Arztbehandlungen, die ihr euch sparen könnt

Arztbehandlungen, die ihr euch sparen könnt

von -
Arztbehandlungen
©iStock/KTM_2016

Medizinische Maßnahmen können Leben retten – 
aber einige Arztbehandlungen sind oftmals völlig unnötig. Wir verraten, welche das sind.

Ein Blick aufs Röntgenbild – und schon schlägt der Arzt einen ope­rativen Eingriff vor? Leichte Schlaf­probleme – und sofort wird ein starkes Mittel verschrieben? Als Patient steht man solchen Maßnahmen oft ratlos gegenüber und fragt sich: „Muss das wirklich sein?“ Lest hier, welche Arztbehandlungen ihr lieber kritisch hinterfragen sollten.

Gelenkspiegelung

Noch immer zählt die Arthroskopie (Kniegelenkspiegelung) ­zu den häufigsten Operationen
in Deutschland bei Arthrose-­Problemen. Neueren Erkenntnissen zufolge führt der Eingriff aber in den meisten Fällen weder zu einer langfristigen Linderung der Schmerzen noch zu einer besseren Funktion des Gelenks. Umgekehrt birgt jeder Eingriff Risiken. So kann bei der Spiegelung der Knorpel geschädigt werden, man braucht dann also vielleicht früher als sonst ein Kunstgelenk. Sinnvoll ist die Spiegelung meist nur, wenn Bänder und der Meniskus verletzt sind oder ein Knorpelstück das Gelenk blockiert.
Vor einer OP solltet ihr also immer die Zweitmeinung eines anderen Arztes einholen und alternative Therapiemethoden wie Krankengymnastik prüfen!

Beruhigungsmittel

Vielen Patienten werden zu leichtfertig starke Beruhigungs- und Schlafmittel wie Benzodiazepine oder Hypnotika verschrieben, was laut Experten nicht ohne Risiko ist. Neben der Gefahr der Abhängigkeit zeigen Studien, dass durch die unnötige Verschreibung solcher Medikamente vor allem für ältere Menschen auch die Gefahr von Verkehrsunfällen und Stürzen im Alltag steigt. Deshalb sollte man zunächst stets erst sanfte Behandlungs­methoden (z. B. Meditation) oder pflanzliche Mittel (z. B. „Lasea“, Apotheke) ausprobieren.

Herzkatheter

Die Zahl der Herzkatheter-Untersuchungen, bei der ein etwa zwei Millimeter breiter Kunststoffschlauch über Blutgefäße bis zum Herzen geschoben wird, liegt laut Studien in Deutschland pro Einwohner um 70 Prozent höher als in Österreich und um über 90 Prozent höher als in der Schweiz. Dennoch sterben relativ ge­sehen bei uns mehr Menschen am Herzinfarkt. Wird also wahllos untersucht? Grundsätzlich gilt: Bei ernsten Infarktsymptomen schafft der Herzkatheter Klarheit und ist zu empfehlen. Hat man aber „nur“ Brustschmerzen, ist die teure, risikobehaftete Methode meist unnötig. Eher angezeigt ist hier ein intensives Arztgespräch plus Belastungs-EKG.

Röntgen

In Europa und auch in Deutschland wird viel zu häufig geröntgt, obwohl ein Großteil der Aufnahmen überflüssig ist, ergab eine Schweizer Studie. Röntgenbilder werden bei vielen Patienten in regelmäßigen Abständen ange­fertigt, manchmal sogar, wenn gar kein konkreter Anlass vorliegt.

Meist habe dies nur einen Hintergrund, warnen die Schweizer Experten: Ärzte wollen mit diesen aufwendigen Verfahren Geld verdienen – und setzen Patienten damit einer unnötigen und gefährlichen Strahlenbelastung aus. Deshalb sollte man beim Arzt immer nachfragen, ob das Röntgen wirklich nötig ist, und im Zweifelsfall auch hier eine Zweitmeinung einholen.

Bandscheiben-OP

Rückenprobleme sind meist hartnäckig. Doch selbst ein Bandscheibenvorfall ist nur selten ein Fall für das Skalpell. 90 Prozent erledigen sich von selbst: durch Abwarten oder Maßnahmen wie Krankengymnastik, Massagen sowie schmerz- und entzündungshemmende Mittel. Wichtig: Häufig verur­sachen nicht die Bandscheiben Schmerzen, selbst wenn diese auf dem Röntgenbild beschädigt aus­sehen. Vielmehr sind oft Verspannungen oder Gelenkprobleme schuld. Operiert werden muss die Bandscheibe nur, wenn Lähmungen, z. B. im Bein oder an der Blase, auftreten.

Magenschutz-Tabletten

Ob der Nutzen die Nebenwirkungen eines Medikaments überwiegt, sollte regelmäßig überprüft werden. Das gilt insbesondere für die sogenannten Säurehemmer (Protonenpumpenblocker, PPI), die häufig gegen Magen-Darm-Beschwerden eingesetzt werden. Gerade als Langzeittherapie bringen die „Magenschutz“-Tabletten Kopfschmerzen, Übelkeit, Krämpfe und Blähungen mit sich und können zudem das Risiko für Infektionen des Magen-Darm-Trakts stark erhöhen.

Mandeln entfernen

Weil die operative Entfernung der Mandeln bei Kindern erwiesenermaßen nicht immer klare Vorteile bringt, dafür aber Risiken birgt (Narkose, Schmerzen, Nach­blutungs­gefahr), ist sie unter Ärzten umstritten. Viele sagen inzwischen, dass Abwarten oder die risikoärmere Mandel-Verkleinerung oft ausreichen. Grundsätzlich gilt: Sinnvoll ist der Eingriff erst bei mehr als vier fiebrigen Entzündungen pro Jahr.

Myome operieren

Etwa jede dritte Frau hat ­Myome in der Gebärmutter. Die gutartigen Wucherungen werden oft zufällig entdeckt und müssen in der Regel nicht behandelt werden. Ausnahme: Bei Schmerzen oder sehr starker Monatsblutung. Eine Operation oder gar die Entfernung der Gebärmutter ist aber fast immer unnötig.
Eine sanfte Alternative zur OP ist z. B. die Embolisation. Dabei werden Kunststoffkügelchen in die Gefäße gespritzt, die die ­Myome mit Blut versorgen. Die Wucherungen bekommen nicht mehr genügend Nährstoffe und schrumpfen daraufhin langsam.

Zum Weiterlesen: Lest hier, worauf es beim Beipackzettel wirklich ankommt.