen bewirken die Bitterstoffe, dass der Sättigungsreiz schneller einsetzt. Zum anderen sind bitter schmeckende Nahrungsmittel wie Rosenkohl oder grüne Paprika meist kalorienarm.

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