Ejakulation: Ich spritze beim Orgasmus, ist das normal?

Ejakulation: Ich spritze beim Orgasmus, ist das normal?

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Ejakulieren
©iStock/kicsiicsi

Für viele ist es ein Tabuthema, wenn frau beim Sex abspritzt – kennt man es sonst ja nur vom Mann. Doch dieses Schweigen muss gebrochen werden, denn: Du bist nicht allein!

Es gibt mehr Frauen als man denkt, die beim Orgasmus ejakulieren. Viele davon schweigen jedoch in der Öffentlichkeit darüber – manche aus Scham. Denn die weibliche Ejakulation ist noch relativ unerforscht. Erst seit der Frauenbewegung in den 1970er Jahren wurde dieses Phänomen genauer unter die Lupe genommen. Davor war es eher ein Mythos: Eine Frau, die beim Sex wie ein Mann spritzt? Nee, sowas gibt’s doch nicht. Und wie es das gibt!

Jede dritte Frau ejakuliert

Sabine zur Nieden, eine Kölner Ärztin, wollte 1990 der Frage genauer auf den Grund gehen: Wie viele Frauen sind eigentlich davon betroffen? Sie startete eine Studie, bei der sie herausfand, dass ein Drittel aller Frauen ejakulieren. Mittlerweile weiß man jedoch, dass es zwei Arten des Abspritzens bei der Frau gibt: Einmal das weibliche Ejakulieren, ähnlich wie der Samenerguss beim Mann und einmal das sogenannte Squirting (Englisch, bedeutet spritzen). Bei letzterem handelt es sich hauptsächlich um Urin, der beim Orgasmus unkontrolliert die Blase verlässt. Ob die Ärztin Sabine zur Nieden diese Unterscheidung bereits kannte, ist ungewiss. Andere Studien gehen wiederum davon aus, dass jede Frau ejakuliert – manche mehr und andere weniger, sodass diese es oft gar nicht bemerken.

G-Punkt hilft, sofern er gefunden wird

Auch der G-Punkt, den Ernst Gräfenberg 1950 entdeckte, kommt in diesen Untersuchungen vor. Kann durch die Stimulierung dieses Punktes die Frau ejakulieren? Forschungen gehen davon aus, dass es vermehrt genau dann dazu kommt. Und es eher selten beim klitoralen Orgasmus zur Ejakulation kommt. Doch die Existenz des G-Punktes ist immer noch ein Mysterium: Gibt es diesen äußerst empfindlichen Punkt in der weiblichen Vagina, der ihr einen unglaublichen Höhepunkt verspricht? Und wenn ja, wo genau liegt er? Manche sagen, er liegt drei bis fünf Zentimeter von der Vagina-Öffnung entfernt an der vorderen Scheidenwand. Aber wie du merkst, gibt es noch einige Fragen rund um den weiblichen Körper, deren Antworten tief in unserem Inneren verborgen liegen.

Ejakulation ist ein weißes Sekret

Aber zurück zur weiblichen Ejakulation. Melanie Büttner, Sexualtherapeutin und Ärztin aus München, beschreibt dieses Vorgehen wie folgt: Ist die Frau sexuell erregt, wird die Vagina feucht – nur so ist ein reibungsloser Geschlechtsverkehr möglich. Bei der Ejakulation ist diese Befeuchtung einfach nur verstärkt. Durch die Kontraktionen im Unterleib während des Sex und besonders beim Orgasmus, wird dieses Sekret dann nach außen befördert.

Die Flüssigkeit ist weißlich und kommt in der Regel nur in kleinen Mengen vor. Maximal könnte sich damit ein Schnapsglas füllen lassen. Es ist ähnlich dem männlichen Samenerguss, nur eben ohne Sperma. Das Sekret wird in der Skene-Drüse gebildet, der weiblichen Prostata. Doch neuesten Studien zufolge soll nicht jede Frau eine solche Prostata haben, weshalb nicht jede ejakulieren kann. Doch wie bereits gesagt, ist in diesem Themenbereich noch nichts in Stein gemeißelt, da die Forschungen dazu noch in vollem Gang sind.

Dass es sich bei dieser milchähnlichen Lösung nicht um Urin handelt, zeigen nähere Untersuchungen. In dem Ejakulat wurden Calcium, Glukose, das Hormon Serotonin und das saure Prostata-Posphatase gefunden – Stoffe, die in dieser Verbindung nie im Urin auftreten. Der endgültige Beweis lieferte ein Test einer Wissenschaftlerin. Sie verabreichte ihren Probandinnen einen blauen Farbstoff, von welchem sich der Urin blau verfärbte. Bei der anschließenden Ejakulation war die Flüssigkeit bei den meisten klar, bei manchen nur leicht bläulich. Das könnte jedoch daran liegen, dass die Ausgänge der Prostata in die Harnröhre münden.

Beim Squirting kann frau bis zu einem Liter abgeben

Daher kann es sein, dass im vom Squirting ausgeschiedenen Urin Elemente des Sekrets enthalten sind. Bis zu einem Liter des verdünnten Urins kann die Frau während des Sex‘ abspritzen. Aber keine Panik, das ist nichts Schlimmes! Du solltest dir erst Sorgen darüber machen, wenn du auch beim Lachen, Husten oder Niesen eine schwache Blase hast. Denn dann könnte eine Inkontinenz vorliegen.

Doch wann weiß ich, wann es sich zum Ejakulation und wann um Squirting handelt? Das ist relativ einfach: Ist die Flüssigkeit klar und tritt in großen Mengen auf, ist es Urin und somit Squirting. Ist die Flüssigkeit milchig und ist es nur relativ wenig davon, dann ist es das Sekret der Ejakulation.

Wie komme ich zur Ejakulation?

Viele Frauen berichten, dass eine Ejakulation das höchste der Gefühle ist – und sie es mit einem großartigen Orgasmus in Verbindung bringen. Woah! Okay, her mit dem Geheimrezept zum Super-Orgasmus: Wie ejakuliere ich?

Einen sicheren Wegweiser zur Ejakulation gibt es nicht direkt. Manche berichten aber, dass sie eine spezielle Technik entwickelten, die sich bewährte. Der Mann oder man selbst führt zwei Finger in sich hinein – auf der Suche nach dem G-Punkt. Dieser fühlt sich leicht rau an und ist eine kleine Fläche an der vorderen Scheidenwand, also kein Knubbel oder ähnliches. Anschließend mit den Fingern diese Stelle stimulieren, indem ihr wie ein Bagger mit den Fingern diese Stelle drückt und entlang der Wand herunterstreicht. Diese Bewegung wiederholend ausführen. Dabei kann es hilfreich sein, wenn die Klitoris gleichzeitig massiert wird. Und auch, wenn dir dein Partner seine andere Hand auf den Schambeinknochen legt und leichten Druck ausübt. Dies verstärkt die Baggerarbeiten der Finger in dir. Und das soll’s schon gewesen sein. Allerdings bedarf es oft einer Menge an Übung, bis es dann letztlich zur Ejakulation kommt. Denn neben dem handwerklichen Aspekt, muss frau sich voll und ganz entspannen können, um zum feuchten Ende gelangen zu können.

Du merkst, die Ejakulation ist ein Phänomen, das noch viel Erforschungs-Bedarf hat. Und über das wir bestimmt noch eine Menge lesen werden. Doch eins steht jetzt schon fest: Schämen musst du dich dafür ganz und gar nicht! Egal, was da unten raus kommt. Schließlich spritzen die Männer ja auch schon seit Jahrhunderten regelmäßig unsere Bettlaken voll. Von Schamesröte keine Spur.

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