Alkohol: Ist ein Schluck schon zu viel?

Alkohol: Ist ein Schluck schon zu viel?

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Alkohol
©iStock/petrenkod

Ein Glas Wein am Abend ist gesund fürs Herz, hört und liest man seit Jahren. Neueste Studien sagen jetzt allerdings das Gegenteil.

Ein Glas Wein am Abend: Nicht nur Balsam für die Seele, sondern auch gut fürs Herz! Schon seit vielen Jahren hält sich dieses Wissen hartnäckig. Doch hilft Alkohol in Maßen tatsächlich gegen Herz-Kreislauf-Krankheiten? Falsch gedacht! Neueste Ergebnisse in der Forschung stellen diesen weit verbreiteten Mythos infrage. So soll das Risiko für Krebs, Tuberkulose und alkoholbedingte Verletzungen die Vorteile von, zwar nur geringen, doch fatalen Alkoholkonsum überwiegen.

Schon ein Schluck…

…soll unsere Lebenserwartung verkürzen! Zumindest zeigt das eine neue Studie der Online-Fachzeitschrift „The Lancet“.  Krebs, Leberzirrhose, Bluthochdruck, Tuberkulose aber auch alkoholbedingte Unfälle: Allein zehn Gramm Alkohol am Tag (das entspricht ungefähr einer Flasche Bier oder einem Glas Wein) soll das Risiko für diese Krankheiten um 0,5 Prozent erhöhen. Zwanzig Gramm sogar um sieben Prozent. Je nach Alkoholgehalt kann ein gut gefülltes Weinglas am Abend also viel Schlechtes begünstigen.

Positiver Effekt?

In den vergangenen Jahren gab es aber auch viele Studien, die zeigten: Eine geringe Menge Alkohol lässt Blutfettwerte und Cholesterinspiegel sinken und soll Osteoporose und Herz-Kreislauf-Krankheiten vorbeugen. Doch um welchen Preis? Zwar kann Alkohol in der Tat positive Auswirkungen auf den Körper haben, jedoch überwiegen die negativen Einflüsse deutlich. Zu diesem Ergebnis kam eine Untersuchung von Daten aus 694 Studien zum Alkoholkonsum sowie 592 Studien zu dessen gesundheitlichen Folgen, ingesamt also Daten von ca 28 Millionen Menschen. Forscher schauten sich besonders 23 häufige Krankheiten an. Diejenigen, die nicht tranken, erkrankten jedes Jahr 914 von 100.000. Unter denen, die durchschnittlich ein Bier oder ein Glas Wein pro Tag tranken, waren es 918. Bei zwei Getränken waren es 977 und bei fünf sogar schon 1.252.

2,8 Millionen Todesfälle pro Jahr

An dieser Anzahl soll Alkohol beteiligt sein. In der Studie heißt es außerdem, dass er für 2,2 Prozent aller Todesfälle bei Frauen und 6,8 Prozent aller Todesfälle bei Männern verantwortlich sei. Bei der Gruppe der 15- bis 49-Jährigen, in der besonders viel getrunken wird, seien es sogar 3,8 beziehungsweise 12,2 Prozent.

„(…) ein kolossales Problem für die Weltgesundheit.“

Das sagt die Hauptautorin Emmanuale Gakidoe, Professorin an der Universität of Washington, über Alkohol. Sie würde sich strengere Gesetze für den Verkauf und die Verfügbarkeit wünschen. Zusammenfassend komm die Studie zu diesem Schluss: Es gibt keine sichere Menge von Alkohol.

„Alkoholkonsum ist zwar mit einem leicht geringeren Risiko für nicht tödliche Herzinfarkte verbunden, aber das muss gegen das höhere Risiko anderer schwerer – und möglicherweise tödlicher – Herz-Kreislauf-Erkrankungen abgewogen werden“, sagt  Angela Wood von der britischen Universität Cambridge.

Weltweit trinkt jeder dritte Mann und jede vierte Frau regelmäßig Alkohol. 90 Prozent der Frauen und 94 Prozent der Männer in Deutschland. Die Dänen trinken übrigens am meisten: 95 Prozent der Frauen und 97 Prozent der Männer konsumieren dort regelmäßig Alkohol.