Alkohol, Zucker, Fleisch: Was bringt Verzicht wirklich?

Alkohol, Zucker, Fleisch: Was bringt Verzicht wirklich?

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Zucker Verzicht
@iStock/ChesiireCat

In der Fastenzeit verzichten viele Menschen
 auf ungesunde Gewohnheiten wie Zucker. Was 
passiert dabei im Körper? Und was geschieht in unserem Kopf?

LISA hat mit vier Leserinnen über ihre Erfahrungen mit dem Verzicht auf Alkohol, Zucker& Co gesprochen:

Ohne Alkohol

Nüchtern sein steigert sogar die Lust …

Als Genussmittel ist Alkohol aus unserer Gesellschaft kaum wegzudenken. Dabei ist die Suchtgefahr hoch, unsere Gesundheit leidet. Ein Verzicht macht sich schon nach zwei Wochen bemerkbar: Durch längeren, tieferen Schlaf steigert sich unsere Leistungsfähigkeit, das Immunsystem wird gestärkt. Bereits nach vier Wochen sind Blutdruck und Hautbild besser, die Blutwerte nach sechs Wochen. Ab dem dritten
alkoholfreien Monat gibt es einen echten Motivationsschub für die Psyche, unsere Libido ist aktiver und man entdeckt den Spaß an der Nüchternheit.

„Es hatte sich so eingeschlichen: Fast jeden Tag trank ich Alkohol, abends ein Glas Wein, am Wochenende auf Partys auch harte Sachen. Aber vor der Abschlussprüfung machte ich den Cut. Anfangs fragten meine Freunde noch, ob ich schwanger wäre. Nachdem ich das oft genug verneint hatte, wollte man mich ständig überreden, ‚nur ein Gläschen‘ mitzutrinken. Das war echt nervig. Aber es hat sich gelohnt: Ich schlief viel besser und war auch viel konzentrierter beim Lernen. Das Beste: Ich habe drei Kilo abgenommen!“ Laura (23), Studentin

Ohne Facebok

Persönlich statt nur noch digital

Eine neue Studie beunruhigt vor allem Eltern: Nutzen Teenager ihr Smartphone mehr als eine Stunde pro Tag, steigt die Unzufriedenheit parallel zur Nutzungsdauer. Experten empfehlen, digitale Medien nicht länger als zwei Stunden täglich zu nutzen – das tut auch Erwachsenen gut. Dänische Forscher haben zudem herausgefunden, dass Facebook sogar Neid produziert, weil man sich ständig mit anderen vergleicht. Nach einer Woche Verzicht steigt demnach die Lebenszufriedenheit signifikant, die sozialen Aktivitäten im wahren Leben nehmen zu.

„Immer wenn ich mein Smart­phone in die Hand nahm, wanderte mein Daumen zum Facebook-Symbol. Wie gut es tut, nicht draufzu­klicken, merkte ich nach einer Woche. Ich war gelassener und entspannter. Ich spürte auf einmal, wie stressig es war, dass ständig Nachrichten auf mich einprasselten, ich schauen musste, was Freunde gerade aus dem Urlaub gepostet hatten, um ein Like dafür zu verteilen. Als ich mich neulich mit
meiner Freundin traf, fand ich es viel schöner, dass sie mir von ihrem Urlaub erzählen konnte – ohne dass ich schon alles auf Facebook gesehen hatte.“ Birgit (46), Verkäuferin 

Ohne Zucker

Meist ist er unsichbar

Zucker liefert uns schnelle Energie. Doch wenn der Körper sie nicht braucht, wandelt er sie in Fett um – und das belastet die Leber. Schon nach wenigen Tagen des Verzichts sinken unsere Blutfettwerte, wir
sparen Kalorien und nehmen ab. Das Suchtgefühl nach Süßem verschwindet nach etwa einem Monat.

„Es hat etwas Überzeugungskraft gekostet, mit der ganzen Familie Zucker zu fasten. Aber schließlich standen wir gemeinsam im Supermarkt und durchsuchten die Inhaltsstoffe der Lebensmittel nach Zucker. Ich hätte nie gedacht, wo er überall versteckt ist – in Wurst, Tomatensoße, Chips. Viele Dinge habe ich dann selbst gemacht. Das war richtig lecker. Nur auf Obst, also natürlichen Fruchtzucker, haben wir nicht verzichtet, da waren die Vitamine wichtiger. Als die Fastenzeit vorbei war, hat alles plötzlich viel süßer geschmeckt. Wenn ich jetzt Kuchen backe, verwende ich viel weniger Zucker, als im Rezept verlangt wird.“ Caro (39), Zahnarzthelferin & Emma (11), Schülerin

Ohne Fleisch

Abwechslung auf dem Teller

Ob eine Ernährung ohne Fleisch gesund oder ungesund ist – darüber streiten sich Experten. Viele warnen vor einem Mangel an Vitamin B12 und Eisen, dem man aber mit Hülsenfrüchten und Milchprodukten entgegenwirken kann. Da Vegetarier insgesamt gesünder leben, mehr Sport treiben und weniger rauchen, attestieren ihnen viele Studien ein längeres Leben. Fleisch ist aber nicht wirklich ungesund, nur leider verzehren wir doppelt so viel, wie empfohlen wird, deswegen lohnt sich ein zeitweiser Verzicht durchaus. Man hat außerdem herausgefunden, dass sich durch temporären Fleischverzicht die Darmflora verbessert.

„Von einem Tag auf den anderen ohne Wurst und Fleisch – das war komplizierter, als ich dachte. Mein Körper hat nicht danach verlangt, aber ich habe viel länger gebraucht, um meine Mahlzeiten zu planen. Mit einem speziellen Kochbuch war es dann leichter und ich habe ganz viele Dinge ausprobiert und einige neue Lieblingsgerichte für mich entdeckt. Seitdem esse ich abwechslungsreicher und fühle mich auch fitter.“ Sabine (52), Physiotherapeutin